„American Werewolf in Paris“ ist eine schräge Fortsetzung des John Landis Films und setzt deutlich mehr auf Comedy als der Vorgänger.
Die drei US-Studenten Andy (Tom Everett Scott), Brad (Vince Vieluf) und Chris (Phil Buckman) sind gerade auf Europatournee auf der Suche nach dem richtigen Kick: Die drei sind Extremsportler, genauer gesagt Bungeejumper. Ihr nächstes Ziel ist Paris, doch im Zug dorthin ziehen Brad und Chris Andy auf, weil dieser nach großen Liebe und nicht nach dem nächstenverfügbaren Mädel sucht. „American Werewolf 2“ schickt so einen etwas ungewöhnlichen Helden los, der im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen der von „Scream“ losgetretenen Horrorwelle männlich ist und nicht der tolle Hecht, sondern jemand, der sich auch mal blamiert und Schwächen hat wie seine blindmachende Liebe für Serafine (Julie Delpy).
Serafine und Andy begegnen sich nämlich auf dem Eifelturm – nachts, nach Ende der Öffnungszeiten. Andy will seinen Freunden mit einem waghalsigen Sprung seinen Mut beweisen, Serafine will ihrem Leben ein Ende setzen. Andy rettet Serafine und ist sofort verschossen – verletzt sich bei der Aktion aber und verliert das Bewusstsein. Nach einer netten Aschenputtelanspeilung (Andy behält Serafines Schuh), erwacht er im Krankenhaus und möchte sie unbedingt wiedersehen.
Zufällig entdeckt er sie auch und folgt ihr, doch Serafine verhält sich merkwürdig. Kein Wunder, denn sie ist ein Werwolf, möchte aber niemandem wehtun. Doch Andy begibt sich blind vor Liebe in Gefahr...
Werwolffilme folgen eigentlich beinahe immer dem gleichen Muster: Jemand wird gebissen und muss dann mit dem Tier in sich fertig werden. „American Werewolf 2“ ist da in groben Zügen ähnlich, aber verpasst dem Plot ein paar neue Ideen: Die Werwolftruppe um Claude (Pierre Cosso), die von einer elitären Gesellschaft träumt und alle ihrer Ansicht nach Unwürdigen verknurpst, der Versuch ein Serum gegen die Verwandlung zu finden usw. Das ist schon mal halbwegs originell und man ist in diesem Subgenre ja schon froh, wenn die Geschichte nicht damit beginnt, dass der Protagonist nachts einen Wolf anfährt. Am Ende findet sich auch eine Lösung (zumindest für Andys Problem), wenngleich das Ganze vielleicht ein wenig zu happy ausgeht. Hochspannend ist das Ganze zwar nicht, aber ziemlich kurzweilig in Szene gesetzt, denn Regisseur Anthony Waller drückt ziemlich auf die Tube.
Aus dem Vorgänger hat man eigentliche alle Ideen übernommen (z.B. dass die von Werwölfen Getöteten als ruhelose, verstümmelte Geister herumlaufen), leider ist man nicht bei Rick Bakers Maskenkünsten geblieben. Gelegentlich kommt zwar noch wirklich gut aussehendes Spezial-Make-Up zum Einsatz (Anfänge der Verwandlung und Gore), für die meisten Effekte ist jedoch Freund Computer verantwortlich und die sind nur teilweise gelungen. Serafines Verwandlung im Keller ist wirklich gut gemacht, aber was man später an Wölfen zu sehen bekommt, sieht meist unecht und reinkopiert aus. Da sind die Szenen aus der Jagdsicht der Wölfe deutlich atmosphärischer.
Hauptaugenmerk liegt hier jedoch auf der Komik und die dürfte nicht jedermann gefallen, doch als anspruchsloser Partyfilm in größerer Runde macht „American Werewolf 2“ viel Spaß. Vor allem werden absurde Slapsticksituationen geboten (z.B. wenn sich Andy mit einem Geist unterhält, den der Rest der Welt aber nicht sehen), doch gelegentlich geht es in Regionen des schwarzen Humors. Das Timing der Gags ist recht gut, nur wenige Gags wirken unlustig (z.B. die Szene mit dem angeblichen Kaugummi).
Tom Everett Scott mag zwar kein Schauspieltitan sein, doch hier macht er einen recht guten Job und hat zudem keine Angst sich auch mal auf amüsante Art und Weise zum Affen machen. Julie Delpy überzeugt da schon mehr mit schauspielerischem Talent, Vince Vieluf und Phil Buckman als Sidekicks sind auch gut, während Julie Bowen als Klischeeblondie kaum Akzente setzen kann.
Unterm Strich ist „American Werewolf 2“ keine Offenbarung im Bereich der Horrorkomödie, doch ein sehr lustiger, wenngleich etwas flacher Partyfilm mit vielen gut getimten Gags, recht stimmiger Atmosphäre und viel Tempo.