Review

"Cleaner" gehört zu den Filmen, die in Deutschland gar nicht erst ins Kino kamen und weltweit vor allem per DVD vermarktet werden. Angesichts einer Darstellerriege, die mit anerkannten Größen wie Samuel L. Jackson, Ed Harris, Luis Guzmán und Eva Mendes aufwarten kann, erstaunt diese Abschiebung zum Nebenprodukt. Und auch wenn Regisseur Renny Harlin schon lange nicht mehr an seine erfolgreichen 90er anschließen kann, so ist ihm eine Überraschung immer noch zuzutrauen.

Vielleicht war "Cleaner" auch zu überraschend, denn der Film entwickelt sein Spannungspotential untergründig, verzichtet größtenteils auf Action und setzt auch nicht auf die bekannten Prototypen. Den deutschen Verleihern schien das nicht ganz klar gewesen zu sein, denn sie setzten mit dem Zusatz "Sein Geschäft ist der Tod" auf ein aus "Pulp Fiction" bekanntes Szenario, in dem Harvey Keitel sehr cool die Spuren eines Mordes beseitigen lässt. Die Umstände unter denen Tom Cutler (Samuel L.Jackson) sauber macht, unterscheiden sich davon eklatant.

Schon die ersten Szenen verdeutlichen, dass es sich bei Cutler um einen Mann handelt, der penibel auf Sauberkeit und Ordnung achtet. Auch in seiner Wohnung, in der er zusammen mit seiner Tochter Rose (Keke Palmer) lebt, gibt es für jedes Ding seinen Platz und er vergisst nie, sämtliche Schlösser der Haustür wieder abzuschließen, nachdem er seine Wohnung betreten hat. Der Mann geht in seiner Arbeit auf und wenn er auf einer Party erzählt, wie er selbst chemische Mittel entwickelt, um die Leichenspuren und die daraus entstehenden bakteriellen Folgen zu beseitigen, dann hört man Begeisterung aus seiner Stimme. Jackson ist in "Cleaner", obwohl er ein ehemaliger Polizist ist, nicht gewohnt cool, sondern von einer bürokratischen Ruhe, die ihn fast schwerfällig wirken lässt.

Entsprechend sorgfältig reinigt er auch die Möbel und Wände von Blutspuren, als er wie gewohnt von der Polizei an einen Tatort geschickt wird. Alles ist wie immer - die Villa ist menschenleer, der Schlüssel wurde zuvor deponiert und Cutler hält sich an die Vorschriften. Doch versehentlich ließ er den Schlüssel in seiner Tasche, weshalb er am nächsten Tag nochmals zu der Villa hinaus fährt. Überraschenderweise trifft er auf die Frau des Hauses, Ann Norcut (Eva Mendes), die gerade einen Kindergeburtstag veranstaltet und völlig ahnungslos scheint. Allerdings vermisst sie ihren Mann. Cutler redet sich heraus, erwähnt den Schlüssel nicht und verschwindet wieder.

"Cleaner" ist kein Actionfilm, sondern entwickelt sein Psychogramm aus der Verstrickung der handelnden Personen. Die jahrelang funktionierenden Strukturen werden plötzlich aufgebrochen, der Mord an Cutlers Ehefrau erhält wieder Aktualität wie auch der überraschende Tod ihres Mörders im Gefängnis, der nie aufgeklärt wurde. Auch Eddie Lorenzo (Ed Harris), sein ehemaliger Partner, taucht nach vielen Jahren wieder auf, und konfrontiert Cutler mit seiner Enttäuschung darüber, dass dieser den Kontakt mit ihm vor Jahren abgebrochen hatte. Und über allem schwebt der verschwundene Mr.Norcut, der Informationen über jahrelange Bestechungen innerhalb des Police-Departements besass.

Aufmerksame Beobachter werden die Zusammenhänge mit der Zeit erkennen, aber das spricht nur für den Film, denn dieser entwickelt keine fantastische Story, sondern bleibt trotz der mörderischen Thematik erstaunlich realistisch in der Beobachtung der Verhaltensweisen. "Cleaner" lebt von seinen Schauspielerleistungen, bei denen besonders Ed Harris überzeugen kann, der filigran und verletzlich im Gegensatz zum großen, kräftigen Jackson wirkt, aber gleichzeitig viel wendiger und geistig beweglicher. Auch Jackson gelingt innerhalb eines äußerlich nach Coolness und lockeren Sprüchen schreienden Szenarios eine sehr zurückhaltende Spielweise, die gegen die übliche Erwartung gestaltet ist.

"Cleaner" scheitert an der durch Filmtitel und Besetzung geschürten Erwartungshaltung, indem er keine aufregende, actionlastige Geschichte erzählt, sondern einen fast intimen Blick auf Freunde und Kollegen eines Police-Departments wirft, deren Versuch, die Vergangenheit ruhen zu lassen, scheitert. Spannend, gut gespielt, aber ohne großes Brimborium erzählt (7,5/10).

Details
Ähnliche Filme