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Ist es jetzt besonders mutig oder wahnwitzig, die vollen 80 Minuten von Thorsten Wettckes „Ein göttlicher Job“ durchzuhalten oder braucht man eine ganz spezielle Neigung zu deutschem Trash, um das Geschehen als komisch zu empfinden? Ich weiß es nicht.

Wenn man so durch die Darstellerliste streift, dann kann man sich als „Bang Boom Bang“-erprobter Zuschauer „kultiger“ deutscher Filmkunst der Moderne ja fast heimisch fühlen, denn irgendwie hat Wettcke es geschafft, einen recht illustren Haufen vor seinen Kameras zu versammeln: Van Werveke, Korritke, Semmelrogge, Sawatzki, Makatsch, das sieht auf dem Papier noch recht beachtlich aus.
Was aber dabei heraus kommt, steht irgendwo auf halbem Weg zwischen „Knockin on Heavens Door“ und den Werken von Wenzel Storch.
Zwischen trashigen Studiodekos und moderner Crime-Comedy schwankend, geben alle Beteiligten ihr Bestes, sofern das mit diesem Skript überhaupt zu erreichen ist.

Wobei es noch recht gut klingt, wenn Gott nun mal einen Nachfolger sucht und es dabei auf den einen Teil eines zu Unrecht geschaffenen perfekten Paares abgesehen hat und deswegen flott an der Realität herummanipuliert, um den Unwilligen zur Unterschrift für 1000 Jahre zu bewegen. Zwei Koffer mit Geld und Drogen (wie einfallsreich) und eine Horde beknackter Armageddon-Jünger rennen in dem Gewimmel auch noch rum, während Gott seiner Obergöttin den Abschlußbericht des letzten Milleniums schmackhaft machen muß.

Das Ergebnis ist in erster Linie albern.
Es mag noch recht lustig sein, van Werveke als Gott in Schlabbershorts und Badelatschen beim Kiffen zuzusehen, während Heike Makatsch im Technoplüsch vor den Herz-an-Herz-Computern die Fäden zieht, aber was letztlich an diesem Chaos amüsant wirkt, sind einzelne Einfälle, die aber zum Ganzen wenig beisteuern.

Da wäre Gotts holländische Co-Göttin, die wegen Dauerlaberns 800 Jahre eingefroren war und prompt wieder in die Kühltruhe muß; der als Gott im Jahre 1000 lässig dem Holländer die Unterschrift abpresst (die einzige Szene mit Drive) oder Bela B. als schlechter DJ, der seinen Tanzjüngern, ökomümmelnden Theologiestundenten Aphrodisiaka in die Kirsch-Trauben-Bowle mischt.

Ansonst wirkt das aber alles viel zu bemüht komisch, van Werveke kämpft mit dem Deutschen, Andrea Sawatzki als Obergöttin geht mit ihren Fingerspielen nur noch auf den Senkel und was Martin Semmelrogge im besten „Fliegeralarm“-Modus bewogen hat, hier den Wohnwagen-Kruse zu mimen, muß mit dem Scheck zu tun gehabt haben.

Noch desillusionierender sind die faden Studiosets, die auch jede Schulklasse so hinbekommen hätte und die sich nach reichlich Rauschmitteln bestimmt als am komischsten herausstellen.
Trotzdem wirkt die Grundidee manchmal ein wenig frisch, aber Wettckes Unfähigkeit, sich selbst brauchbare Pointen ins Skript zu schreiben, lässt den Aufmarsch an vermutlich geistesschwachen Geldgebern für dieses No-real-Audience-Produkt noch zum besten Joke verkommen.
Aber jaja, witzig zu sein, ist am allerschwersten!
Insgesamt gibt es sicher Furchtbareres als dieses Mischmasch aus Chaos Comedy und Film blanc, aber bis zu wahrer subversiver Meisterschaft ist noch ein weiter Weg. (3/10)

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