Inhalt: Die keltische Stammeskönigin Salina, Oberhaupt des Königreiches Iceni, verliebt sich in den römischen Oberbefehlshaber Justinian, dessen Streitmacht die freiwillige Unterwerfung ihres Königreiches kontrolliert. Aber der Frieden währt nicht lange, da es auf beiden Seiten Parteien gibt, die sich einen blutigen Krieg wüschen. Zu einer dieser Parteien gehört auch Justinians Kommandant Octavian, der eines Tages die Abwesenheit seines Vorgesetzten nutzt, um einen grausamen Feldzug gegen Iceni anzuzetteln. Unter den wenigen Überlebenden des Gemetzels befindet sich auch Königin Salina, die - gerüstet mit einem von Druiden geschmiedeten Schwert - blutige Rache schwört...
Wer meint, die Hammer Studios drehten ausschließlich Horror Filme vom Schlage Frankenstein und Dracula, der irrt gewaltig, denn Hammers Anfänge waren weit weniger auf Horror fixiert. Man entdeckte später aber das Potential dieser Filme und wurde zum Synonym für unterhaltsame Horrorkost. Hammer drehte auch zahlreiche Science Fiction, Abenteuer, Kriegsfilme, Komödien und harte Thriller und hatte damit ein weites Spektrum. Besondere Erfolge feierte man da mit recht episch anmutenden Filmen, wie „Herrscherin der Wüste“ und „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“. Letzterer bietet ja bekanntlich die unvergleichlichen Stop-Motion Effekte eines Ray Harryhausen.
1966 überlegten die Großkopferten von Hammer also, wie sie wieder einmal mit einem epochalen Werk punkten könnten und ließen sich den Spaß sogar ganze 360.000 Pfund kosten. Eine wirklich ungewöhnlich hohe Summe für Hammer. Man entschied sich, die historische Legende der Königin „Baodicca“ zu nehmen, welche gegen die römischen Unterdrücker ihres Volkes kämpfte. Aus „Baodicca“ wurde später „Salina“ und auch sonst nahm man sich gewisse Freiheiten, die den Film von der eigentlichen Legende abrückten.
Ganz in der Art von Ursula Andress (Herrscherin der Wüste) und Raquel Welch (Eine Million Jahre vor unserer Zeit) suchte man nun nach einem passenden weiblichen Star und fand ihn in der ehemaligen Maskenbildnerin Carita Järvinen, die ein wirklich schönes Gesicht, einen adretten Körper und die richtige Ausstrahlung hatte. Ihr zur Seite wurden zahlreiche britische Stars gestellt, wie Andrew Keir (Prof. Quatermass aus „Das grüne Blut der Dämonen“, Niall MacGinnis aus Jason und die Argonauten, wo er Zeus spielte), oder Patrick Troughton (bestens bekannt als Phineas der Geblendete in Jason und die Argonauten). Direkt neben ihr agiert Don Murray in der Rolle des Römers Justinian, der sich in die holde Schönheit verliebt. Er setzte sich gegen Christopher Lee durch, der zuvor im Gespräch gewesen ist. Murray konnte jedoch einige größere Hollywood Filme vorweisen, in denen er mitspielte und mit Blick auf den erhofften internationalen Erfolg griff man natürlich eher zu ihm, denn damit schien die Kasse in den amerikanischen Kinos gesicherter.
Drehbeginn war Juni 1966 und die Arbeiten dauerten bis August. Eine lange Drehzeit, waren Hammer Filme doch in der Regel schon nach 5 Wochen abgedreht. Es mag an den zahlreichen Außenaufnahmen gelegen haben, die, dank des großzügigen Budgets möglich waren. Gedreht wurde in den Admore Studios in Irland. Aufnahmen in Bray gab es somit nicht.
Leider war dem ambitionierten Film kein großer Erfolg beschieden. Regisseur Don Chaffey überzog das Budget mit 61.000 Pfund und machte es somit zum teuren Flop für Hammer. Es mag wohl an der etwas zu aufgesetzt wirkenden Liebesgeschichte zwischen Salina und Justinian gelegen haben. Sonstige Schwachpunkte kann ich nämlich nicht ausmachen.
Zuvor war ich skeptisch, als ich die DVD von Anolis in Händen hielt, ob mich ein wirklich guter Abenteuerstreifen erwarten würde. Robin Hood – Der rote Rächer hatte mich zu Beginn ja auch etwas enttäuscht (was sich mittlerweile aber änderte). Dennoch griff ich zu, denn schließlich wollte ich die komplette Hammer Edition in meiner Sammlung. Ich wurde wahrlich nicht enttäuscht, nein ganz im Gegenteil.
Vor mir entblätterte sich ein fesselndes kunterbuntes Kostümfilmchen, ganz im Stile der italienischen Sandalone, aber sogar noch um einiges besser, denn es mischte sich britische Geschichte da mit hinein. Sicherlich ist es damit kein historisch ernst zu nehmender Film, das merkt man schnell, aber es ist ein Abenteuer, dass durch die Druiden und Wikinger, eine besondere Note bekommt.
Regisseur Don Chaffey schafft es zudem vorzüglich, die rechte Spannung aufzubauen und hat mit Andrew Keir, in der Rolle des Octavian, einen hervorragenden Bösewicht, der im letzten Drittel des Filmes seine wahrhafte Boshaftigkeit ausspielt und dem Streifen damit die absolut richtige Würze gibt. Auch das Ende von „Königin der Wikinger“ finde ich sehr gelungen. Die Liebesgeschichte zwischen Salina und Justinian dagegen recht konstruiert und aufgesetzt. Zu schnell fällt sie ihm bereitwillig in die Arme. Aber das ist wirklich auch das einzige Manko, das ich finden konnte.
„Königin der Wikinger“ ist ein unglaublich unterhaltsamer, bunter Abenteuerfilm. Vergleicht man ihn von der Umsetzung her mit „Rasputin, der wahnsinnige Mönch“ (weil ich ihn erst gestern wieder sah), so ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Große Sets und wirklich eine Mange an Außenaufnahmen, verleihen dem Film die rechte Atmosphäre und damit hat er so gar nichts mit den spartanischen Sets der Bray Studios gemeinsam. Regisseur Don Chaffey erzählt die Geschichte mit viel Gespür für Spannung und zieht die Schraube gegen Ende noch einmal kräftig an. Dabei vernachlässigt er aber auch nicht die nötige Action, die solch ein Film verlangt und schafft damit, für mich, ein wirklich kurzweilig unterhaltenden Film. Ich jedenfalls kann nicht verstehen warum „The Viking Queen“ (wie der Film im Original heißt) ein Flop geworden ist.