Review

Der durchschnittliche Asia-Horror hat in den letzten Jahren viele Enttäuschungen aufgrund stets gleicher Macharten hervorgebracht: Entweder die Nummer mit dem schwarzhaarigen Geisterkind oder das Abdriften in surreale Gefilde, weil der rote Faden der Story nicht mehr gehalten werden konnte.
Mit „Black House“ präsentiert uns der südkoreanische Regisseur Sin Tae-ra eine recht stimmungsvolle Mischung, die erst über weite Teile wie ein düsterer Thriller daherkommt, um im letzten Drittel zum blutigen Slasher überzugehen.

Im Mittelpunkt steht Versicherungsdetektiv Juno, neu im Job und eigentlich viel zu sensibel für diese Tätigkeit. Just wird er in die Bruchbude des Kunden Chung-bae gerufen, als er dessen Sohn erhängt vorfindet. Juno ist nicht vom Selbstmord des Jungen überzeugt und gibt den ständigen Geldforderungen Chung-baes nicht nach, bis er herausfindet, dass auch dessen Frau über eine hohe Summe bei seinem Institut versichert ist…

Die fast gemächliche Erzählweise mag den einen oder anderen Zuschauer eher abschrecken, lässt sie sich doch viel Zeit für das Kindheitstrauma Junos (Schuldgefühle wegen Tod des Bruders) und eindringliche Gespräche mit Klienten.
Dabei wird herausgearbeitet, wie Juno nicht der typische Vertreter jener Berufsgruppe ist und an Aufdeckung von Wahrheiten genauso interessiert ist, wie am persönlichen Wohl der Kunden, indem er sich auch außerberuflich für sie einsetzt.
Der geduldige Umgang mit dem überaus penetranten Chung-bae, der jeden Nachmittag in der Kanzlei auf Juno wartet, vor sich hin summt und immer wieder das Geld der Police einfordert, lässt ihn sympathisch erscheinen, einschließlich bis zu dem Zeitpunkt, als ihm der Geduldsfaden reißt.
Lange Zeit stellt sich jedoch lediglich die Frage, ob Chung-bae seinen Sohn umbrachte, oder ob jemand anders versucht, eine Menge Geld zu ernten.

Wie ein Soziopath einen einfachen Versicherungsmann aus der Fassung bringen kann, wird in atmosphärisch adäquate Bilder eingebunden. Viel wirkt durch das Spiel mit düsteren Wetterbedingungen, einsamen Landschaften wie eine abgeschiedene Bahnstrecke oder eben jenes Haus, welches der verdächtige Chung-bae bewohnt.
Rein äußerlich sind es nicht nur die dreißig Aufzeichnungen des Anrufbeantworters ohne hörbare Mitteilungen, die die bedrohliche Stimmung stets intensiver werden lässt, Juno selbst wird immer mehr von seinem Kindheitstrauma eingeholt, nie wieder will er Schuld am Tod eines Menschen empfinden und tatsächlich schwebt in seinem Umfeld wieder jemand in Lebensgefahr.
Was an dem Geschehen im Gesamtbild gefällt, ist das Fehlen jeglicher übernatürlicher Elemente, die den Zuschauer oftmals auf eine falsche Fährte locken sollen. Es bleibt zwar latent düster, manchmal ein wenig zu lethargisch, aber eben jederzeit greifbar.

Nach etwas über eine Stunde kommt schließlich Bewegung ins Spiel, zwei Morde finden statt und letztlich steht fest, wer wirklich der Drahtzieher hinter dem perfiden Spiel ist.
Man mag zwar ein wenig verdutzt sein, warum die Cops kaum einschreiten und wenig Präsenz zeigen, doch das Finale, erst in einem schummrigen Großraum mit allerlei zweifelhaften Werkzeugen und Vorrichtungen, später auf einem verregneten Krankenhausgelände, bringt einen unerbittlichen Zweikampf, bei dem nicht nur ein Schlüssel ins Auge geht, sondern nachhaltig in Wunden gestochert wird.
Dass die Geschichte danach noch ein wenig weitergesponnen wird, ist zu verzeihen, da die Stimmung nachhaltig andauert und man von dem Makaber-Depressiven kaum mehr genug bekommen kann.

Nicht zuletzt, weil sämtliche Darsteller überdurchschnittlich agieren, der Score eine intensive Mischung eingängiger Melodien abliefert und die Kamera schlicht versiert arbeitet, ohne mit unnötigen Schnickschnack zu arbeiten.
Zugegeben, die Geschichte an sich bringt nicht mehr als einen simpel gestrickten Krimi hervor, doch die stimmungsvolle Umsetzung kann über kleine Macken im Skript ebenso gut hinwegtäuschen, wie kleinere Längen im Mittelteil kaschieren.

Wer auf hohes Erzähltempo und viel Blut steht, sollte also ein wenig Geduld mitbringen oder imstande sein, sich einer trostlosen und gleichermaßen beunruhigenden Stimmung hinzugeben, um schließlich während des Showdowns mit harten Auseinandersetzungen belohnt zu werden.
Allein auf darstellerischer und audiovisueller Ebene eine angenehme Abwechslung zum zeitgenössischen, sich oft selbst kopierenden Asia-Horror.
7 von 10

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