Review

„Jackie Brown“ ist der dritte und der wahrscheinlich am meisten unterschätzte Film von Quentin Tarantino. Als Romanvorlage diente Tarantino das Buch „Rum Punch“ von Elmore Leonard, der unter anderem auch schon die Vorlage zu „Out of Sight“ schrieb. Man kann also mit einem coolen Gangster-Krimi rechnen, aber wer Quentin Tarantinos typischen Stil erwartet, könnte möglicherweise enttäuscht werden. Aber zu Unrecht.

Die Geschichte um die Flugbegleiterin Jackie Brown (Pam Grier) ist schnell erzählt. Sie schmuggelt Geld für den Waffenhändler Ordell Robbie (Samuel L. Jackson) und wird eines Tages von der Polizei erwischt. Die Polizei schlägt ihr vor, Ordell Robbie zu verpfeifen. Dies würde womöglich ihren Tod bedeuten, aber auf Knast hat sie ebenso wenig Lust also entwickelt sie, mit ihrem Kautionssteller Max Cherry (Robert Forster), einen Plan und versucht beide Seiten gegeneinander auszuspielen.

Pam Grier, die vor allem in den 70er Jahren Erfolg mit Blaxploitation-Filmen wie „Coffy“ oder „Foxy Brown“ hatte, feierte 1997 ein gelungenes Comeback, das sie wieder aus der Vergessenheit befreite. Sie spielt die Flugbegleiterin wirklich überzeugend und ist meiner Meinung nach perfekt besetzt. Doch auch die anderen Schauspieler agieren sehr gut vor der Kamera. Da wären zum Beispiel noch Robert Forster als der Kautionssteller Max Cherry, Samuel L. Jackson als Robbie Ordell, Robert de Niro als Ex-Knacki Louis Gara, Ex-Batman Michael Keaton als Polizist Ray Nicolette und Bridget Fonda als kleines Strandluder Melanie Ralston.

Der Soundtrack, den Tarantino für diesen Film zusammen gestellt hat, ist meiner Meinung nach der beste aller seiner Filme. Meinen Geschmack hat er mit den Soul & Funk-Stücken bestens getroffen und Bobby Womack’s „Across 110th Street“ ist der Ohrwurm schlechthin. Weiteres sind auf dem Soundtrack die Delfonics, Minnie Ripperton, Bill Withers, die Brothers Johnson und Randy Crawford vertreten, deren soulige Songs ich nur weiterempfehlen kann.

Der Film überzeugt weiter mit tollen Bildern und einer tollen Atmosphäre, die sehr an die alten 70er-Jahre Filme erinnern. Aber anders als in seinen anderen Filmen verzichtet Quentin Tarantino auf blutgetränkte Szenen, was vielleicht einigen seiner Fans missfällt.

Wie schon gesagt ist „Jackie Brown“ der wohl am meisten unterschätzte Film von Meisterregisseur Quentin Tarantino, auch wenn er sich meiner Meinung nach keinesfalls hinter „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ zu verstecken braucht.

Details
Ähnliche Filme