Ein seltsames Mischmasch aus verschiedenen Genres, das normale Kinobesucher allein durch die Inhaltsangabe vom Besuch abhalten würde. "Siam Sunset" ist vieles in einem: skurile Komödie zwischen den Kulturen mit reichlich Anleihen bei Douglas Adams, ein Roadmovie, eine romantische Komödie, ein Selbstfindungstrip und letztendlich sogar ein Krimi mit ein paar derben Effekten nahe an der Splattergrenze und ein Schuß Magie.
Das Problem ist, daß keine dieser Zutaten zu kurz kommt, sich aber alle nicht unbedingt immer miteinander vertragen. Da sitzen Selbstfindungsszenen Rücken an Rücken mit ultraschrägen Einfällen und Aussie-gegen-Briten-Humor, während gleich darauf der Ton wieder bedrohlich-brutal wird. Und das hält der Film über die vollen 90 Minuten durch, so daß man sich auf permanentes Wechselspiel einlassen muß.
Generell ist er aber schön linear erzählt und besticht vor allem in den Sequenzen mit irrwitzig-abseitigen Einfällen und bei der Selbstfindung in der unendlichen Weite Australiens (das tat auch schon "Priscylla-Königin der Wüste gut). Es ist bisweilen zum Schreien, wenn Perrys Frau beim Sonnenbad von einem Kühlschrank erschlagen wird und Fiesling Martin gerät der Rachetrip zur ewigen Qual, denn Perry und die Zusammenhänge des Universums passen nicht recht zusammen, so daß Martins Gesundheit immer weiter zerstört wird, je länger der Film dauert. Sein Tod jedenfalls dürfte jedem im Gedächtnis bleiben, wenn er, eh schon mit halbverschmortem Gesicht nacheinander von einer Schlange gebissen, per Ventilator seine Nase abgeschlagen wird, er anschließend mit dem Nacken in einen Garderobenhaken fällt, um zum Schluß auch noch durch den Haken an einer offenen Leitung elektrifiziert zu werden und das alles in unglaublicher Geschwindigkeit.
Nicht ganz so gelungen die skurilen Nebendarsteller, die a) zu kurz kommen, deswegen b) nicht richtig entwickelt werden und so c) keine rechte Funktion haben. Nett anzusehen sind diese Trottel zwar trotzdem, aber Australien wird sich über diese britische Einschätzung sicherlich nicht gefreut haben. Die romantische Seite ist sicherlich okay und die sympathische Grundhaltung ist erfreulich, aber der holprige Inszenierungsstil hinterläßt zu viele Löcher im Film, die mit ihrer Leere und ungewohnter Ruhe ein fließendes Vergügen gar nicht zulassen.
Antesten freigestellt und von mir vorsichtig empfohlen. (6/10)