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Mitte der 90'er Jahre: Der Regisseur von "Auf der Flucht" und "Alarmstufe Rot" dreht einen Actioner mit den Hauptdarstellern aus "Speed" und "Sieben". Bei dieser Ankündigung dürfte so einigen Filmfreunden das Wasser im Mund zusammengelaufen sein. Folgerichtig waren die Erwartungen an "Außer Kontrolle" sehr hoch. Um es vorweg zu nehmen: diese extrem hohen Erwartungen kann der Film zu keiner Zeit einlösen.

Obwohl Regisseur Andrew Davis, seiner Zeit einer der erfolgreichsten Regisseure der 90'er Jahre, augenscheinlich ein großes Budget und ausgezeichnete Darsteller zur Verfügung hatte, will der Funke nicht so recht überspringen. Die Actionszenen sind zwar allesamt sauber und aufwendig inszeniert, doch für einen Actioner zu spärlich. Die Story um einen jungen Wissenschaftler, der in ein Netz aus Intrigen und Verschwörung gerät, ist ein wenig zu langatmig und weiß ebenfalls nicht zu fesseln. Mit Ausnahme von Morgan Freeman, der nach "Sieben" auch noch mit "Outbreak" einen weiteren Hit verbuchen konnte und es hier schafft, einen ebenso undurchsichtigen, wie vielschichtigen Charakter zu erschaffen, bleibt Keanu Reeves blaß. Nach seinem Mega-Erfolg in dem Actioner "Speed" hatte er kein großes Glück mit seiner Rollenauswahl. Der hanebüchene "Vernetzt" brachte ihn nicht nach vorne, "Dem Himmel so nah" brachte ihn in die Nähe des Frauenschwarms Brad Pitt, der ein Jahr zuvor in "Legenden der Leidenschaft" Frauenherzen zum Schmelzen brachte. Für die beiden war "Außer Kontrolle" kein Schritt nach oben auf der Karriereleiter. Auch Rachel Weisz ist als schmuckes Anhängsel jeder Zeit bezaubernd, bleibt leider auch farblos.

Das größte Problem des Filmes, der für einen knackigen Actionfilm einfach zu wenig Action bietet, ist, wie schon oben angedeutet, eine Story, die nicht zu fesseln weiß, sondern eher stromlinienförmig dahinplätschert, ohne große Überraschungen oder Aha-Effekte bereitzuhalten. Zuschauer, die sich aufgrund der Beteiligten ein zweites "Speed" oder "Auf der Flucht" erhofften, wurden also enttäuscht. Zumindest mir ging es so. Dies hat zur Folge, dass man "Außer Kontrolle" schlechter in Erinnerung hat, als er eigentlich ist. Dies soll auf jeden Fall an dieser Stelle noch hervorgehoben werden: Auch wenn das bisher Gesagte vor allen Dingen negativ war, ist "Außer Kontrolle" kein schlechter Film. Er kann zwar nicht die hohen Erwartungen erfüllen, hat aber durchaus seine Momente, ist überaus professionell gemacht und allemal sehenswert.

Ich habe mir diesen Film auf Blu Ray gegönnt und beim nochmaligen Schauen (nach immerhin 10 Jahren) auch durchaus nachvollziehen können, warum ich damals enttäuscht aus dem Kino gekommen bin, doch mit ein wenig Abstand (und mehr Lebenserfahrung) kann ich ein milderes Urteil über diesen Film abgeben.

Nichtsdestotrotz war "Außer Kontrolle" eine verpasste Chance für alle Beteiligten. Andrew Davis konnte nach "Auf der Flucht" keinen wirklichen Hit mehr landen (dies schließt "Außer Kontrolle" mit ein). Den anderen, hier aufgezählten Protagonisten erging es da zum Glück anders, da ihre weiteren Karrieren noch große Erfolge bereit halten sollten. "Matrix", "Batman Begins" und "Die Mumie" waren genutzte Chancen und Meilensteine in ihren Karrieren. Andrew Davis ist es zu wünschen, dass seine Big Budget-Produktionen mal wieder zünden und er wieder Filmgeschichte schreibt, indem er einen Meilenstein setzt.

Fazit:

6 / 10

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