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Komplettbesprechung (Staffel 1-7)

Komplettbesprechung (Staffel 1-7)


Baddest MoFucka in Town

Hank Moody, du alter Schlawiner! Zuerst prahlst du mit einer tollen Vorstellung (Staffel 1), nur um dich dann nach & nach zu wiederholen, zu verfahren, stehen zu bleiben & gleichzeitig zu verändern. Leider nicht zum Positiven. Trotzdem sind du & "Californication" fester Bestandteil der Serien-Hall-of-Fame, aber ein würdiger Abgang auf dem Höhepunkt sieht anders aus. Und gerade du solltest dich doch mit Höhepunkten am besten auskennen...

Eine komplette Serie zu besprechen ist nie leicht, hat Vor- & Nachteile. Ich schreibe lieber über einzelne Staffeln, da man dort weniger vergisst & genauer ins Detail gehen kann. Eine Komplettbesprechung ermöglicht aber eine weiteren Blick & sogar geschichtliche Einordnung. Manchmal ist es nur etwas unfair, da bekanntlich ja immer der letzte Eindruck hängen bleibt - und wenn der, wie hier, ein, noch nett ausgedrückt, durchwachsener ist, ist das unfair einem gelungenen Serienstart gegenüber. Trotzdem sind die Staffeln hier einfach zu kurz & die gesamte Serie zu flott weggeguckt, für Einzelbesprechungen. Hier erstmal meine Wertungen:

Staffel 1 - 9/10
Staffel 2 - 8/10
Staffel 3 - 7,5/10
Staffel 4 - 7/10
Staffel 5 - 5,5/10
Staffel 6 - 5,5/10
Staffel 7 - 5/10

Vielleicht ist das ein Generationenkonflikt, aber für die U30er wird David Duchovny fast noch mehr mit Hank Moody in Verbindung gebracht werden, als mit Fox Mulder. Beides coole Charakter & echte Typen, aber in Hank Moody steckt einfach so viel mehr Duchovny. Er konnte nicht nur Erfahrungen wie Drogen- & Sexsüchte aus dem eigenen Leben mit einfließen lassen, er trägt "Californication" auch viel mehr, als er es bei "Akte X" tun musste. Dort gab es ebenso mächtige Co-Stars & viel bessere Geschichten, "Californication" IST Hank Moody. Wenn auch gegen Ende ein schlapper Hank Moody. Klar wird auch das wilde Treiben des wahnsinnigen L.A. überspitzt & oft urkomisch gezeigt, auch Nebencharakter wie Runkel oder Becca wachsen einem an's Herz... Aber ganz ehrlich, was bleibt hängen nach 7, zum Teil zähen Staffeln? Genau, das Leben, Lieben & selbstverschuldete Leiden des Hank Moody.

Besonderen Respekt muss man dem Mut der Serie zusprechen  Grenzen auszudehnen. Sowohl der Hollywood-Parodie, des schlechten Geschmacks & vor allem der Freizügigkeit. Danke dafür! Heutzutage gibt es von "Outlander" bis "Game of Thrones" zügellose Sexszenen, von "Entourage" bis "Shameless" überzeichnete Kritik an System & Traumfabrik. "Californication" ebnete hier eindeutig den Weg & räumte Steine bzw. Schlüpfer aus dem Weg. Neben Hank als Person, seiner Freundschaft zu Charlie, einigen klasse Insidern & den sehenswerten nackten Tatsachen, gibt es im Endeffekt aber gar nicht mal mehr so viel, was den über die Jahre gestiegenen Anforderungen an Topserien standhält. Oft habe ich sogar, so ab Staffel 5 gedacht: man, hätten die mal viel früher aufgehört. Vielleicht wäre sogar nur eine Staffel, die ersten 12 Folgen, perfekt gewesen. Aber wo der Rubel rollt, wird halt oft vergessen zu bremsen, geschweige denn auszusteigen...

Für viele ist "Californication" eine Art heiliger Gral - aber das ist dann wohl wie bei einer tollen Sommerliebe: alles Negative wird ignoriert & vergessen. Während in den ersten Staffeln alles noch frisch, spontan, überraschend & gerade so auf der Grenze zu lebsch wandelt, es eigentlich eine intime Liebes- & Familiengeschichte ist, geht es ab einem gewissen Zeitpunkt rapide bergab. Hanks Eskapaden wiederholen sich, die Parties erinnern eher an Hangover als an Realität, die Nebencharakter wirken wie unsympathisch überzeichnete Comicfiguren. Ganze Staffelhandlungen, seien es Rapper, Rocker oder Söhne, wirken erzwungen & quälend an den (Scham)Haaren herbeigezogen. Gute Witze werden zu Zoten, sympathischer Klamauk zu blöden Pubs- & Peniswitzen, Frauen mit Klasse zu billigsten Prostituierten. Dem Ganzen setzen frustrierender Stillstand bei der Charakterentwicklung (Hank vor allem) & eine der nervigsten On-Off-Beziehungen seit Ross & Rachel dann noch den Pariser auf. Das hinterlässt einen unschönen Nachgeschmack & selbst das Finale, verkauft sich unter Wert & eher wie eine sang- & klanglose Zwischenstation. Der Sound von "Californication" bleibt aber, wie das Gro der Frauen, erhaben & lässig. Hank bleibt unser Rocket Man - und der muss anscheinend einfach immer wieder abstürzen...

Fazit: Californifrustration - schade, dass die Qualität der ersten Staffel(n) nicht gehalten werden kann & sich die Serie weit über den Zenit spielt. Da hätte man Hank Moody besseres Stehvermögen zugetraut. Trotzdem ist "Californication" eine der besten Serien über den Wahnsinn Hollywood, mit einer sympathischen Sex, Drugs & RocknRoll Attitüde, die die Grenzen in Sachen Sex & Nacktheit im TV neu ausgelotet hat. (7/10)

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