Review

Immer wieder gut.

Es ist vielleicht nicht QUENTIN TARANTINOS bestes Werk; aber was macht das schon, wenn man nur sich selbst übertreffen kann, und um zum Mittelmaß abzusteigen ein entsprechend weiter Weg zurückgelegt werden müsste. Tarantino ist eben nicht nur das "enfant terrible" der Kinowelt, sondern auch das Wunderkind. Das ist ein unbestreitbarer Fakt, auch wenn QT-Abneiger jetzt wild mit den Armen fuchteln und mit quietschendem Geschrei aufwarten.
QT's Film sind anders. Wie immer zeichnen Tarantinos Filme eine unglaubliche Detailverliebtheit aus, sei es in Bezug auf die umfangreichen Dialoge, den langen Takes, die facettenreichen Storys oder die obligatorischen Close-Up's auf nackte Frauen-Füße.
All' das gibt es auch hier, aber anders als in den anderen seiner Filme; außerdem verwertet er wieder Songs seiner privaten Schallplattensammlung für den Soundtrack. Wenn nicht genial, dann zumindest originell; auf jeden Fall erwähnenswert bzw. am bekanntesten ist wohl die Kaufhaus-Szene*, welche aus drei unterschiedlichen Perspektiven, je nach Blickwinkel der gerade handlungsaktiven Darsteller, gezeigt wird.

In einem Film, der den Titel JACKIE BROWN trägt, geht es natürlich auch um Jackie Brown. Dargestellt wird diese Titel-Figur von PAM GRIER, welche einigen Altvorderen oder B-Movie-Fans als Star-Ikone des Blaxploitation-Zeitalters der 70er-Grindhouse-Jahre ein Begriff sein wird (*Foxy Brown*, *Coffy*) und mit diesem Film gewissermaßen eine Hommage an sich selbst verkörpert. Ähnliches gilt für ihren vielleicht nicht ganz so bekannten Film-Partner ROBERT FORSTER, der für seine Nebenrolle in diesem Film mit dem OSCAR nominiert wurde.
In einer weiteren Hauptrolle ist SAMUEL L. JACKSON vertreten, der zwar ein wenig zuviel redet, aber aus einem QT-Film nicht wegzudenken wäre (nein, Michael Parks als ewiger "Texas Ranger Earl McGraw" ist diesmal nicht dabei); desweiteren darf Ex-Batman MICHAEL KEATON als Zivil-Cop seine Schauspielkunst beeindruckend unter Beweis stellen.
Phänomenal ist auf jeden Fall der Auftritt von ROBERT De NIRO als abgewrackter, ex-inhaftierter Klein-Ganove in einer kleineren Nebenrolle; BRIDGET FONDA als blondes Flittchen bewegt sich eher in einer Gastrolle, dafür aber sehr erogen.
In noch kleineren Rollen befinden sich CHRIS TUCKER und Ex-Wrestler TOMMY 'TINY' LISTER (beide mir bekannt aus *Das fünfte Element*) sowie SID HAIG (Rob Zombie's *Haus der 1000 Leichen* + *The Devil's Rejects* sowie Exploitation-Veteran), der hier das absolute Gegenteil seiner "Captain-Spaulding"-Rolle darstellt.
Irgendwo im Gerichtssaal soll sich auch QT's damalige Flamme MIRA SORVINO aufhalten.

Viel mehr sagen kann man über den Film eigentlich nicht; braucht oder sollte man auch nicht. Es erklärt sich alles von selbst, wenn man ihn gesehen hat.
Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich auf ein paar überraschende Gewaltszenen einstellen, die aber nicht so explizit offenbart werden wie bei anderen QT-Filmen. Ansonsten bezieht der Film seine (beizeiten allerdings etwas abflauende) Dynamik aus den verqueren Situationen.
Etwas gewöhnungsbedürftig, und bei diesem Film auch reichlich überflüssig sowie mir nicht sonderlich wohlfeil, ist der sehr vordergründig dargestellte Konsum von Drogen, der in *Pulp Fiction* wenigstens noch Teil-Grundlage der Story war. Aber in US-Produktionen werden solche Szenen eben gerne eingesetzt wie die Fäkal-Witze bei US-Komödien; so sind sie halt, die sonst so prüden Ami's.

Schulnote: 1- (das Minus für ein paar etwas zu ausgedehnte Szenen; aber auch ein wenig für Robert DeNiro, weil ihm ständig die Blubber-Pfeife ausgeht - er hätte es lieber lassen sollen.)

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