Review

Ich hasse Gregor Buchkremer. Definitiv. Ich gebe zu, daß ich dem Deutschen Film nicht so abgeneigt bin, wie die meisten meiner Gefolgsleute. Ich mag die kleinen Filmhochschulabschlußarbeiten, weil sie nett sind und ich mag auch irgendwie den ganzen Nazi-, DDR-, TV-Eventschotter, weil er so bescheuert ist. Hängt vielleicht damit zusammen, daß wir natürlich auch schon die ein oder andere filmische Fingerübung gedreht haben und natürlich nach wie vor der Meinung waren, daß Deutschland nur auf unsere kreative Regieenergie gewartet hat. Wirkliche "Gegner", die uns Angst machen könnten oder über uns richten dürften gab's ja eh nicht (so unsere realitätsferne und geisteskranke Allgemeineinstellung). Jetzt aber betritt Gregor Buchkremer die Bühne und zersört mein Weltbild und meine Träume: Der Deutsche Film braucht mich nicht! Definitiv. Ich hasse Gregor Buchkremer dafür. Schlicht und ergreifend...

Einer 4 Mann WG in einer deutschen Stadt. Seit Wochen schon verschanzt sich ein Bewohner in seinem Zimmer, räumt heimlich nachts den Kühlschrank leer, nervt mit lauter Musik und verunsichert seine Mitbewohner durch seine präsenzlose Präsenz. Langsam verlieren Männerverschleißerin Kathi, Hauptmieter Nico und die introvertierte Tessa die Geduld, zumal jeder einzelne von ihnen selbst die ein oder andere Psychose mit sich herumschleppt. Sie beginnen ihrerseits einen kalten Krieg. Doch ihr Mitbewohner rührt sich nicht. Schließlich bringt Kathi einen Therapeuten mit nach Hause und das Drama nimmt seinen Lauf...

Tja, was soll ich sagen: Die Idee? Brilliant. Die Darsteller? Passender geht's nicht. Die Technik? Dürfte mit jedem beliebigen(Ami-, Nippon-)Psychoschocker mithalten der in Deutschland ungleich größeren Erfolg hatte und Aufsehen erregte. Nein, präziser gesagt übertrifft er diese sogar, da einige dramaturgisch äußerst "wertvolle" Kameraspielereien drin sind und die Kammerspielatmosphäre mehr Unbehagen hervorruft als sämtliche Farbfilterspielereien, vermeintlichen Globalkatastrophen und Geister der Vergangenheit zusammen. Spannung? Perfekt stimmiges Maß. Dialoge? Der Oberhammer. Der Humor? Was soll man sagen, wenn sich das halbe Kino regelmäßig wegschmeißt vor Lachen. Überraschend vielleicht, da der Film prinzipiell ja ein Thriller ist. Doch der Humor ist so trocken, so bitter und so sarkastisch, daß bei jedem Lacher doch ein gehöriges Maß an Unwohlsein mitschwingt. Sollte irgendjemand jetzt immernoch Sorgenfalten auf der Stirn haben: es ist weder Holzhammerhumor, noch Prollhumor und schon gar nicht wird man mit irgendeinem, mitlerweile in Deutschen Filmen obligatorischen, Drecks-Comedian konfrontiert. Die Schlußpointe? "Überraschende Schlußpointen/Storytwists" haben im Regelfall ein Problem: Sie sind NICHT überraschend; und schon gar nicht gut oder logisch. "Kaltmiete" bricht auch hier mit der Regel. Der Schlußgag ist relativ überraschend, leidlich logisch, aber vor allem GUT. Sicherlich kann er definitiv nicht mit der Klasse der vorangegangenen 40 Minuten (jaja...is'n langer Kurzfilm) mithalten, aber wie man vielleicht aus meiner Review herauslesen kann, wäre das ohnehin schwierig bzw. geradezu sensationell.

Wie gesagt: Ich hasse Gregor Buchkremer! Aber eigentlich liebe ich ihn für diesen Film und will alles sehn, was der Mann jemals gedreht hat. Also jetzt gleich am Besten. Von mir aus auch seine ersten filmischen Gehversuche und Einminüter (wechseln des Akkus einer DV-Cam z.B.). Da das vermutlich nicht machbar sein wird, werd ich mich jetzt depressiv in eine Ecke setzen und darauf warten, daß der Film in 3 Jahren, zu unchristlichster Zeit, bei 3sat weggesendet wird und ich vergessen werde das Ding aufzunehmen. So oder so ähnlich.

Nüchternes Fazit: Das Beste, was ich seit langem gesehen habe (nicht nur in diesem Genre, vom Deutschen Film oder in dieser Preiskategorie)

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