Tarantinos Nachfolger zu "Pulp Fiction" spaltete das Publikum wie kaum andere zeitgenössische Filme - nicht sonderlich verwunderlich, da sich "Jackie Brown" im Gegensatz zu "Pulp Fiction" dem Zuschauer nicht aufdrängt. Vielmehr kann der Zuschauer ein cineastisches Erlebnis erwarten - und so war's geplant.
Was ist "Jackie Brown"? Eine Homage an die schwarzenfilme der 70er-80er, und in diesem Gewand presentiert sich dieser Film. Coole schwarze Musik (Soul, R&B, Disco,...), ein dementsprechendes Design und nicht zuletzt Spitzenschauspieler.
Tarantino suchte wie gewohnt seine Schauspieler sehr bewusst aus: neben Robert de Niro ("Taxi Driver" fällt mir an dieser Stelle ein), Robert Forster und Bridget Fonda kramte Tarantino auch noch Pam Grier (bekannt aus "Foxy Brown") aus. Dass zu allem Überfluss auch noch Samuel L. Jackson mitspielt, liegt sicher nicht nur an Pulp Fiction; vielmehr errinnert man sich an das Remake von Shaft ("Shaft - Noch Fragen?").
Es geht also primär um Schwarze und Schwarzenproblematik - und das wird thematisiert. Wie bei Tarantino üblich werden die Psychen von kriminellen Menschen durchleuchtet - und das meiner Meinung nach sehr gekonnt. Die Dialoge sind gut bis witzig (z.B. das tolle Gespräch über Waffen beim Betrachten der Serie "Chicks who love Guns"), die Charaktere glaubwürdig.
Und wenn hier jemand schreibt, Tarantino kann Liebe nicht darstellen, hat er nicht viel verstanden. Gerade das einzige Liebesverhältnis im Film, zwischen Jackie und ihrem Kautionsvermittler wird sehr gut dargestellt. Beide lieben sich irgendwie, helfen sich und trennen sich wieder, ohne dass es zu einer Beziehung oder Sex kam. Platonische Liebe, die auf gegenseitigem Verständnis und Zuneigung basiert. Süß. Außerdem wird hier auf alternde Menschen angespielt, und wie man damit umgeht. Vor allem, wenn man eine schwarze Stewardess über 40 ist.
Und noch weiter: Tarantinos Gangster-Studie beleuchtet ausserdem das Miteinander krimineller Menschen, Vertrauen, Angst und zeigt Archetypen der Gangsterszene. Ehrliche Cops, die sich von Geld verführen lassen, coolen Waffendealern, ehemaligen Sträflingen, Möchtegern-Gangstern, Gangsterschlampen und alternden Kautionsvermittlern.
Und das im typischen Hochglanz-Tarantino-format.
Was mich als Tarantino-Fan angeht: Super. 8 Punkte.
Leute, die Tarantino nicht verstehen (wollen), sollen wegschalten und die Klappe halten. Ganz einfach.
Nächster Film.