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Mos Def spielt einen Videothekenmitarbeiter, dessen Chef, gespielt von Danny Glover volles Vertrauen in ihn setzt und ihn allein sein Geschäft managen lässt. Als ein Freund von ihm, gespielt von Jack Black, jedoch das Kraftwerk sabotiert und anschließend zu einem wandelnden Magnetfeld wird und so sämtliche Bänder in der Videothek löscht, beschließen die beiden "Ghostbusters" selbst nachzudrehen, als die einzige treue Stammkundin eben diesen Film verlangt. Als diese den Schwindel nicht zu bemerken scheint, drehen die beiden immer mehr Filmklassiker nach und feiern damit ungeahnte Erfolge.

"Abgedreht" ist einer dieser Filme, die man von der ersten bis zur letzten Minute mit gemischten Gefühlen betrachtet. Einerseits unterhält er wirklich gut und man bereut das Ansehen damit keineswegs, andererseits sieht man aber auch, dass wesentlich mehr drin gewesen wäre, als hier aus dem Stoff gemacht wird.

Mit Abstand am unterhaltsamsten ist "Abgedreht" im Mittelteil, wenn das Duo Def/Black diverse Filmklassiker wie "Ghostbusters", "Rush Hour", "Robocop", "Carrie" oder "Miss Daisy und ihr Chauffeur" schwedet, um die Videothek behalten zu dürfen. Wenn Black und Def in der Bibliothek Bücher an Angelhaken durch die Gegend fliegen lassen und in der Öffentlichkeit mit grünen und roten Seilen Laserstrahlen imitieren ist der Film an seinem Höhepunkt angelangt und darüber hinaus ist man voll bei der Sache, da es immer interessant ist, welcher Film gerade imitiert werden soll. Mit primitivsten Mitteln, aber einem hohen Maß an Einfallsreichtum wissen die Drehs der Filme damit perfekt zu unterhalten und, wenn der Abschnitt des Films, in dem die Filme geschwedet werden dann endet, stellt sich direkt die entscheidende Frage: Warum nicht mehr davon?

Den Versuch von Autor und Regisseur Michel Gondry, mehr Dramatik in den Film zu bringen und eine Ode an die menschliche Innovation einzubauen in allen Ehren, aber genau genommen will niemand das letzte Drittel des Film sehen, in dem die Bürger der Stadt schließlich ihre eigene Geschichte neu erfinden und die fleißigen Videothekenmitarbeiter mehrfach versuchen, ihren finanziellen Engpass zu beenden und das Gebäude auszubauen. In erster Linie scheitert dieser Filmabschnitt daran, dass man als Zuschauer lieber weiterhin sehen will, wie sich Black und Def die abenteuerlichsten Tricks einfallen lassen, um ihre Filmchen drehen zu können, aber auch daran, dass der Film, der bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich mit Klamauk unterhalten hat, keine rechte Dramatik mehr erzeugen will, auch wenn der eine oder andere interessante Ansatz aufgegriffen wird, wobei aber keine wirklich vielschichtigen Aspekte zu Tage kommen. Nach dem starken Anfang, der von der guten Grundidee lebt und dem überaus unterhaltsamen Mittelteil kippt der Film also leider ab.

Handwerklich gibt es bei der Inszenierung von Gondy, der vor allem mit "Vergiss mein nicht!" in Erscheinung treten konnte jedoch überhaupt nichts zu bemängeln. Musikalisch ist der Film gut unterlegt und auch optisch ist der Film gut gelungen. Das Erzähltempo ist ebenfalls gut gelungen, wobei sich der Film am Ende leider unnötig in die Länge zieht.

Jack Black darf nach "Liebe braucht keine Ferien" und "School of Rock" mal wieder einen liebenswerten Chaoten mimen und das macht er hier gewohnt gut. Zu keinem Zeitpunkt schneidet er übertriebene Grimassen und stört nie durch schnelles Reden oder durch die hektische Art, die viele seiner Kollegen an den Tag legen und ist damit die Optimalbesetzung für seine Rolle. Mos Def ist ebenfalls gewohnt sympathisch und gelassen, ist in meinen Augen aber sehr lieblos und schwach synchronisiert. Der übrige Cast ist ebenfalls überzeugend, vor allem Danny Glover als Besitzer der Videothek, der ans Existenzminimum angelangt ist und Melonie Diaz, die mit ihrer charmanten Art perfekt besetzt ist.

Fazit:
Anfangs und im Mittelteil unterhält "Abgedreht" bestens, wenn das überaus stark aufspielende Gespann Def/Black verschiedene Filmklassiker nachspielt und zeigt damit über weite Strecken das Potential der Idee. Umso bedauerlicher ist es, dass der Film in der zweiten Hälfte abkippt und sich in einem melancholischen Loblied auf die menschliche Innovation verliert. Dennoch auf jeden Fall empfehlenswert.

63%

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