Nach seinen ersten beiden (vollwertigen) US-Produktionen, den Horror-Filmen „Prison“ und „a Nightmare on Elm Street 4“ (jeweils 1988), erwarb sich der in Finnland geborene Renny Harlin in Gestalt der weltweiten Erfolge „Die Hard 2“ und „Cliffhanger“ in den frühen 90ern schnell den Status eines angesehenen Action-Regisseurs in Hollywood´s Traumfabrik, bevor sein ambitioniertes Piraten-Spektakel „Cutthroat Island“ 1995 auf geradezu legendäre Weise floppte und auch sein Nachfolgeprojekt, der schwer unterschätzte „the Long Kiss Goodnight“, keinen rechten Anklang beim Publikum fand. „Deep Blue Sea“ (1999) lief zumindest passabel, der Stallone-Rennfahrer-Streifen „Driven“ (2001) hingegen wiederum weniger. Seine sehr vordergründige Version des vieren „Exorcist“-Teils (2004) litt von Anfang an an den tendenziell zweifelhaften Studio-Wünschen und überwiegend negativen Presse-Stimmen, der bereits zuvor abgedrehte „Mindhunters“ blieb längere Zeit unveröffentlicht und scheiterte letzten Endes an den Kinokassen, als man ihm im selben Jahr dann schließlich doch noch eine Chance gewährte. Immerhin gelang Harlin 2006 mit der Teen-kompatiblen „Lost Boys trifft the Craft“-Variante „the Covenant“ erneut mal eine „No.1“-Platzierung an der US-Box-Office, und kürzlich drehte er den in New Orleans angesiedelten Flick „12 Rounds“ mit Wrestler Jon Cena („the Marine“) in der Hauptrolle ab, welcher spontan aber nicht unbedingt nach einem großen Hit klingt...
Bis jener nun also irgendwann anläuft oder seinen Weg in die Videotheken findet, soll es hier im Folgenden jedoch erst einmal um den 2007er Film „Cleaner“ gehen, welcher für Harlin eine eher ungewöhnlich anmutende Wahl markiert(e), denn dieser unverkennbare „Noir“-Anklänge aufweisende Krimi Schrägstrich Thriller kommt vollständig ohne Shoot-Outs, Verfolgungsjagden und Explosionen daher – stattdessen bemüht er sich um einen gewissen Anspruch sowie verschiedene subtile Nuancen, was im Grunde genommen ja alles Attribute sind, die man in Renny´s Regiearbeiten bislang stets vergeblich gesucht hat. Ausgestattet mit einem soliden Budget und einer starken Besetzung, zu der unter anderem Samuel L. Jackson, Ed Harris und Eva Mendes gehören, schienen die Zutaten für sowie Chancen auf einen neuerlichen Erfolg eigentlich vorhanden zu sein – bis eines Tages die Entscheidung fiel, den Film an den Kinos vorbei „direct to Video“ zu schleusen. Mal sehen, inwieweit sich dieses Vorgehen nachvollziehen lässt...
Wie er seinen ehemaligen Mitschülern bei einem Klassentreffen im Rahmen einer sehr nett konzipierten und präsentierten Eingangssequenz erklärt, verdient sich der ehemalige Cop Tom Cutler (Jackson) seinen Lebensunterhalt inzwischen als „Tatort-Reiniger“ im eigenen kleinen Unternehmen namens „Steri-Clean: Biomedical and Biohazard Abatement Services“. Es ist nämlich so, dass die Behörden nach einem Ableben (Mord, Suizid, Unfalltod etc) sowie den offiziellen Untersuchungen vor Ort (Stichwort: „CSI“) zwar die Leiche abholen – bloß was aus den „übrigen Spuren“ (wie Blut oder anderen Körperflüssigkeiten) wird, darum müssen sich entweder die Familienangehörigen oder jeweiligen Besitzer der betreffenden Räumlichkeiten selbst kümmern. In solchen Fällen kann man dann jedoch auf die Dienste von Tom´s Firma zurückgreifen, welche übrigens nur aus ihm, Bürokraft Cherie (Maggie Lawson) und seinem Zögling Miguel (Jose Pablo Cantillo) besteht. Wie man sich unschwer auszumalen vermag, handelt es sich dabei um einen dreckigen, abstoßenden Job, der allerdings gemacht werden muss – und erwartungsgemäß greifen viele Personen „gern“ auf die angebotene Leistung zurück, sich nicht auch noch um jene unschöne Dinge kümmern zu müssen. Während sich Tom daheim liebevoll um seine (jung-) jugendliche Tochter Rose (Keke Palmer) sorgt, welche er seit dem Tod seiner Frau, die vor einigen Jahren einem Verbrechen zum Opfer fiel, allein erzieht, bereitet ihm seine Profession keinesfalls echte Freude oder Erfüllung – aber ihm gefällt, dass er anderen Menschen auf diese Weise eine beträchtliche Last abnehmen und somit letztendlich ein gutes Stück weit helfen kann.
Eines Tages erhält Tom den Auftrag, den Schauplatz eines Mordes in einer noblen Villa zu reinigen, in deren Wohnzimmer zuvor jemand offensichtlich aus kürzester Entfernung erschossen wurde. Routiniert beseitigt er alle Spuren des Verbrechens, so dass selbst die weiße Couch nach der Prozedur erneut in ihrer zuvor besessenen Reinheit erstrahlt, packt zusammen und fährt zurück nach Hause, wo er jedoch bemerkt, dass er den Haustürschlüssel an dem vereinbarten Platz abzulegen vergessen hat. Aus diesem Anlass sucht er jene Adresse am nächsten Tag wiederum auf, muss im Zuge dessen allerdings frappiert feststellen, dass die dort wohnende Ann Norcut (Mendes) weder etwas von seiner Beauftragung noch der Tat an sich weiß. Da ihm schlagartig klar wird, dass er Beweise vernichtet und simultan eigene Rückstände (z.B. der verwendeten Chemikalien) hinterlassen hat, zieht er sich ihr gegenüber mit einer spontanen Lüge (vorerst) aus der Affäre und wendet sich an seinen Kumpel und Ex-Partner Eddie Lorenzo (Harris), der ihm umgehend seine Unterstützung zusichert. So kommt heraus, dass Ann´s (derweil offiziell als „vermisst“ geltender) Ehemann einen wichtigen Part in einer noch andauernden Untersuchung spielte, welche illegale Verbindungen zwischen bestimmten einflussreichen Persönlichkeiten und dem örtlichen Police Department beleuchtet. Tom ist bewusst, dass Eddie ihm nicht allzu lange den Rücken freihalten kann, und so nimmt der belastende Druck stetig zu, denn sowohl der ermittelnde Beamte (Luis Guzmán als Det. Jim Vargas) als auch Ann beginnen ihm fortan unangenehme Fragen zu stellen – nicht nur deshalb will er der Angelegenheit so schnell wie möglich auf den Grund zu gehen. Neben Eddie vertraut er sich schließlich ebenso Ann an – und dank ihrer Mitwirkung gelangt er an ein gut gehütetes Buch ihres Mannes, in dem zig Dienstnummern von korrupten Cops aufgeführt sind, was fast restlos die gesamte Truppe verdächtig erscheinen lässt. Wer jetzt als Zuschauer denkt, dass mit Sicherheit Eddie in jenen Aufzeichnungen Erwähnung findet, der irrt sich – stattdessen entdeckt Tom die Ziffernkombination seines eigenen Abzeichens, was ein weiteres Element der aktuellen Verschwörung preisgibt: Zwar sind jene Tage schon lange vorbei, doch zweifelsohne noch immer brisant – zudem liefert ihm das ein unverkennbares Motiv in den Augen Außenstehender…
Basiskern der Story bildet die interessante Figur des Tom Cutler: Ehemals ein Polizist mit einigen dunklen Flecken auf der vormals weißen Weste, dessen Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel und der eventuell mehr als nur die offizielle Version der Geschichte kennt, unter welchen Umständen ihr Mörder wenig später hinter Gittern ums Leben kam, ist er heute ein Tatort-Reiniger, der seine Profession zugleich als Bewältigungshilfe versteht sowie sich daheim redlich darum bemüht, der anspruchsvollen wie fordernden Aufgabe gerecht zu werden, trotz aller Sachlagen ein guter Vater seiner emotional angeschlagenen Tochter zu sein. Jene versucht engagiert gegen das Verblassen der Erinnerungen an ihre Mutter anzukämpfen, was zu einigen schwierigen, an ihren Dad gerichteten Fragen führt, der seinerseits die schmerzhafte Wahrheit (schützend) von ihr fernzuhalten versucht, was aber geradezu zwangsweise in Misstrauen und neuen Konflikten mündet. Nicht alle Spuren der Vergangenheit lassen sich so (vergleichsweise) einfach säubern bzw beseitigen wie die physischen Überreste einer Bluttat. Genährt von einleitenden und ausklingenden Voiceovers sowie punktuell feinfühligen Momenten, mutet das aufgezeigte Verhältnis zwischen Tom und Rose ungemein gelungen an – außerdem liefert es ein starkes und nachvollziehbares Fundament für die Entscheidungen, welche er innerhalb der sich entfaltenden Geschehnisse trifft.
„Cleaner“ wartet mit verschiedenen Handlungssträngen auf, die Matthew Aldrich bei seinem Debüt als Drehbuchautor möglichst clever miteinander zu verflechten versuchte sowie in das traditionelle Aufbau- bzw Ablauf-Schema eines klassischen Thrillers eingebettet hat – u.a.: Etablieren der grundlegenden Prämisse, Einführen einiger Charaktere, die jeweils bestimmte persönliche Dinge im Verborgenen halten, Streuen von Zweifeln und falschen Fährten, ein bis zwei Verwirrungen entlang des Pfades sowie eine zentrale Offenbarung im finalen Akt. Obwohl diese spezielle Dienstleistungsart schon mehrfach in filmischer Hinsicht aufgegriffen wurde, zum Beispiel in dem von Quentin Tarantino produzierten „Curdled“ (1996) oder der „CSI Las Vegas“-Episode „Swap Meet“ (Season 5.5, 2004), ist sie dennoch fern von „verbraucht“ einzuschätzen und übt darüber hinaus einen unweigerlichen Reiz aufs Publikum aus, da es sich um keine Erfindung Hollywoods handelt, sondern um ein reales Berufsfeld – Tom´s frühere Klassenkameraden runzeln beim Lauschen seiner Ausführungen auch zuerst die Stirn, fragen ihn aber trotzdem im Anschluss nach seiner Visitenkarte, etwa als einem aus ihrer Mitte gewahr wird, dass seine Schwiegermutter ja bereits ziemlich alt und gebrechlich ist. Früh kommen die Krimi-Elemente ins Spiel, verbannen die schwarzhumorigen Zusätze des Einstiegs und verlagern das inhaltliche Gewicht zunehmend in Richtung der angespannten Lage in den Reihen der örtlichen Cops, welche nahezu vollständig vor der Aufdeckung eines bis in höchste Kreise reichenden Korruptionsskandals zittern. Unglücklicherweise ist das Skript in diesem Bereich zu halbgar und oberflächlich ausgefallen, weist schlichtweg nicht die nötige Qualität und Komplexität auf, um das augenfällige Potential der gesamten Situation effektiv zu nutzen bzw überhaupt realisieren zu können. Vorhersehbare Bahnen werden eingeschlagen, einige Plot-Löcher tun sich auf – und dann zeigt der obligatorische Twist im letzten Drittel sein zwiespältiges Gesicht: Die Täter-Frage war mir im Prinzip recht frühzeitig klar, allerdings hat mich das dargelegte Motiv (inklusive seines Kontexts) überrascht. Leider lässt jenes (zu) viel von dem Vorangegangenen wie ein bloßes Ablenkungsmanöver seitens der Verantwortlichen erscheinen, zudem bleiben diverse aufgeworfene Fragen unbeantwortet. Schade.
In der Hauptrolle ist der vielbeschäftigte Samuel L. Jackson („Black Snake Moan“/„Pulp Fiction“) zu sehen, der bei diesem Film, welchen er im Übrigen auch co-produzierte, bereits zum dritten Mal unter Harlin´s Führung vor der Kamera stand: Er agiert gewohnt solide, eignet sich gut als Sympathieträger und vermittelt die seitens der Rolle verlangten Emotionen sowie sonstigen darstellerischen Ansprüche problemlos – ohne dabei wirklich gefordert zu werden. Letzteres trifft noch gewichtiger auf seinen hervorragenden Co-Star Ed Harris („Gone Baby Gone“/„the Rock“) zu, der seinem weitestgehend oberflächlich gestrickten Part eindrucksvoll Leben einhaucht – der Mann verdient es einfach, ersprießlicheres Material als Arbeitsgrundlage zu erhalten, und nicht ständig derart verschenkt zu werden (vgl. „National Treasure 2“)! Eva Mendes („Ghost Rider“/„Training Day“) sieht zweifellos attraktiv aus, agiert jedoch hölzern und hinterlässt eine blasse Impression – man hätte schlichtweg eine Schauspielerin mit einer nachhaltigeren Leinwandpräsenz casten sollen. So wirkt sie beinahe wie ein Fremdkörper im ansonsten überzeugenden, durch hochwertige Leistungen von Luis Guzmán („Punch-Drunk Love“) und der jungen Keke Palmer („Akeelah and the Bee“) auf hohem Niveau abgerundeten Ensemble. Nicht verschweigen möchte ich an dieser Stelle zudem die ihre wenigen Szenen amüsant an sich reißende Maggie Lawson (TV´s „Psych“) sowie Samuel´s „Jackie Brown“-Kollege Robert Forster, der kurz mal auf ein Cameo als Gerichtsmediziner vorbeischaut.
Handwerklich schöpfte Regisseur Harlin bei der Umsetzung des Projekts in vollen Zügen aus seinem gewohnten inszenatorischen Repertoire und griff erneut auf seine so manch einen Kamera- und Editing-Trick beinhaltende (umfangreiche) Palette an stilistischen Entscheidungen, Mittel und Techniken zurück – wie rasche Schnittfolgen, wechselnde Geschwindigkeiten, kreative Übergänge zwischen einzelnen Sequenzen oder Aufmerksamkeit auf spezielle Objekte richtende „Tight Shots“. Gelegentlich dienen ausgefallene Winkel und Perspektiven einfach nur dazu, Spannung quasi „aus dem Nichts heraus“ zu erzeugen, während eigentlich nur ganz normale Dinge oder Tätigkeiten aufgezeigt werden. Bestimmte Arbeitsabläufe hat man in Gestalt moderner Szenen-Montagen arrangiert, welche unabwendbar an die Bildersprache der „CSI“-Shows erinnern und cool anzusehen sind, gleichermaßen aber eine gewisse emotionale Distanz erzeugen – statt dass man sich vor den gebotenen unschönen Details ekelt, entsteht eher eine Art anziehende morbide Faszination. Cinematographer Scott Kaven („Death Race“/„Borderland“) gebührt Lob für seine ansprechenden optischen Kreationen, Richard Gibb´s („Queen of the Damned“) Score ist hochwertig und transportiert eine spürbare Energie – allerdings ist genau das ein Aspekt des Werks, der zwar mit Renny´s Herangehensweise, nur halt nicht unbedingt optimal mit der grundsätzlichen inhaltlichen Materie harmoniert, zu der ein geruhsamerer Grundton wesentlich besser gepasst hätte. „Schuster, bleib bei Deinen Leisten“ lautet ein altes Sprichwort, das ich in diesem Fall an den nichtsdestotrotz von mir weiterhin geschätzten Mr.Harlin richten möchte: Seine Stärken liegen vollkommen offensichtlich im Bereich des „Popcorn-Kinos“, wozu dieser ruhige, Action-lose Streifen definitiv nicht gezählt werden kann – und dennoch dominiert hier unterm Strich ebenso die bei der Beschreibung seiner bisherigen Werke gewohnte Einschätzung „Style over Substance“, was am Ende wohl primär auf Aldrich´s unausgewogenes und im zunehmenden Verlauf qualitativ stetig nachlassendes Drehbuch zurückzuführen ist…
Fazit: „Cleaner“ ist ein rundum solide inszenierter, anständig besetzter, leider etwas vorhersehbarer Thriller, der halbwegs passabel zu unterhalten vermag, dabei aber permanent hinter seinen evidenten Möglichkeiten zurückbleibt … glatte „5 von 10“