Ein teuflischer Stuhl als Tor in eine Dämonenwelt oder doch nur die wirren Phantasien eines traumatisierten Mannes?
Zumindest ist dieser Streifen um Längen durchgeknallter, als des Regisseurs im selben Jahr gedrehter „Broken – Keiner kann dich retten“. Der Brite Adam Mason scheint ein Faible für instabile Typen zu haben, nur leider sprengt er hiermit Grenzen nachvollziehbarer Logik und geht mit dem Gesamtbild allenfalls als eher misslungenen Mindfuck durch.
Nick West soll seine Sex-Bekannte in einer leer stehenden Anstalt ermordet haben, weshalb er sich seit vier Jahren in psychiatrischer Handlung befindet. Laut Nick ist er an dem Verschwinden der Frau völlig unschuldig, vielmehr hätte sie auf einem merkwürdigen Stuhl gesessen, der plötzlich verschiedene Hebel in Bewegung gesetzt und sie durchbohrt habe.
Ein Team um Psychologen Dr. Willard begibt sich mit Nick zurück an den Tatort um das Geschehen zu rekonstruieren, bis jemand erneut auf dem Stuhl Platz nimmt…
Bis zu einem gewissen Punkt kann das Geschehen die volle Aufmerksamkeit genießen. Handwerklich in jeder Hinsicht sauber, darstellerisch okay und mit markanten Gesichtern ausgestattet, will man schließlich die Wahrheit um Nick und diesen teuflisch mechanischen Stuhl herausfinden. Zugute kommt der Erzählung der Off-Kommentar Nicks, der fast schon ein wenig zuviel seiner interessanten Gedankenwelt ausplaudert, wobei manchmal gar Freeze Frames eingesetzt werden, um bestimmte Meinungen noch stärker in den Vordergrund zu stellen oder Ansichten ihn umgebender Figuren zu verdeutlichen, was nicht ohne Humor abläuft.
Womit man jedoch im Verlauf konfrontiert wird, ist ein wirres Auf und Ab mit phasenweise zähen Dialogpassagen, die die Handlung kaum vorantreiben.
Die Historie über das leer stehende Institut ist dabei völlig ohne Belang und erscheint genauso irrelevant wie der Einsatz des Camcorders, den einer vom Team mitführt.
Deutlich wird dabei nur, dass alles auf einen Twist mit doppeltem Boden hinausläuft, wobei unglaubliche Logiklöcher entstehen, die bereits damit beginnen, wie ein vermeintlicher Mörder ohne Dabeisein von Sicherheitskräften einem vierköpfigen Psychologen-Team mitgegeben wird.
So begegnen manche Figuren in einer anderen Dimension einer schwarzen Dämonengestalt mit Tentakeln auf dem Rücken, während sich oberhalb immer neue Intrigen und Hinterhalte auftun. Nicht, dass die Leute miteinander in Konflikt gerieten, sondern deren eigentliche Motivation für den Gang in die leere Anstalt sickert nach und nach durch.
Am Ende wird dann wieder alles auf den Kopf gestellt und reichlich Raum für Spekulationen und Interpretationen gelassen, Fakt bleibt aber: Wie man es dreht und wendet, passen da einige Aspekte einfach nicht zusammen.
Was Teile der Handlung dennoch auszeichnet, ist das Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers. In zwei Momenten richtet sich der Off-Kommentar Nicks gar direkt an die Zielgruppe „Wollt ihr das wirklich sehen…?“ oder „…deshalb seid ihr doch auf „Hellraiser“ abgefahren…“.
Das bezieht sich gleichermaßen auf den Verlauf, denn entgegen aller Erwartungen bleibt der Showdown betont unblutig, auch wenn viel Kunstblut an den Klamotten der Figuren klebt, explizit ist bis auf einen Biss in den Hals gar nichts auszumachen.
Ähnlich gelagerte Streifen wie „Session 9“ bieten demgegenüber schlicht bessere Ansätze und vor allem füllen sie die Laufzeit mit Suspense, Konfrontationen und unheimlichen Sets, was dieser Streifen dem Zuschauer weitestgehend schuldig bleibt.
Über weite Strecken, vor allem innerhalb der ersten Hälfte interessant, flacht er während der zweiten immer weiter ab, indem er einen hanebüchenen Twist nach dem anderen einsetzt, um final das zu offenbaren, was bereits zu Beginn erahnbar war.
Gute Grundidee, doch der Ausarbeitung fehlt hier und da ein deutlich durchdachter Feinschliff.
4,5 von 10