Ein Tiefpunkt der deutschen Filmgeschichte... ?
„Ballermann 6“, die Fortsetzung zu „Voll normal“, kann in der richtigen Stimmung durchaus Freude verbreiten,
beides deutsche Kultfilme, das kann und sollte man nicht abstreiten.
Tommys und Marios Ausflug von Köln-Kalk nach El Arenal tut zum Teil richtig weh,
das merkt man von der zugezechten Leber bis in den kleinen Zeh.
Doch Schmerzen und schlechter Geschmack können ja auch befreien,
diese zwei irgendwie dann doch sympathischen Chaoten kann so leicht keiner entzweien.
Gehört ins Vorprogramm jedes JGA, den muss Mann einfach mal gesehen haben,
selbst wenn man sich dann wohl nüchtern will vergraben.
Tom Gerhart in der Rolle seines Lebens, Asi, Trottel, Proll und Lichtgestalt in einem,
doch außer ihm traue ich diesen Paradecharakter zu einfach keinem.
Von Samba de Janeiro bis zu Jürgen Drews kann dieser hochprozentige Quatsch nicht verleugnen sein Jahrzehnt,
seid doch ehrlich, so weit weg von der Realität ist das nicht, so wie ihr euch noch immer am Ballermann benehmt.
Dennoch natürlich überzogen, drüber und bei weitem nicht mehr durchgängig voll Lachen,
dennoch lassen diese zwei Kölner Jungs es noch immer gehörig krachen.
Im schicken Düsseldorf kommt das wahrscheinlich weniger gut an,
doch mit ihrem Tempo und Suff ziehen mich diese zwei laufenden Einzeller dennoch in ihren Bann.
Auf den Spuren von „Dumm und Dümmer“, nur noch wesentlich tiefer im Niveau,
da bleibt nichts trocken, vom Auge bis zum dreckigen Klo.
Es wird ins Sauerkraut gepisst und Gülle geschluckt,
und dennoch haben damals über 2 Millionen (!) Zuschauer genüsslich in die Kinosuppe gespuckt.
Ein Fest des schlechten Geschmacks wie dieses läuft neben normalen Skalen,
heutzutage würden Tommy und Mario aber vielleicht sogar gewinnen ein paar Wahlen.
Atempausen gibt es keine, es wird unüberlegt und schmerzfrei geschossen ohne zu überlegen,
wenn die schöne Diana Frank von unseren „Helden“ fast vergewaltigt wird muss ich mich fast übergeben.
Doch die eigentliche Leistung ist, dass man ist Tommy und Mario dennoch nicht böse,
selbst wenn es dauerte, bis ich den Stock im Po ein wenig löse.
Doch im Grunde liebe ich „Ballermann 6“ wie „Bierfest“ oder „Pink Flamingos“,
selbst wenn das natürlich im Grunde alles andere als gut ist und absolut sinnlos.
Die Urinstinkte werden angesprochen, dagegen wirken die meisten RTL-Produktionen höchst intellektuell,
die mallorquinische Sonne ist hier das Einzige was leuchtet recht hell.
Unendlich zitierbar, ein Denkmal für Deutschlands südlichsten Aussenstützpunkt,
selten hat es zwischen zwei solchen Hohlbirnen derart gefunkt.
Partyperle oder Perlen vor die Säue,
es ist ein Guilty Pleasure, da verspür ich wenig Reue.
Dafür muss man eigentlich nicht nur reimen, man sollte sich auch verbeugen,
so 'nen gequirlten Scheiss wird so schnell immerhin keiner mehr erzeugen.
Die Fortsetzung auf Ibiza ist dagegen nur aus der Retorte,
doch für „Ballermann 6“ fehlen mir noch immer ein wenig die Worte.
Bin hin- und hergerissen zwischen Pfui und Jippih,
doch sowas sieht man heutzutage eben so gut mehr wie nie.
Fazit: „Ballermann 6“ ist Kult. Asozial, unterste Schublade, voll 90er und voller schlechtem Geschmack. Und dennoch, oder gerade deswegen, ziemlich geil. Ok, wahrscheinlich nur betrunken oder als Vorbereitung auf den nächsten Malle-Urlaub. Aber immerhin. Das sollte uns nicht peinlich sein. Oder doch?!