Mit Schwarzgeld wird Jackie Brown am Flughafen gestellt. Das FBI wittert die große Chance, durch Jackies Aussage einen Schmuggler-Ring auszuheben. Die Cops sind bereit, Jackie laufen zu lassen, wenn sie den Namen ihres Auftraggebers preisgibt. Die Entscheidung fällt ihr schwer, denn Ordell Robbie, Drahtzieher der dubiosen Waffen-Geschäfte, würde sie umbringen, wenn er Wind von einem Deal mit dem FBI bekäme. Bevor sie sich entscheiden kann, kommt alles anders: Sie lernt den Kautions-Vermittler Max Cherry kennen mit dem sie einen Plan schmiedet um Ordell gegen die Polizei auszuspielen.
Gegenüber meines Lieblings-magichnichtfilm Pulp Fiction ist Jackie Brown für Tarantino ein echter Fortschritt. Die Story ist freundlicherweise mal linear erzählt, wovon nur im Finale bei der Geldübergabe abgewichen wird und die Szene aus drei verschiedenen Perspektiven geschildert wird. Die Story spielt wie immer im Gangstermilieu, das beliebte Thema "jeder-bescheißt-den-anderen" wird aufgegriffen, nur warum man die Geschichte auf epische zweieinhalb Stunden aufblasen muß, war mir nicht ganz klar.
Das ist zwar dahingehend von Vorteil das Tarantino seine eingebauten Stärken einfließen kann, nämlich interessante, schräge Charaktere zu schaffen und meist sehr spaßige Dialoge wirken zu lassen. Auf die Dauer kann sowas aber auch nach hinten losgehen und zwar dann, wenn der Zuschauer damit schlicht überfrachtet wird. Spaß macht dabei auch die edel belegte Besetzungscouch, bei der sich auch in Kleinrollen Leute wie Robert de Niro als kiffender Kleingangster einfinden, bis hin zu Kleinstrollen mit Leuten wie Tiny Lister, Chris Tucker oder Sid Haig, die man einfach immer wieder gerne sieht.
In Sachen Action hält man sich vornehm zurück, hier arbeiten sich meist die Dialoge durch die Handlung, was eben bei der Überlänge schon mal etwas zähflüssig werden kann. Die Kriminalstory ist ganz nett, bietet aber nur wenig Neues. Auf das Geturtele mit Robert Foster seitens Pam Grier hätte ich auch gerne verzichten, dient zwar dazu die Motivation des Kautionsstellers zu verdeutlichen, wirkt aber auch eher wie eine künstliche Laufzeitdehnung. Von Tarantinos Filmen vor der Jahrtausendwende geht immer noch Reservoir Dogs als Sieger hervor.
6/10