Eigentlich ist es ja Ironie pur, wenn eine Person aus den bunten 60ern zur Kultfigur der 90er wird. Das ist Austin Powers, eine groteskte Überzeichnung der Flower Power Ära, die weder besonders schön aussieht, noch wirklich cool ist. Und trotzdem hat Powers eines ganz besonders, und das ist sein Charme. Dass er mit einem einzigen Film nicht vollends ausgeschöpft sein wird, war ja eh irgendwo klar, und deswegen überrascht es nicht, dass sich Mike Meyer dazu verführen lässt, eine Fortsetzung auf Film zu bannen.
Die 60er stellt man sich ja immer sehr lebhaft und bunt vor - jeder schien unter Drogen zu sein und überall sah man Farben. Im direkten Kontrast dazu wirken die 90er wahrlich eher wie eine triste, spaßlose Gesellschaft, die es vergessen hat zu leben und sich dem Mainstream hingibt. Genau das wird in diesem Film auch sehr deutlich gemacht. Während Powers die 60er in überzeichneter Reinform darstellt, ist der berühmt-berüchtigte Dr. Evil die Karikatur des typischen Bond-Gegenspielers, der so böse dargestellt wird, dass er schon wieder lächerlich ist. Die Identifikationsfigur der jugendlichen 90er Generation ist hierbei Evils aufmüpfiger Sohn Scott, der in allem die Realität sieht und anscheinend so viel Spaß zu haben scheint am Leben wie ein Stein in der Wüste. Die restlichen Figuren spiegeln gegenwärtige Nebenfäden da, sei es nun der smarte Nr. 2 oder der kontrovers fette Fieser Fettsack, der wohl die optisch ekligsten Szenen des Films auf seiner Seite hat.
Die Geschichte an sich präsentiert sich auch wieder als halbwegs einwandfreie Persiflage auf das Bond-Thema, mit all seinen Höhen und Tiefen. Sei es nun die markanten Bösewichte, welche meist eher naiv-böse als genial-böse sind, oder die oberflächliche Liebesbeziehung zwischen Austin und einer gewandten Agentin. Die Tatsache, dass sich Dr. Evil ausgerechnet ein mehr als auffallendes Versteck in einem Vulkan aussucht, spricht ebenfalls für die grob gestrickten Denkmuster des handelsüblichen Bösewichts. Wenn man nachher dann auch noch einen letzten Kampf im All austrägt, scheint die Parodie perfekt zu sein.
Hierbei agiert Powers immer als der vermeintliche Disco-Löwe, der trotz seiner vorstehenden gelben Zähne, der buschigen Brustbehaarung und der debil-geilen Aussprache (Wahrscheinlich das Sinnbild des 60er Engländers) der Schwarm aller Frauen ist, die sich kaum halten können, wenn er die Tanzfläche betritt. Dass Austin in den 90ern dagegen mehr oder weniger ignoriert wird, spricht nur mehr für den überdeutlichen Unterschied zwischen 60er und 90er, die wahrlich verschiedene Welten sind. Da ist es schon fast belustigend, dass Austin die 80er abwinkt mit der Aussage, dass da ja eh nur eine Ölkrise war. Nachdenklich und ironisch wird es dann auch, wenn Austin die 90er erklärt und sich dabei auf das Bild der Zukunft (fliegende Autos etc.) stützt, gewürzt mit der Aussage, dass da auch ein paar blöde Affen die Welt regieren - dann lacht er und meint, dass das doch nur ein Scherz war. Soll das damit heißen, dass die Vision der Zukunft neben fliegenden Autos völlig ausschloss, dass je inkompetente Politiker das Volk führen?
Und typisch für Mike Meyer ist das ganze Szenario dann auch gespickt mit herrlichen bis derben Gags. Ganz klare Höhepunkte hierbei sind sämtliche Auftritte von Scott und dessen verbale Duelle mit seinem Vater ("Todesstern"), dass schon zu Anfang in dem Höhepunkt einer Talk-Show explodiert, wo Dr. Evil völlig aufgebracht auf die Menge los geht und die typischen, amerikanischen Ausraster dieser Zeit in amerikanischen Talk-Shows parodiert. Eine wahrliche Glanzleistung spielt sich in jener Szene ab, in der Soldaten Austin und seine geliebte Agentin durch das Schattenbild eines Zeltes beobachten und damit optische Missverständnisse auftreten. Da bleibt wirklich kein Auge trocken, es sei denn man ist so ernst wie ein leerer Kasten Bier.
In all dem hyperschnellen und bunten Trubel fallen nur selten die etwas negativen Aspekte des Films auf. Ein wenig komisch fällt da zum Beispiel Evils Ebenbild Mini-Me auf, der zwar auch seine gewissen Höhepunkte im Film hat, aber irgendwie nicht direkt so schauspielerisch aufkeimen will wie seine Kollegen. Für den geneigten Filmfan ist das Gag-Feuerwerk dann vielleicht auch wie eine übereifrige und hyperaktive Achterbahnfahrt, wo manche Gags ins Schwarze treffen, andere dagegen vollkommen an einen vorbeischießen und wieder andere völlig blass bleiben. Aber eine perfekte Komödie gibt es eh anscheinend nur alle hundert Jahre, und so verzeiht man hier und da eine kleine Schwäche komromisslos.
Fazit
Das 60er Feuerwerk rund um Austin Powers und seinen bösen Gegenspieler Dr. Evil bleibt auch in der zweiten Runde eine momentan beispiellose Parodie auf das Agenten-Genre, überzeugt völlig durch die fast durchweg gut aufgelegten Schauspieler und hat einige erinnerungswürdige Gags auf seiner Seite. Wer mal richtig entspannen will nach einen harten Tag könnte mit diesem Film kaum besser bedient sein.
8/10