Review

Bisher habe ich noch kein Handy benötigt, doch nach „Hellphone“ reift die Überlegung, sich doch noch eins anzuschaffen. Allerdings nicht zum Telefonieren, sondern um andere Leute mit dem Ding durch Anrufe zu hypnotisieren, damit man mal eine Weltreise antreten kann oder ein Wochenende mit…nun ja.
Okay, der französische Beitrag, der zwischen Teenie-Klamotte und groteskem Fantasy-Horror schwankt, wirkt lange nach, fast, als hätte man zum ersten mal einen Film mit Louis de Funès gesehen: Grell, hektisch und durchgeknallt.

Ansonsten bieten sich die üblichen Zutaten einer Teenie-Romanze: Außenseiter schmachtet die hübsche Neue an der Schule an, die aber erstmal mit dem selbstverliebten Playboy liiert ist. Bis der Held an ein merkwürdiges rotes Handy gerät und schnell herausfindet, dass es ihm wie Aladins Wunderlampe sämtliche Wünsche erfüllt. Doch das Teufelstelefon entwickelt im Verlauf eine tödliche Eigendynamik…

Dabei darf man keinen bluttriefenden Horror erwarten, wovon der Streifen recht wenig bietet und auch wirklich spannende Szenen finden sich eher selten.
Der ungewöhnlich starke Unterhaltungswert ergibt sich eher durch recht bizarre Einfälle, sympathische Charaktere und vor allem durch hohes Erzähltempo.

Nachdem Hauptfigur Sid das neue Handy sein eigen nennt, bekommt er zunächst gar nicht mit, wie im Chemieunterricht die eine verhasste Mitschülerin einen Anruf bekommt und daraufhin der anderen verhassten Mitschülerin wie unter Hypnose mit einem Bunsenbrenner die Locken weg kokelt.
Erst als das Telefon die Nummer der Traumfrau wählt (die Sid gar nicht hatte), einen Wurf aus dem Klassenzimmer völlig ohne Kratzer übersteht und eine mathematische Lösung aufs Display zaubert, beginnt Sid die Kräfte seines neuen Handys zu durchschauen, von dem weder er noch der Zuschauer erfährt, woher diese kommen.

Entsprechend wird viel Schabernack getrieben, auf dass ein Lehrer Kreide zum Erbrechen frisst, für Mom die gewünschte Kuba Reise gebucht wird, ein Burger-Chef sich selbst frittiert und die fiese Gang des Widersachers um die Schöne im Dreck landet.
Wie es sich gehört finden Sid und Traumfrau zusammen, um dem Chaos entgegen zu wirken, welches das Handy gegen Ende anrichtet, denn da gilt es, das scheinbar unkaputtbare Teil zu zerstören und einer wildgewordenen Horde von Schülern zu entkommen, die allesamt gleichzeitig angerufen wurden.

Angenehm schwarz ist der Humor und nur selten driftet man in Albernheiten ab, auch wenn überspitzte Charaktere mit overactenden Darstellern im Vordergrund stehen. Aber man verzichtet weitgehend auf Sex-Witze und kommt komplett ohne Fäkal-Gags aus, die man in letzter Zeit so häufig über sich ergehen lassen musste.
Stattdessen kommt auch die zynische Note nicht zu kurz, etwa, bei einem Unfall in einem Tunnel oder während der Einstiegsszene, als beginnend mit der Schulpause Hunderte Handys klingeln.

Aber selbst, wenn gerade nicht Klamauk und Action im Vordergrund stehen, sorgt die skurrile Kameraführung mindestens für ein Schmunzeln, denn die dreht sich gerne mal um 180 Grad von oben nach unten und zurück, bringt schräge Blickwinkel und ungewöhnliche Perspektiven, die bisweilen faszinieren.
Dazu wird eine breit gefächerte Palette musikalischer Untermalungen abgespielt, die von Rockmusik bis zum Strauß-Walzer reicht.

„Hellphone“ wird gewiss nicht jedermanns Sache sein, denn reinen Horrorfreaks sei im Vorfeld abgeraten und Freunde von seichten Teenie-Romanzen ist die Angelegenheit wahrscheinlich zu turbulent und abgedreht.
Weiß nicht warum, aber stimmungsmäßig erinnert mich das an „Gremlins“. Charmant, witzig, manchmal böse, aber nie brutal und zu keiner Zeit langweilig.
7,5 von 10

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