Review

Story (Spoiler!):
Durch die Aussage des Zeitungsreporters Michael Ward (John McGuire) wird der des Mordes verdächtigte Taxifahrer Joe Briggs (Elisha Cook Jr.) zum Tode verurteilt. Obwohl Ward den Mord nicht gesehen hat, scheint der Fall klar zu sein. Einzig Wards Freundin Jane (Margaret Tallichet) hat Zweifel, ob die Entscheidung der Jury richtig war.
Und als Ward nach dem Prozess nach Hause kommt und in seinem Hausflur einen verdächtigen Mann (Peter Lorre) sieht, kommen auch ihm Zweifel. Vor allem als er nicht das übliche Schnarchen seines Nachbarn hört, wird er misstrauisch. Albtraumgeplagt schläft er ein und träumt, er werde verdächtigt seinen Nachbarn, mit dem er ständig Streit hat, umgebracht zu haben. Als er erwacht sieht er nach und stellt fest, dass sein Nachbar wirklich tot ist. Erst will Ward fliehen, aber Jane überzeugt ihn, zu bleiben und die Polizei zu alarmieren, die Ward daraufhin tatsächlich verdächtigen und festnehmen.
Nun macht sich Jane daran, nach dem mysteriösen Mann zu suchen, den Ward gesehen hat. Als sie ihn schließlich findet, stellt sie fest, dass er wahnsinnig ist und dass auch sie sich nun in Gefahr befindet...

Kritik:
"Stranger on the third floor" wird heutzutage von Kennern als erster Film Noir betrachtet, auch wenn dies nach klassischer Ansicht "The Maltese Falcon" ist.
Wer sich den Film jedoch anschaut, kann nicht leugnen, dass "Stranger on the third floor" die wesentlichen Eigenschaften des frühen Film Noir aufweist. Kameraführung und Licht (und Schatten) weisen die charakteristischen Merkmale des Film Noir auf und auch das Storymotiv der "Suche" ist klassisch für den Film Noir. Dazu das Polizei-/Gericht-/Reporter-Setting und Erzähltechniken wie Rückblende und Traumsequenzen tauchen in späteren Noirs auch immer wieder auf und sind stilbildend für die erste Phase des Noirs.
Der Grund, warum "Stranger on the third floor" von vielen immer noch nicht als erster Film Noir betrachtet wird, ist wahrscheinlich, dass er damals wie heute recht unbekannt ist und wenig rezipiert wurde.

Die beiden Hauptdarsteller John McGuire und Margaret Tallichet machen ihre Arbeit gut (für 1940), sind aber nicht überragend. Peter Lorre und Elisha Cook Jr., die auch in späteren Noirs immer wieder auffallende Auftritte haben, sind in ihren wenigen Szenen dagegen allerdings herausragend: Cook als verzweifelter, unschuldig Verurteilter und Lorre als Psychopath. Ihre Darbietungen überdecken im Grunde den ganzen Rest des Films und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Eine gute Stunde Spielzeit erscheint auf den ersten Blick recht knapp, ist aber genau richtig für diesen Film. Und es ist erstaunlich, was wir in dieser kurzen Zeit alles über die Haupt- und Nebencharaktere und die sich darum entwickelnde Story erfahren. Daran sollte sich manch heutiger Drehbuchschreiber ein Beispiel nehmen.

Fazit:
Für Freunde des Film Noirs ist "Stranger on the third floor" Pflichtlektüre. Als Einstieg in das Genre wäre er wunderbar geeignet, allerdings ist er nie auf Deutsch erschienen und daher nur über das europäische Ausland (z.B. Spanien) erhältlich. Die Mühe lohnt sich für Freunde des Film Noirs (und grundsätzlich für Freunde alter Filme) aber auf jedenfall. Alle anderen sollten lieber einen einfacheren Weg in das Genre suchen (z.b. mit "The Maltese Falcon").
Leute mit modernen Sehgewohnheiten werden hingegen vermutlich sowieso von diesem Film fern bleiben. Grundsätzlich kann ich aber nur jedem, der die Gelegenheit hat, empfehlen, sich den Film anzuschauen!

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