Was für eine Geflenne über die fast komplette Laufzeit von 88 Minuten.
Wer diesen Amateurstreifen von Anfang bis Ende durchhält, ohne dass hinterher Augen, Ohren und Hirn schmerzen, darf sich selbst auf die Schulter klopfen (meine ist schon ganz rot vor lauter Stolz).
Es ist allerdings ratsam, sich vorsorglich eine Nebentätigkeit zurechtzulegen, eine, bei der ruckartige Bewegungen aufgrund angesammelten Ärgers nichts das Endprodukt zerstören (also nicht bügeln, basteln oder Sex haben).
Denn auf Dauer ist es schier unmöglich, das wackelige Geschehen im Halbdunkel ohne Nebenwirkungen zu verfolgen, man muss zwangsläufig den Blick auf etwas anderes richten.
Der Blick hier ruht im Übrigen ausschließlich in einem Van, mit dem fünf Girlies in der Walachei unterwegs sind, - bis sie auf eine psychopathische Frau treffen, die ungünstigerweise ein Gewehr mit sich führt.
Tatsächlich verlässt die Kamera nicht für einen einzigen Moment den Van, selbst Szenen, die außerhalb stattfinden, werden aus dem Inneren des Fahrzeugs einfach rangezoomt.
Da es sich allerdings um eine billige Digitalkamera handelt, mag man sich das Ergebnis ausmalen: Die Bildqualität ist schwammig, die automatisch eingestellte Schärfe benötigt immer eine Weile zum Fokussieren und wenn einmal Hektik aufkommt, kann man vor lauter Schwenks und Schnitten kaum etwas erkennen.
Die Figuren selbst interessieren indes nicht die Bohne. Da keift eine mehr als die andere und besonders schlimm wird es, als die Verrückte alle fünf vorm Van zwingt, sich zu entkleiden, woraufhin eine auf die Kleidung urinieren soll. Da jammern und heulen alle so laut sie können, minutenlang flennen fünf Weiber scheinbar um die Wette (anstatt dass wenigstens die durchaus gegebene Gelegenheit genutzt wird, der Verrückten das Gewehr zu entreißen).
Während der anschließenden Flucht wird es jedoch kaum besser, sondern eher nerviger, da einige sogar noch anfangen, sich vergangene Sünden zu beichten. Geflennt und gejammert wird unterdes natürlich weiter.
Das Motiv der irren Killer-Lady deutet sich lediglich an, offenbar ging ihr Kerl mit jungen Hühnern fremd, so dass nun alle, die in dieses äußerliche Erscheinungsbild passen, gejagt und gefoltert werden.
Tod und Folter bleiben visuell jedoch fast komplett außen vor, zwischenzeitlich ist eher Ekel angesagt, da erbrochen wird und die Verfolgerin tatsächlich mit dem Wurf (frischen?) Kotes für eine Weile außer Gefecht gesetzt wird (Wohlgemerkt auf deren Windschutzscheibe, nicht ins Gesicht…).
Ein paar hanebüchene Ideen mehr hätten glatt zur Parodie geführt, zumal die Darstellerinnen unterirdisch agieren und die Synchro alles noch mehr ins Lächerliche zieht.
Aber die 4000 $-Produktion nimmt sich auf der Ebene zu ernst, um ein Augenzwinkern zuzulassen. Verzweifelt wird versucht, ein einigermaßen brauchbares Pacing zu erzeugen, wobei die eingeschränkte Perspektive aus dem Fahrzeuginnern grundlegend weder Spannung noch Atmosphäre aufkommen lässt.
Der beliebige und zumeist völlig deplatziert klingende Score erledigt dabei den Rest.
Dabei sind durchaus brauchbare Ideen vorhanden, wie ein schnell durchzuführender Reifenwechsel, Abzapfen von Benzin auf unkonventionelle Art oder das Verstecken im Van, während alle anderen auf der Flucht im Wald sind.
Doch genau in solchen Momenten wird das Konzept der eingeschränkten Kamerasicht zum Verhängnis, weil man nie das Gefühl hat, nah genug bei der Sache zu sein.
Und wenn dann noch eine Person allein im Fahrzeug herumfuchtelt, man von den Aktionen aber kaum etwas erkennen kann, während außerhalb Gewehrschüsse zu vernehmen sind, ist ein Punkt erreicht, der eigentlich das Gegenteil bewirken sollte: Die Ungewissheit über das Schicksal der übrigen lässt einen völlig kalt, wenn sie erledigt werden, hört zumindest das nervige Gejammer auf.
Die Grundidee, einen Blickwinkel konsequent beizubehalten ist durchaus lobenswert, doch die dilettantische Umsetzung lässt das Interesse am Geschehen rasch schwinden und am Ende ist man froh, wenn man vor lauter Augenkasper noch die Credits lesen kann.
Wer Blair Witch, „Cloverfield“ und „[Rec]“ bereits als Anstrengung empfand, sollte diesen hier dringend meiden, - die wenigen brauchbaren Szenen sind die Strapazen nicht wert.
2,5 von 10