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Telly (Leo Fitzpatrick) „knackt“ gerne Jungfrauen; das Alter spielt dabei überhaupt keine Rolle. Durch seine Überredungskünste hat er bisher jedes von ihm begehrte Mädchen in die Federn gezerrt. Das Verführen von Jungfrauen wird zu einer Sucht für ihn, da er sich in dem Moment des „Knackens“ als Mann fühlt. Nach dem Liebesspiel gibt sich Telly damit zufrieden, dass das Mädchen ihn ihr ganzes Leben nicht vergessen wird – immerhin war er der erste Mann in ihrem Leben. Sobald er sie „geknackt“ hat, sind sie wertlos für ihn, er redet danach noch nicht einmal mehr mit ihnen. Sex ist sein Lebensinhalt – ohne Sex hat er nichts.

Sein bester Freund ist Casper (Justin Pierce). Zusammen hängen sie den ganzen Tag irgendwo ab und lassen ihrem skrupellosen Verhalten freien Lauf, was sich darin widerspiegelt, dass sie mitten am Tag an ein Gebäude pinkeln oder willkürlich Leute beleidigen. Wenn kein Geld da ist, wird halt geklaut – im Notfall sogar bei den Eltern. Allerdings empfinden Telly und Casper sie Mitleid mit den Leuten, die genauso arm dran und perspektivlos sind wie sie selber: Casper steckt in der U-Bahn einem Mann ohne Beine ein paar Penny in seinen Klingelbeutel.

Bei Paul (Sajan Bhagat) ist der bekannte Umschlagplatz zum Drogenkonsum. Dort versammeln sich Telly, Casper und ihre Freunde, wenn sie sich mal wieder ordentlich abschießen wollen. In einem Gespräch unter Jugendlichen wird schließlich skandiert, dass AIDS doch nur erfunden sei, damit die Leute die teuren Verhütungsmittel kaufen. Schließlich kennt man ja keinen, der an dieser Krankheit leidet. Nach diesem Gespräch geht es in den Skate-Park, wo neuer „Shit“ gekauft wird. Nebenbei wird ein Afroamerikaner von Tellys und Caspers Truppe fast totgeschlagen, da er Casper Schläge angedroht hat.

Während Telly durch die Straßen zieht und sich neue Jungfrauen sucht, wandert die desorientierte Jennie (Chloe Sevigny) wie hypnotisiert durch die Straßen: Sie hat gerade erfahren, dass sie am HIV-Virus erkrankt ist. Nun ist sie auf der Suche nach Telly, dem einzigen Jungen, mit dem sie jemals Sex hatte. Auf der Suche wird sie ständig damit konfrontiert, dass Telly bereits neue Jungfrauen „geknackt“ hat. Jennie versucht verzweifelt Telly zu finden, um ihm die Nachricht seiner Erkrankung zu überbringen. Trotz der schweren Erkrankung muss die Verzweiflung immer wieder der Hoffnung weichen, dass man nicht sterben wird – das passiert doch nur den anderen Leuten. Der Schlag, dass man diesmal selbst betroffen ist, sitzt tief.

„Kids“ zeigt uns schonungslos das Bild unserer heutigen Generation auf. Allerdings muss man auch sagen, dass hier lediglich eine Randgruppe beleuchtet wird, denn nicht überall geht es so chaotisch, skrupellos und rüde zu. Dennoch geht der Film auch mit dem Zeigefinger an bestimmte Themen heran und zeigt deutlich auf, dass AIDS jeden treffen kann – jeden Tag. Dies gelingt Regisseur Larry Clark ausgesprochen gut, denn mit dem Charakter von Jennie wird dem Zuschauer auf traurige Weise vor Augen geführt, dass Naivität hart bestraft werden kann.

Clark hat mit „Kids“ einen Film geschaffen, der zur Prävention und Aufklärung von übertragbaren Krankheiten vielleicht mehr beitragen kann, als sämtliche Bücher bzw. Gespräche mit Ärzten, Freunden oder Bekannten. Besonders gelungen ist das Ende des Films, denn dort schließt sich – ohne zuviel verraten zu wollen – der Kreislauf wieder. 8 / 10

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