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Ein Andrew Davis Film sieht für mich anders aus. Waren das noch Zeiten als er uns den spannenden Slasher "Angst" schenkte, Chuck Norris als "Cusack - Der Schweigsame" ins Rennen schickte oder Aikidokünstler Steven Seagal zu einem erfolgreichen Start in den Film verhalf. Mit "Nico, Alarmstufe Rot" und "Auf der Flucht" war Davis auf seinem Höhepunkt angekommen, auch empfehlenswert ist sein 80er Jahre Polithriller "Die Killer-Brigade" mit Gene Hackman. Leider ließen Davis Nachfolgewerke zu wünschen übrig, dazu gehört auch "Außer Kontrolle". Mit einem damaligen Budget von 55 Millionen Dollar sollte sich schon etwas mehr realisieren lassen, auch wenn man einen starken Partner wie 20th Century Fox hinter sich hat. Im Kino nur bedingt erfolgreich, trotz großer Prominenz. Mit "Collateral Damage" fing sich Davis wieder, doch sein neuestes Werk "The Guardian" lässt keine großen Hoffnungen hegen. Es war mal ein dritter Teil zu "Alarmstufe Rot" geplant, bei dem Davis hätte Regie führen sollen, doch bisher hat sich da nichts getan.

Eddie Kasalivich (Keanu Reeves) gehört zu einem kleinen Universitäts-Forschungsteam. Zusammen mit den Professoren Lu Chen (Tzi Ma) und Alistair Barkley (Nicholas Rudall) gelingt ihnen ein entscheidener Durchbruch. Es ist ihnen gelungen mittels einer eigens konstruierten Maschine unendlich viel Energie aus Wasser zu ziehen. Doch das Glück wehrt nur kurz, denn Barkley wird ermordet, Lu Chen verschwindet spurlos und das Labor wird in die Luft gejagt. Eddie entgeht nur knapp dieser Explosion, doch nun steht er zusammen mit seiner Arbeitskollegin Lily Sinclair (Rachel Weisz) auf der Fahndungsliste von FBI Agent Ford (Fred Ward). Irgendjemand versucht Eddie und Lily die Sache anzuhängen, nur der Regierungsbeamte Paul Shannon (Morgan Freeman) scheint Ediie helfen zu wollen. Eddie stellt eigene Ermittlungen an und stößt auf eine Verschwörung die bis in die höchsten Regierungskreise hinauf reicht.

Die Story ist heute immer noch topaktuell. Schon hier klagt man über die Verschwendung der Ressourcen und Energie aus Wasserstoff zu gewinnen, ist heute schon möglich, natürlich nicht in dem Maße wie es hier aufgezeigt hat. Doch sonst ist alles nur Routine. Die anfänglich kluge Story verkommt zu einer, immerhin actionreichen, Jagd bei der es keine Überraschungen mehr gibt. Natürlich werden Eddie Sachen untergeschoben und das FBI kommt erst ganz spät zu der Ansicht, dass es Eddie gar nicht gewesen sein kann. Der Zuschauer weiss schon von Anfang an, wer sich dahinter verbirgt, daher fallen die Ermittlungen von Agent Ford überhaupt nicht interessant aus. So zieht sich das den ganzen Film über, bis hin zu einem schwachen Finale. Ansonsten können sich die Actionszenen sehen lassen. Die Riesenexplosion zu Beginn ist gut gemacht, die darauffolgenden Jagden zu Fuß oder mit dem Propellerboot über einen vereisten See haben Tempo. Aber man merkt auch deutlich, dass Davis hier nur eingeschränkt fungieren durfte, die Brutalitäten mussten niedrig gehalten werden, keinerlei blutige Einschüsse, ein schwacher Bodycount, nur die old schooligen Keilereien können überzeugen. Im Finale darf zwar wieder ein ganzer Komplex in die Luft fliegen, doch der Rest ist eher schwach.
Doch am meisten enttäuscht die prominente Darstellerrige. Keanu Reeves agiert nach seinem starken Auftritt in "Speed" äußerst lahm, Rachel Weiz ist gerade mal solide. Selbst Morgan Freeman scheint hier lustlos gewesen zu sein. Auch kann sich sein Charakter Paul Shannon einfach nicht entscheiden. Fred Ward kann man lassen, Brian Cox als Fiesling Lyman ist ein einziges Klischee. Tzi Ma schaut hier nur dumm aus der Wäsche. Wenn dann noch Jerry Goldsmiths austauschbarer Score zu hören ist, fragt man sich doch, ob überhaupt Jemand außer Davis Lust hatte, diesen Film zu machen.

Es beginnt recht vielversprechend und verkommt rasend schnell zur 08/15 Jagd. Ein paar recht gute Actionsequenzen halten den Zuschauer bei der Stange, aber trotzdem schade um die verheizten Darsteller.

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