Für welche mehr oder minder bekannten cineastischen Ausflüge Inzucht-Hinterwäldler schon ihren schlechten Ruf hergeben mussten: Angefangen vom Kettensägenmassaker über „Hills Have Eyes“ bis „Wrong Turn“, von kleineren Produktionen mal ganz zu schweigen.
Dieser Streifen macht darin keine Ausnahme, im Bereich der B-Movies gehört er allerdings zu den wenigen Ausnahmen, die fast von Beginn an ordentlich aufs Tempo drücken.
Der Plot ist hingegen wenig originell und zeugt von zahlreichen Logik – und Handlungslücken: Irgendwo in den einsamen Wäldern Kentuckys befindet sich Amber auf dem Weg zur neuen Uni, als ihr Wagen schlapp macht. Wenig später erwacht sie mit zwei eingeschüchterten, völlig verängstigten Frauen in einem abgeschlossenen Raum.
Schnell wird klar, dass das Familienoberhaupt einer Inzucht-Sippe frisches Blut benötigt und die entführten Frauen als Gebärmaschinen herhalten sollen. Doch die Rednecks haben die Rechnung ohne Amber und ihre zwei Brüder gemacht, die sich bereits auf dem Weg zu ihrer versteckten Unterkunft gemacht haben.
Prinzipiell ist der Ablauf solcher Geschichten ja immer derselbe: Gefangennahme, vereitelter Fluchtversuch, ein wenig Folter und Demütigung bis zum finalen Gegenschlag. Viel anders läuft es hier von den Mustern her auch nicht ab, man wird im Verlauf kaum überrascht und doch sind die Ausgangsbedingungen andere als gewohnt.
Denn im Normalfall wird eine Lady zur Heldin auserkoren, die erst im Verlauf aus der Situation ihre Stärken bezieht und über sich hinaus wächst.
Amber hingegen macht sofort den Eindruck einer athletischen, durchtrainierten Frau, fast wirkt sie ein wenig amazonenhaft.
Bei ihren Brüdern, einem schlaksigen Stummen und einem sportlichen Glatzkopf, geht man gar einen Schritt weiter. Denn als die an der Tankstelle den heruntergekommenen Tankwart ausquetschen, der Amber an die Rednecks verriet, hat der am Ende der Befragungen ein Messer in der Stirn sitzen. Mit Pfeil und Bogen ausgestattet geht es dann weiter in die Hochburg der Deformierten.
Endlich leidet man als Zuschauer nicht unter der ständigen Hilflosigkeit gegenüber den schier unbesiegbaren Bösen, sondern bekommt latent eine Portion Gegenwehr serviert, und dass ohne mit der Wimper zu zucken.
Auch der Rest des Stoffes hat seine Schwerpunkte ein wenig verlagert. Weniger erwarten einem hier Folter oder gar explizite Gewaltausbrüche, sondern einige Frauenkämpfe unter grölendem Publikum. Schließlich will der Stammhalter die geeignete Kandidatin für seinen Nachwuchs herausfiltern, so müssen sich jeweils zwei Gefangene bis zum Tod bekämpfen.
Da sich Amber aller Mitgefangenen annimmt, einschließlich einer Irren, die man besser den Deformierten überließe, wird ihr genügend Raum gegeben, um alle Merkmale einer standesgemäßen Kämpferin und Heldin auszuspielen. Ihre toughe und völlig furchtlose Art erscheint in mancher Situation allerdings weit überzogen.
Gleiches gilt für einige Gestalten der großen Redneck-Clique. Manche sehen aus wie Lepra-Zombies, denen eine simple Maske aufs Gesicht geklatscht wurde, sie gebärden sich größtenteils wie zottelige Brüllaffen, - entsprechend dürfen sie die frisch Verstorbenen vögeln (was natürlich nicht gezeigt wird). Ihr Anführer wirkt hingegen ein wenig wie Brad Pitt, wenn man den mit Dreck einreibt und sich zwei Wochen nicht die Gesichtshaare machen ließe.
Leider bilden die restlichen Figuren kaum markante Erscheinungen, abgesehen von Amber und ihren Brüdern, weshalb einem die übrigen Damen mehr oder minder gleich sind.
Aber es ist viel Bewegung drin, was den Unterhaltungswert trotz simpler Erzählung konstant hoch halten kann. Da mehr gekämpft als gequält wird, kommt es zwar zu Kehlenschnitt, Pfeil in der Stirn und einem aufgeschlitzten Bauch, - demgegenüber aber zu mindestens einem Dutzend Genickbrüchen.
Inszenatorisch gibt es wenig auszusetzen, außer vielleicht an den zu steril gehaltenen Räumlichkeiten der Inzucht-Sippe, wo man eigentlich ein wenig mehr Ekel und Gekröse erwarten würde.
Ansonsten ein temporeicher Hinterwäldler-Streifen, der stellenweise fast schon zu naiv verläuft, um ihn auf ernsthafter Grundlage zu betrachten. Aber das haben die Macher bei dieser Mischung wohl auch nicht wirklich beabsichtigt…
6,5 von 10