Review

Stadt der Liebe, Hiebe und animalischen Triebe

Als einzige offizielle Fortsetzung zum vielleicht besten Werwolffilm aller Zeiten hatte es "An American Werewolf in Paris" immer schwer. War die Zeit freundlich zu ihm? Ist er eine süße Erinnerung als eine der ersten Videokassetten, die ich in den 90ern mit meinem Vater aus der Videothek unseres Vertrauens ausgeliehen habe? Oder bricht er sich nicht nur an den Erwartungen, Vergleichen und eigenen haarigen Füßen die Beine?! Erzählt wird von drei amerikanischen Partytouristen in Frankreichs Hauptstadt - und ihrer schicksalhaften Begegnung mit einer attraktiv-mysteriösen Lykanerin...

"American Pie" oder American Beiss?

Eigentlich war ich fest davon überzeugt hier sowas wie "Ohne den namentlichen Bezug zum Vorgänger hätte es der Film viel leichter und großzügiger gehabt" zu schreiben. Und ja, das stimmt zwar. Logisch, das Original ist ein alles überschattender Meilenstein und Herzensfilm an dem man fast nur scheitern kann. Und trotzdem bin ich nach dieser Sichtung nicht mehr davon überzeugt, dass "An American Werewolf in Paris" zumindest eigenständig und losgelöst immerhin solide funktioniert. Zumindest nicht gut genug. Regisseur Anthony Waller (der vorher den von mir sehr gemochten "Mute Witness" gemacht hatte) kauft Paris ein paar toll-regnerische Gothicgänsehautmomente ab (obwohl noch nichtmal in Paris gedreht!). Ein paar Splatterein sind selbstredend auch am Start. Und Julie Delpy ist immer zum Verlieben. Aber so richtig funzen und funktionieren will "An American Werewolf in Paris" für mich nicht. Die Witzchen ziehen kaum. Chemie im Cast gibt's nicht. Viele CGI-Werwölfe sahen schon damals echt schlecht aus. Einige Elemente des Vorgängers werden dreist, dümmer und schlechter einfach übernommen. In anderen Momenten wird die Lore des Vorgängers ignoriert oder gar mit Füßen getreten. Und so richtig erschließen sich mir der Wert, die Eigenständigkeit und der Spaßfaktor hier nicht ganz. Alles bleibt erschreckend austauschbar und wiedergekäut. Warum den schauen, wenn der "Londoner" alles bereits zehnmal besser gemacht hat? Nur das schöne Paris und die süße Delpy reichen da nicht. Nicht wenn alles andere dermaßen tonal und drehbuchtechnisch maximal mager, oft sogar darunter ist. Und natürlich hätten ein paar Änderungen und ein eigenständiger Titel dem Ganzen zumindest etwas geholfen. Aus dem mittelmäßigen Morast hätte ihn das aber auch nicht ewig herausgehievt. Und meine Wertung ist ehrlich gesagt sogar noch mit rosaroter Brille aus den grunge'igen 90ern.

Fazit: ein paar gotisch-gorige Momente helfen nur bedingt... egal ob als Sequel oder eigenständiger Werwolfreißer bleibt "An American Werewolf in Paris" blass und beliebig. Ich bleibe in London! Oder bei "Idle Hands" falls es unbedingt etwas Ähnliches aus dieser Zeit sein muss.

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