In „The Story of Linda“ variiert Jess Franco seinen sonst so charakteristischen Inszenierungsstil und lässt den Erotikstreifen aussehen wie einen Film von D’Amato. Deutlich wird das an der eindeutigen Fotografie und den typisch tropischen Kulissen, durch die sich zum Beispiel D’Amatos Karibikfilme („Woodoo Baby“, „Papaya“ u.a.) auszeichneten. Franco verzichtet glücklicherweise auf seine oftmals aufdringlichen, pseudopoetischen Schmalzdialoge und konzentriert seinen Film auf die wesentlichen Zutaten. Viel nackte Haut, kitschiger Soundtrack, wirre Storyentwicklung – doch was soll’s, dafür ist man nicht hier…
Die größte Kontroverse begeht der Film schon mit der Besetzung: Zur Drehzeit war Katja Bienert gerade vierzehn Jahre alt und ist in diversen erotischen Sequenzen nackt zu sehen. Dieser Umstand rückt „The Story of Linda“ gefährlich nah in dieselbe Ecke, in die „Maladolescenza“ oder „Queen of Sados“ gesteckt werden und das sicherlich nicht ganz zu unrecht. Allerdings geriet der Film niemals in das Kreuzfeuer der Medien und wurde nie Gegenstand einer öffentlichen Diskussion – diese mangelnde Beachtung führte zur fast vollständigen Vergessenheit.
Technisch weitaus besser als die gewohnten Machwerke Francos, muss man sich zumindest nicht über allzu verwackelte Bilder, sinnlose Kameraschwenks oder amateurhafte Schnitte aufregen. Der Score könnte direkt aus einem belanglosen Pornostreifen stammen, so unbeschwert plätschert dieser vor sich hin. Trash-Fans werden fündig und dürfen sich angesichts der bizarren Dialoge und der peinlichen Requisiten richtig schön auslassen, bietet der Film schließlich durchgängig Nudity und Sexploitation, allerdings auf einem sehr milden Level. Wäre nicht die Problematik mit Hauptdarstellerin Katja Bienert, so könnte der Streifen anstandslos im Nachtprogramm des Fernsehens laufen.
Dem ernsten Aspekt der Geschichte, Menschenhandel und Zwangsprostitution, schenkt das Drehbuch natürlich keinerlei Beachtung, führt uns aber auch keinen pseudomoralisch erhobenen Zeigefinger vor. Franco suhlt sich voll und ganz im Sleaze, konzentriert sich hundertprozentig auf die Fleischbeschau. Mit einem stimmungsvolleren Erzähltempo und einigen dramaturgischen Höhepunkten wäre „The Story of Linda“ möglicherweise ein guter Sexploiter geworden, verschenkt seine Chancen aber leichtfertig und gibt sich kaum Mühe den Zuschauer durchweg zu unterhalten. Das aufgesetzte Happy End sorgt dann für einen unharmonischen Ausklang und entlässt den Zuschauer unbefriedigt und gelangweilt. Wer wirklich interessante Erotikfilme mit hohem Sleaze-Gehalt sehen will, der sollte es mit der „Black Emanuelle“ – Reihe von Joe D’Amato versuchen, der es wesentlich besser verstand schmutzige Themen in ein leichtes Gewand zu hüllen und innerhalb der ausgetretenen Genrepfade noch zu überraschen.
Fazit: Wenig aufregender und stinklangweiliger Sexploiter, der aber mit einigen schönen Aufnahmen, sleaziger Atmosphäre, stimmungsvollem Easy Listening Score und soliden Darstellern gewisse Punkte sammeln kann. Besser als so manch typischer Francofilm.
2,5 / 10