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„Rape & Revenge“ kam eigentlich bereits Anfang der 60er auf, als Ingmar Bergman mit der „Jungfrauenquelle“ für einen handfesten Skandal sorgte und damit zugleich berühmt wurde.
Danach dauerte es recht lange, bis ein ähnlich gelagertes Pendant aus Amerika kam, denn Wes Cravens heutzutage leicht altbacken anmutender Terrorstreifen „Das letzte Haus links“ darf zweifelsohne zu den Meilensteinen des Subgenres gezählt werden.
Dass der japanische „Sex Hunter – Wet Target“ nicht allzu bekannt wurde, liegt möglicherweise daran, dass im selben Jahr der wesentlich aufwändigere „Lady Snowblood“ herauskam, der im Gegensatz zum vorliegenden Streifen wie ein mehrfacher Oscarpreisträger wirkt.

Okamoto befindet sich gerade im Knast, als er von der Vergewaltigung und dem Tod seiner Schwester Natsuko durch betrunkene US-Soldaten erfährt. Zwei Jahre später, kurz nach der Entlassung aus dem Gefängnis, versucht Okamoto die Spur der Peiniger aufzunehmen und hat alle Mühe, im täglichen Leben wieder Fuß zu fassen. Bis ihn Drogendealer Taki auf eine heiße Spur bringt…

Die Erzählung kommt ohne Umschweife zur Sache und steigt direkt mit der Vergewaltigung der beiden Frauen durch die Betrunkenen ein. Außer ein wenig nackter Haut ist zwar nichts Explizites zu sehen, doch die Schreie und das Wimmern der weiblichen Opfer sprechen während dieser Momente Bände.
Danach wird Okamoto und sein zwielichtiges Umfeld eingeführt und es wird nach und nach deutlich, dass der Mann mit dem Afro mit rassistischen Vorurteilen zu kämpfen hat, die er ab und an und durch sexuelle Übergriffe zu kompensieren versucht.

Leider gerät bei alledem der Rachefeldzug total in den Hintergrund. Die Peiniger spielen im Verlauf fast gar keine Rolle mehr, während viele komplett unnötige Softsexszenen die ohnehin schon kurze Laufzeit von 69 Minuten strecken. Mittendrin Okamoto, der zwischendurch als Kellner und Stripmodel arbeitet, dabei dubiose Kontakte knüpft und erst am Ende (in den letzten fünf Minuten) zur Gegenwehr ausholt.

Der Showdown gestaltet sich insofern schon unspektakulär, da alles recht überraschungsfrei und emotionslos abläuft, die vermeintlichen Opfer der Selbstjustiz völlig konturlos bleiben und sich final keinerlei Genugtuung einstellt, was eigentlich schon tödlich fürs komplette Mitfiebern ist.

Die Schwerpunkte gehen schlichtweg am Thema vorbei, denn auch wenn der brutale Übergriff gleich zu Beginn die latent anhaltend düstere Stimmung untermauert, so kommt es im Verlauf zu keiner spannenden Auseinandersetzung. Stattdessen gibt es reichlich nackte Haut, oftmals ungelenke Nahaufnahmen und einige Darsteller, denen der Begriff Mimik völlig fremd zu sein scheint.
Der Ansatz sozialkritischer Themen ist noch der einzige Punkt, der den Streifen inhaltlich ein wenig aufwertet, ansonsten dürften Genrefans rein gar nicht auf ihre Kosten kommen.
3 von 10

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