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Als eine verwirrte Frau , die aus der Themse gezogen wurde , in die Baker Street 221 1/2 gebracht wird , nehmen sich Sherlock Holmes und Dr. Watson sofort ihrer an . Sie entpuppt sich bald als Belgierin , deren Mann verschwunden ist , und der für ein Bergbauunternehmen tätig war . Dank Sherlocks brillantem Verstand , erfährt das Trio schnell , dass im Norden von Großbritannien einige seltsame Dinge vor sich gehen . Also machen sie sich mit dem Zug auf zum Loch Ness , wo ja ein bekanntes Monster hausen soll , immer verfolgt von ein paar unheimlichen Mönchen ... 

Eines muss man Sherlock Holmes lassen - er ist die Filmfigur mit den meisten Abwandlungen . Von keiner Figur gibt es dermaßen viele Varianten in Filmform , die komischerweise aber auch meistens funktionieren . 
Da gibt es Geschichten des jugendlichen Sherlock , des alten und fast verkalkten Sherlock , des Bruders von Sherlock ( gut , das ist jetzt nicht Sherlock selbst ) , des drogenabhängigen Sherlock , Sherlock als Action Held , des Sherlock als Betrüger mit Watson als wahrem Genie , Sherlock und Watson beide als Betrüger und sogar Sherlock als Maus .
Bei " Das Privatleben des Sherlock Holmes " haben wir es allerdings mit einer ziemlich bodenständigen Variante des Meisterdetektivs zu tun , der sich nicht viel von den klassischen Filmen unterscheidet . 
Da hier jedoch Billy Wilder nicht nur auf dem Regiestuhl , sondern auch an der Schreibmaschine des Drehbuchs saß , kann man sich dafür auf ein paar sehr amüsante Dialoge und Situationen einstellen , die von den gut aufspielenden Schauspielern auch adäquat vorgetragen werden . Es ist schon eine Freude 
Robert Stephens bei seinen trockenen Bemerkungen zuzusehen und auch Colin Blakley als Watson kann überzeugen - ebenso wie der Rest der Bande . 
Dummerweise macht " Das Privatleben des Sherlock Holmes " aber zwei Fehler . Die ersten 30 Minuten sind nämlich vollkommen irrelevant und die letzten 10 Minuten ziehen sich . Denn die erste halbe Stunde wirkt zwar wie der perfekte Einstieg in ein Sherlock Holmes Abenteuer , hat jedoch tatsächlich überhaupt nichts mit der späteren Geschichte zu tun und führt nur zu der Frage wie Sherlock zum weiblichen Geschlecht steht !!! Da dürfte sich der ein oder andere Zuschauer etwas an der Nase herumgeführt fühlen oder denken seine Zeit verschwendet zu haben . 
Danach folgt der eigentliche Fall mit den üblichen Hinweisen , die Holmes auf seine unnachahmliche Weise löst . In den letzten Minuten ergibt sich dann das zweite Problem , dass Holmes´ Gegner nicht so richtig gegen ihn arbeiten , was den ganzen Fall für meinen Geschmack zu einfach lösbar macht . Das ergibt zwar nach der Auflösung Sinn , verhindert aber einen Anstieg der Spannung auf Seiten des Zuschauers . 
Trotz der Einschränkungen ist " Das Privatleben des Sherlock Holmes " für mich ansonsten ein gelungenes Holmes Abenteuer und dank toller Schauspieler , guter Kulissen und gewitzter Dialoge auch die fast 2 Stunden Laufzeit wert . Es wäre aber dennoch nicht falsch gewesen die erste Episode , bei der Holmes von einer berühmten Balletttänzerin gebeten wird der Vater ihres Kindes zu werden , wegzulassen und es in ein anderes Holmes Abenteuer zu integrieren , bei dem es mehr Sinn gemacht hätte . Wenn man sich die Zeit sparen will , kann man eigentlich auch erst bei der Szene einsteigen , bei der die Frau in der Baker Street abgegeben wird , denn von der Geschichte verpasst man so nichts . Andererseits entgehen einem dann schon ein paar wirklich gelungene Holmes / Watson Momente . 


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