Review

Obwohl ich "Rise of the Footsoldier" beim ersten Mal mehr oder weniger "zwischendurch" (d.h. mit mehreren Unterbrechungen) gesehen habe, hat der Film durchaus Eindruck bei mir hinterlassen, so dass ich ihn eine Woche später nochmals mit Freunden sah.

Was anfangs wie einer der im Moment angesagten Hooligan-Filme beginnt, entwickelt sich rasch zu einem Gangster-Film der besseren Sorte. So erzählt der Film den Aufstieg des prügelgeilen Carlton Leach vom Hooligan (über Türsteher und Bodyguard) zu einem einflussreichen Gangster. Damit könnte man den Film zusammenfassen, wenn man den Film nicht mag...

Am ehesten kann man "Footsoldier" mit "Good Fellas" vergleichen, auch wenn er mit diesem sicherlich nicht ganz mithalten kann. Im Gegensatz zu dem durchgestylten und Scorsese-typischen, hervorragenden Erzählstil von "Good Fellas" kommt "Footsoldier" mit einem europäischen, rauhen und nüchternen Grundton daher, der den Zuschauer zunehmend abbrüht, was ihn in die Lage versetzt, die Perspektive des Hauptprotagonisten Carlton (der sicherlich kein Sympathieträger ist) zu übernehmen.


So wird der Zuschauer der andauernden Prügeleien irgendwann überdrüssig - ähnlich wie Carlton - und kann dessen zunehmende Abneigung gegen übereilte Brachialaktionen nach vollziehen. So rüstet sich Carlton in einem Schlüsselmoment des Films zu einem Alleingang gegen die Türkenmafia, die seine Freunde folterte - um sich im letzten Moment, absolut genreuntypisch, davon von einem Freund abbringen zu lassen.

Ab diesem Zeitpunkt rückt der Fokus des Films von Carlton weg zu dessen Freunden und Geschäftspartnern, welche den Weg gehen, den Carlton unvermeidlich gegangen wäre, hätte er seinem Racheimpuls nachgegeben. Während Carlton versucht, Risiken und Gewalttaten fortan aus dem Weg zu gehen, überschlägt sich das Leben seiner Freunde in schwachsinnigen Gewaltaktionen (und deren unvermeidlicher Vergeltung) bis zum voraussehbaren Ende.

Die Gewaltspirale des Films, der Carlton sich zunehmend zu entziehen sucht, wird überzeugend dargestellt und überrascht immer wieder durch neue Wendungen. Durch das Fehlen jeglichen Humors wirkt die an sich nicht übermäßige Gewaltdarstellung des Films härter als sie eigentlich ist.

Fazit: Ein absolut gelungener Gangster-Film made in England, der auch ohne die Skurrilitäten wie in Guy-Ritchie-Filmen sehr gut funktioniert. Eine Stimmungskanone wie "Bube,Dame, König Gras" sollte man also auf keinen Fall erwarten, dafür einen fesselnden Film!

(8/10 Punkte)

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