Ein eigenes Rezept noch mal unterhaltsam aufbereiten, das gelang Andrew Davis 1988 mit „Nico“, der einige Ähnlichkeiten zu Davis’ „Cusack – Der Schweigsame“ hatte. Mit „Außer Kontrolle“ kann er jedoch nicht an die Qualitäten des Vorbilds „Auf der Flucht“ heranreichen.
Das zeigt sich schon daran, dass der Plot hier weitaus weniger durchdacht als die Story von „Auf der Flucht“ daherkommt. Die Grundidee, dass Wissenschaftler aus Wasserstoff Energie gewinnen wollen, mag man ja noch gerade glauben, aber dass des Rätsels Lösung ausgerechnet dem im Labor arbeitenden Studenten Eddie Kasalivich (Keanu Reeves) zufällig einfällt geht echt auf keine Kuhhaut mehr. Zumal es sich dabei um Frequenzen handelt, mit denen man aus dem Wasser Energie gewinnt, da schreit man doch beinahe angesichts der Unglaubwürdigkeit.
Die Freude ist groß, doch Projektleiter Paul Shannon (Morgan Freeman) warnt davor damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Der idealistische Chefforscher will das Ergebnis direkt ins Internet setzen, woraufhin ein Killerkommando ihn umbringt und das Labor in die Luft jagt. Eddie findet den Toten flieht vor der gewaltigen, ein riesiges Ideal einäschernden Explosion. Damit hat Andrew Davis auch schon mal einen dollen Wow-Effekt relativ am Anfang, doch leider bleibt dies einer der wenigen des Films.
Das FBI untersucht den Fall und es stellt sich die Frage, wer hinter der Sache steckt. Doch wer hätte kein Interesse an einer neuen Energiequelle, die allerdings gleichzeitig alle fossilen Brennstoffe und Atomkraft ersetzen würde? Für Eddie und seine Kollegin Dr. Lili Sinclair (Rachel Weisz) bleibt jedoch wenig Zeit zum Rätseln, denn geheimnisvolle Hintermänner schieben den beiden die Schuld in die Schuhe woraufhin eine atemlose Flucht beginnt…
Klingt alles sehr nach „Auf der Flucht“ diese Geschichte von den unschuldig Verfolgten, die so langsam die wahren Hintergründe eines großen Komplotts aufdecken wollen. Tatsächlich ist die Chose auch relativ durchdacht, wenngleich die idealistische Botschaft (Ökoenergie für alle, nur nicht an Profit denken) doch etwas sehr aufgesetzt daherkommt. Da helfen immerhin ein paar schön undurchsichtige Geheimdienstler sowie der sarkastische FBI-Ermittler Leon Ford (Fred Ward), die derartigen Kitsch halbwegs ausbalancieren, wenngleich gerade diese Elemente sehr wie Zugeständnisse an den „Akte X“-Boom wirken.
Leider erreicht „Außer Kontrolle“ nicht die Spannung von „Auf der Flucht“, da Andrew Davis seinen Plot hier nicht ganz so geradlinig wie im Vorbild abspult. Gerade die obligatorische Lovestory zwischen den beiden Gehetzten sorgt für ein paar Längen und man erfährt ein wenig zu früh, wer genau hinter der ganzen Verschwörung steckt. Zudem schafft Davis es nicht, die Actionmomente hier ebenso spannungsfördernd in die Handlung einzuflechten wie dort.
Dabei machen die Actionszenen durchaus was her, wenngleich der Auftakt direkt das größte eye candy darstellt. Doch eine Kletterpartie auf einer hochklappbaren Brücke sowie diverse Verfolgungsjagden (u.a. mit Propellerbooten auf einem zugefrorenen See) sorgen für Stimmung beim Zuschauer, sind leider ein wenig zu dünn gesät. Etwas enttäuschend kommt der Showdown daher, zumal das Finale wie eine Variation der Sequenz im verminten Labor aussieht.
Keanu Reeves hat man zudem schon etwas engagierter gesehen und so spielt er hier ein wenig auf Autopilot. Sicher nicht schlecht, doch der Mangel an echter Hingabe macht sich beim ihm ebenso bemerkbar wie bei einem enttäuschenden Morgan Freeman, der kaum etwas von seinem sonstigen Charisma zeigt. Immerhin Rachel Weisz legt sich ins Zeug und die Nebendarstellerriege (u.a. Fred Ward, Brian Cox und Tzi Ma) weiß zu überzeugen – deutlich mehr als die beiden großen Namen.
So bleibt eine mittelmäßige Kopie eines großen Actionhits, zwar mit spannend und actionreichen Momenten, doch etwas löcherigem Plot und einigen Hängern.