Ein Film wie eine Dampframme in die Magengrube. Ich kann mich nicht an einen Film erinnern, der die Geschehnisse aus dieser Zeit aus der Sichtweite eines Weißen derart packend erzählt hätte. Freilich gibt es Perlen wie das Mandela-Drama "Goodbye Bafana", doch dieser Film hat eine ganz andere Sicht und auch Erzählweise. Somit ist "Im Glanz der Sonne" immer noch ein Film, welchen es selten zu sehen gab und auch heute noch beeindruckt und ans Herz geht.
Die Geschichte ist superb von John G. Avildsen ("Rocky") inszeniert und grandios besetzt. Hier tummeln sich Armin Mueller-Stahl ("Momo", "Night on Earth"), Morgan Freeman ("Erbarmungslos", "Million Dollar Baby"), John Gielgud ("Der Elefantenmensch", "Ghandi") sowie in ihren ersten größeren Rollen Daniel Craig ("Spectre", "Road to Perdition") und Stephen Dorff ("Blade", "Public Enemies"). Ein Aufgebot par Excellance. Allesamt überzeugen in ihren Rollen und lassen für 120 Minuten die Zeit still stehen.
Die Optik ist wunderbar und die Szenerie perfekt eingefangen. Auch die Dialoge sind auf den Punkt und nie ausschweifend und platt. Ebenso fällt auf, das trotz der zweistündigen Laufzeit nie so etwas wie Langeweile aufkommt, da die Handlungsstränge gut und sinnvoll mit einander verwoben wurden. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man bedenkt wie umfangreich jene ausgefallen ist. Besonders stark ist auch die schonungslose Art und Weise wie hier mit den Protagonisten umgegangen wurde. Jeder Darsteller versprüht Authentizität - darüber hinaus auch Spielfreude. Seis der gutmütige Box-Lehrer (Freeman), der Kakteenzüchter und Musiker (Müller-Stahl) oder der fanatische und erfrischend widerliche Faschist (Craig). Das ist schon enorm. Insbesondere Daniel Craig wünscht man die Pest an den Hals. Macht er großartig.
Zur Fassung kann ich nur sagen, das es zur Zeit weder eine Blu-ray noch DVD hierzulande gibt. Was ein Frevel. Ein solcher Film sollte schon in einer gute sortierten Sammlung sein Zuhause finden. Ist man der englischen Sprache gut mächtig, kann man ohne Probleme auf die UK- oder US-Scheibe zurückgreifen. Andernfalls bleibt nur zu hoffen, das diese Perle auch mal den Weg über ein Label in Deutschland findet. Verdient hätte es der Film allemal.
Fazit:
Ein brutaler, dramatischer und beeindruckender Blick in eine Zeit und ein Land, worüber selbst heute noch viel zu oft der Mantel des Schweigens gelegt wird.
9/10