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Ich glaube, am angebrachtesten ist es, wenn ich hier mal das Szene-Mag GROOVE zitiere, die als Vertreter der Jugend- und Partykultur eigentlich wissen sollten, wovon sie reden:

"KIDS oder 'Die Phantasien des Larry Clark". Man nehme Drogen, Sex und Gewalt, würze das ganze mit einer Prise No Future und fertig ist die Jugend von heute. Dank Larry Clark, dem keine Recherche zu mühselig, kein Klischee zu abgegriffen und keine Authentizitätsbeteuerung zu peinlich war, wissen wir endlich, was wir schon immer wussten: die Jugend von heute taugt einfach nix. Wir haben ja, lieber Larry - in Anbetracht Deines offensichtlichen Defizits in Sachen eigener Jugend - durchaus Verständnis für deinen Nachholbedarf, aber die Jugend auf so platte weise als Müllhalde für deinen verklemmten Seelenschrott zu missbrauchen, geht uns dann doch ein bisschen zu weit. Also nochmals: Danke Larry! Danke für Dein ach so differenziertes Portrait der heutigen Jugend. Vielleicht versuchst Du es das nächste Mal mit einem Film über ein Seniorenheim, denn da gehörst du eigentlich hin." (C. W., 1996)

Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen. Larry Clark, Jahrgang 1943(!!!) erhebt durch seinen dokumentarischen Stil Anspruch auf Allgemeinheit. Laut seiner Aussage ist die ganze Jugend ein versautes, perspektivloses, rücksichtsloses, gewaltbereites, wild durch die Weltgeschichte pimperndes und absolut unmoralisches Pack. Geht es nach Larry Clark, wird die Generation von heute wohl einen Schlussstrich unter das Kapitel Menschheit ziehen, uns vielleicht bestenfalls zurück in die Steinzeit katapultieren. Clark schiebt zwar die Schuld für dieses Debakel nicht explizit der Jugend unter, sondern macht auch deren Umfeld verantwortlich, aber was er der Jugend durch diesen Film unterstellt, ist schon unerhört.

Das Schlimmste daran ist ja, dass dieses Machwerk in der internationalen Fachwelt auch noch ernst genommen wird. Ich weiß nicht wie viele der höheren (und älteren) Herrschaften sich diesen Film angesehen haben und danach naserümpfend und entsetzt die nachkommende Generation beäugen. Clark hat durch diesen Unfilm das Unwort "Generation X" erst mitetabliert und zusätzlich noch in ein äußerst negatives Licht gerückt. Sicherlich gibt es heutzutage Probleme in der Jugend, und sicherlich rücken auch viele Sex in den Mittelpunkt des Lebens, und sicherlich gibt es auch irgendwo chronische Jungfrauenknacker, aber die provokante Selbstverständlichkeit, mit der Clark seine Thesen der ganzen Jugendkultur unterbreitet, ist einfach nur bemitleidenswert. Außerdem dürfte das wohl auch schon seit geraumer Zeit der Fall gewesen sein und das Ganze auf die sogenannte "Generation X" zu reduzieren ist geradezu frech.

Nebenbei ist KIDS auch filmisch eine absolute Katastrophe. Die Darsteller, natürlich alles "authentische Laiendarsteller" agieren unglaublich nervig, woran wahrscheinlich aber auch das miese Drehbuch und Clarks Regiestil Schuld tragen. Jedes zweite Wort, das fällt, ist "ficken", und der Unterschied zum etablierten Hollywood-Ghetto-Slang ist, dass dabei auch jedesmal "ficken" gemeint ist. Natürlich ist der heutige Jugendliche zu keinerlei vernünftig artikulierten Äußerung fähig, schon klar, aber dieser Pseudo-Slang geht nebenbei auch einfach nur gehörig auf den Keks. Der, nun ja, "Plot" muss sich natürlich äußerst düster pessimistisch geben. Dabei wird aber dermaßen dick aufgetragen, dass ich mich ehrlich gesagt frage, wie irgendjemand dieses Werk auch nur ernst nehmen kann. Zusätzlich muss die versaute Jugend natürlich auch noch durchweg in möglichst direkten Sexszenen portätiert werden, was der Zielgruppe jenseits der 40 Lenze wohl sicherlich gefallen wird. Dadurch entsteht mir allerdings der Eindruck, Herr Clark beabsichtigte unter dem Deckmantel der Provokation und Sozialkritik in erster Linie nur, Teenies beim Pimpern filmen zu dürfen (dass er dafür ein Faible hat, bewies er ja in seinen jüngeren Filmen zur Genüge, siehe TEENAGE CAVEMAN). Zudem hat Clark natürlich noch durch bewusste und im filmischen Kontext absolut unsinnige Provokationen (die nackten Brüste einer gerade 14-jährigen) natürlich international für Aufruhr gesorgt (Proteste, Ohnmachtsanfälle, Zensur in England etc.). Tja, so kann man einen miesen Film eben auch vermarkten. Nenn es Sozialkritik und du hast Narrenfreiheit, erntest am Besten auch noch den Beifall und Segen der schockierten Fachliteratur. "Endlich mal ein Regisseur, der sich traut zu sagen, wie es wirklich ist!" - so oder ähnlich ging es damals durch sonst seriöse Kulturmedien. Alle sind sie ihm auf den Leim gegangen!

Larry, wir verstehen ja, dass man in deinem Alter schon mit komplexen zu kämpfen hat, aber lade deine Phantasien nicht auf den Schultern der Jugend ab!

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