Review

"Kids" von Larry Clark

1. Story
Früher Morgen in New York: Der 17-jährige Telly vögelt ein rund 13-jähriges Mädchen. Danach verschwindet er und besucht mit seinem Kumpel Casper ein paar Freunde in ihrer Wohnung. Dort wird erstmal eine Runde gekifft und Helium inhaliert. Nach einem Gespräch geht's weiter in die U-Bahn. Währenddessen erfährt die 16-jähriger Jenny, dass sie HIV-positiv ist. Der einzige mit dem sie jemals Sex hatte, ist Telly. Also macht sie sich auf die Suche nach ihm. Telly hat schon die nächste Jungfrau im Visier - Darcy. Nach einem Zwischenstopp in Tellys Zuhause geht es weiter in den Park, wo wieder gekifft wird. Nachdem die Clique ein schwules Pärchen aufs übelste runtergemacht hat, schlagen rund 20 Kids, darunter Telly und Casper, einen Schwarzen fast tot. Weiter geht's zum Schwimmen, wo sich Telly an Darcy ranmacht. Langsam wird's dunkel und die Kids gehen auf eine Party. Auf ihrer Suche nach Telly landet Jenny in einer Raver-Disco, wo ein freakiger Nerd ihr Drogen einpumpt. Als sie schließlich auf der Party ankommt, sieht sie bereits, wie Darcy unter Qualen von Telly entjungfert wird. Jenny legt sich hin und wird daraufhin von Casper vergewaltigt. Ende eines ganz normalen Tages im Leben von Telly, Casper und vielen weiteren Kids in New York.

2. Schauspieler
In diesem Film sind hauptsächlich Laien-Darsteller zu sehen, die niemals zuvor in einem Film mitgewirkt haben. Erstaunlicherweise fällt dadurch die Schauspielkunst in diesem Film sehr gut aus. Leo Fitzpatrick und der mittlerweile verstorbene Justin Pierce agieren sehr gut und realistisch in ihren Rollen als Telly und Casper. Sehr beeindruckend ist auch die mittlerweile bekannte Chloe Sevigny als Jenny, die hier ihr Spielfilmdebüt gab. Alles in allem sehr gute Darstellerleistungen.

3. Musik
Die Musik für den Film besteht hauptsächlich aus der Feder mehrerer Underground-Bands. Songs wie "Daddy never understood" (wird im Vorspann gespielt) von der Deluxx Folk Implosion oder "Casper the friendly ghost" (während der großen Schlägerei) hören sich einfach nur noch super an. Am liebsten möchte man sich gleich alle Lieder nochmal anhören.

4. Kamera
An der Kamera arbeitete Eric Edwards, der hier einen super Job geleistet hat. Die Bilder wirken dokumentarisch und sind immer mitten im Geschehen, was dem Film noch mehr Authentizität verleiht.

5. Fazit
Wollte Regisseur Larry Clark einfach nur provozieren oder ist ihm hier ein Kunstwerk gelungen? Ist die Jugend von heutzutage wirklich so oder hat Clark übetrieben? Diese Fragen haben die Medien nach dem Kinostart des Films wohl am meisten gefragt und sie sind auch schwer zu beantworten. Auf der einen Seite sind manche Aufnahmen (Großaufnahme der Brüste einer Minderjährigen) total unnütz und scheinen provozierend wirken zu wollen. Andererseits werden auch Themen wie AIDS auf sensible Weise behandelt. Meiner Meinung nach drängt Clark das Thema AIDS jedoch viel zu sehr in den Hintergrund und konzentriert sich stattdessen mehr auf vulgäre Sprache, Gewalt und Drogenkonsum. Ob die Jugend von heutzutage wirklich so drauf ist? Ich würde sagen: Ja! Als der Film 1995 gedreht wurde, mag es vielleicht noch nicht so krass gewesen sein, aber heute sind wir, glaube ich, bereits so weit. Meiner Meinung nach hat Clark damals eher eine Zukunftsvision als Gegenwartsbericht abgeliefert.
Trotz alldem ist der Film sehr unterhaltsam und interessant anzusehen. Ich habe ihn nun schon viermal gesehen und kann ihm jedesmal was neues abgewinnen. Beim erstenmal Ansehen wird er wohl vielen nicht gefallen, ich empfehle jedoch ihn unbedingt öfters zu sehen. Es lohnt sich.

"Kids" mag provozierend, brutal und vulgär sein - in meinen Augen ist er jedoch ein sehr guter Film, der unterhält und vor allem schockiert.

Anspruch: 2 von 5
Action: 2 von 5
Spannung: 1 von 5
Humor: 3 von 5
Musik: 5 von 5
Erotik: 0 von 5

Insgesamt: 8/10

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