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Von dem amerikanischen Schauspieler Rob Schneider, der Filme wie "Deuce Bigalow" oder "Animal - Das Tier im Manne" gedreht hat, ist man ja weiß Gott keine niveauvollen oder gar originellen Komödien gewöhnt. Aber was er in seiner ersten Regiearbeit mit dem Streifen "Big Stan" fabriziert hat, unterbietet wirklich alles, was man bis dahin von ihm gekannt haben mag.

Das Problem an "Big Stan" ist nicht nur, dass er nicht witzig ist. Fürchterlich übertrieben karikierte Slapstick-Figuren, eine blödsinnige, zu keinem Zeitpunkt ernsthaft glaubwürdige Story und heillos chargierende Schauspieler hangeln sich mit billigen Witz-Versuchen durch den gesamten Film, ohne kaum einmal einen Gag gelungen zu versenken. Und Stan, die von Schneider verkörperte Hauptfigur, die wegen Betrugs in den Knast muss und deshalb möglichst schnell in die Geheimnisse der Selbstverteidigung eingeweiht werden möchte, ist in seiner arroganten, rücksichtslosen und bisweilen rassistischen Art dermaßen unsympathisch, dass auch seine unausweichliche Bekehrung am Schluss der klischeehaft-dümmlichen Story nicht mehr dafür sorgen kann, dass sich der Zuschauer in irgendeiner Weise mit ihm identifiziert. Dadurch und wegen des akuten Mangels an irgendwie unterhaltsamen Witzen oder Ideen kehrt ziemlich schnell ziemliche Langeweile ein.

Darüber hinaus verärgert "Big Stan" allerdings auch noch mit seiner verlogenen Heuchelei und mehr als fragwürdigen moralischen Einstellungen. So propagiert der Film (in simplen bis hin zu primitiven Aufklärungsdialogen) Toleranz gegenüber Menschen anderer Hautfarbe oder Homosexuellen - unterstützt die Vorurteile gegen diese aber selbst anhand der jämmerlichen Figurenstereotypen: Die Schwarzen im Knast hören alle Rapmusik und sprechen und bewegen sich wie die allerletzten Klischees; die Mexikaner hören den ganzen Tag Mariachi-Musik; und die als "gut" charakterisierten Nebenrollen wie etwa Stans Anwalt geben ganz nebenbei zutiefst rassistische Bemerkungen von sich. Und wenn sich der größte Vergewaltiger im Gefängnis als schwul outet, verweichlicht plötzlich sein ganzes Verhalten und er benimmt sich wie ein kleines Mädchen.

Und hier haben wir ein Stichwort, das die größte Geschmacklosigkeit des Films trifft: Innerhalb der knapp 104 Minuten fällt mehrere dutzend Male das Wort Vergewaltigung, mitunter mehrmals direkt hintereinander, als könne sich der Drehbuchautor kein lustigeres Wort vorstellen. Das und die ebenso plumpen wie geschmacklosen Gags, die sich durch den gesamten Film ziehen, sind nicht nur langweilig, sondern können sogar für richtige Empörung sorgen. Nicht zu vergessen die Scheinheiligkeit, mit der Stan Frieden und Sanftmut propagiert, sich selbst aber nur durch (von ihm selbst ausgehende) brutale Gewalt in eine Stellung gebracht hat, in der er den anderen Gefangenen etwas befehlen kann.

Einziger Lichtblick in diesem unterirdischen Streifen (auch wenn man sich fragen mag, was er hier verloren hat) ist die Kampfkunst- und Trashfilm-Legende David Carradine. Wenn er als Kampfkunst-Meister staubtrockene Sprüche vom Stapel lässt und sein eigenes Image liebevoll parodiert, sorgt das für die einzigen echten Lacher im ganzen Film. Ansonsten bietet "Big Stan" ärgerliche Klischees, eine realitätsferne Handlung und ebenso plumpe wie peinliche Witze über Rassismus und Vergewaltigung. Höchstens kleine Kinder könnten über diesen Blödsinn lachen - und für die ist das alles viel zu derb.

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