Review

Dieser Film ist auf jeden Nichts für schwache Nerven. Denn sowohl die Story als auch die Inszenierung zehrt doch sehr an einem, man schnappt die Gefühle der Charaktere regelrecht auf und fühlt mit ihnen, fühlt wie sie und sieht die Ausweglosigkeit.

Es geht um Maggie und Jorge, von Maggie jedoch George genannt. Sie lernen sich in einer Karaoke-Bar in England kennen. Und beginnen zu reden. Maggie erzählt über ihre Vergangenheit, wie sie von ihrem Vater missbraucht wurde und wie ihr vom Jugendamt bereits 4 Kinder weggenommen wurden. Auf einen Neuanfang hoffend, lässt sie sich auf eine Beziehung mit Jorge ein. Sie ist bald wieder schwanger. Und das Jugendamt steht wieder vor der Tür...

Die Umstände und Gründe, wieso Maggie immer wieder die Kinder weggenommen werden, wäre zu viel verraten. Die Leidensgeschichte von Maggie sollte sich jeder ansehen. Sie ist verzweifelt. Der Film zeigt die Ausweglosigkeit der Protagonisten knallhart, er ergreift aber keinerlei Partei, wie ich finde. Doch immer wieder steht das Jugendamt vor der Tür, aus verschiedensten Gründen. Die Geschichte der ersten 4 Kinder, die ihr weggenommen wurden, erfährt der Zuschauer in Rückblenden, während sie es Jorge erzählt. Dieser, ein Emigrant aus Paraguay, ist lebensfroh und optimistisch. Sie verlieben sich und Jorge verspricht ihr naiv, dass alles besser werden würde und das Jugendamt ihnen sicher keine Kinder wegnehmen wird.

Zwischen Jorge und Maggie stimmt es auch. Doch das Jugendamt ist gewarnt von Maggies früheren Liebschaften, es meint, Maggie hat sich wieder einen Schläger angelacht. Als dann eine Beamtin die Beiden "verhört", flippt Maggie wieder aus. Teilweise denkt man sich, wieso sie nicht einmal ihren Mund halten kann, dann würde sie sich nicht immer in die gleiche Lage begeben. Doch andererseits hat man Verständnis für ihr Verhalten. Verzweiflung und Wut siegen über klares Denken und besonnenem Auftreten. Die Angestellten des Jugendamtes trifft jedoch auch nicht wirklich schuld. Sie müssen das beurteilt, was sie sehen und was sie in den Gesprächen mit den Eltern der Kinder erfahren. Doch Maggie lässt nicht normal mit sich reden.

Somit entsteht ein Teufelskreis, aus dem es zumindest für Maggie und Jorge kein Entrinnen gibt. Doch die Liebe hält sie zusammen. Sie, aus miserablen Umständen und er mittlerweile illegaler (sein Visum ist abgelaufen) Einwanderer aus Paraguay. Sie versuchen, eine Familie aufzubauen, egal, was es koste.

"Ladybird, Ladybird" zeigt nicht nur das wirtschaftliche Problem, das in England teilweise vorherrscht, sondern auch die sozialen Missstände. In heruntergekommenen Vierteln gedreht, zeigt der Film das Problem der Staatsbürokratie. Maggie ist entsetzt, ihre Kinder immer wieder abtreten zu müssen, weil das Jugendamt meint, sie würde bestimmte Anforderungen nicht erfüllen. Doch sie selber wurde in ihrer Jugend von ihrem Vater sexuell missbraucht. Das weiß der Zuschauer. Aber nicht das Jugendamt. So ist der Film eine Anhäufung von Ignoranz bzw. Missverständnissen. Ein Teufelskreis eben.

Die schauspielerischen Leistungen sind in Ordnung, wobei mich die Perfomance von Crissy Rock trotzdem das ein oder andere mal richtig aggresiv gemacht hat, auch wenn ich sehr mit ihr mitfühlen konnte und kann. Liegt vielleicht auch an der etwas unglücklichen deutschen Synchronstimme. Maggie ist die aufbrausende, mit einem nicht zu stoppenden Mundwerk, Mutter. Jorge hat ganz klar die Sympathien auf seiner Seite, macht aber teilweise einen weltfremden Eindruck, will jedoch Maggie erstmal nur aus ihrer aussichtslosen Lage reden und befreien.

Von der Story und dem Anspruch sichtlich angetan, hat mich der Film jedoch nicht vollends überzeugt, da mir persönlich die schauspielerischen Leistungen nicht so gefallen haben wie überall erwähnt. Meines Erachtens hätte man den Film mit etwas mehr Tiefe noch viel viel intensiver machen können. "Ladybird, Ladybird" behandelt zwar ein ernstes und auch leider realistisches Thema, reißt aber zu wenig mit, um wirklich zu fesseln.

7/10 Punkte

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