Zunächst mal: George Harrison von den Beatles spielt in dem finsteren Vergewaltigungsdrama "Sex Hunter: Wet Target", wenig überraschend, nicht mit. Vielmehr wählte Jôji Sawada - anscheinend weil er teils afroamerikanischer Herkunft ist, wie auch der von ihm gespielte Protagonist des Films - hier einen ihm passend scheinenden englischsprachigen Künstlernamen oder dieser wurde ihm für die Credits zugewiesen.
Auf DVD ist der Film zwar in der Reihe "Nikkatsu Erotic Cinema" erschienen, aber "erotisch" im Sinne von "anregend, erregend" ist der Film ganz und gar nicht. Sexualität erscheint nur selten als einvernehmliche intime Aktivität, sondern vor allem als Vergewaltigung sowie als unangenehm anmutender Show-Akt, der dadurch noch abschreckender wird, dass die weibliche Bühnen-Partnerin des Protagonisten seit ihrer Vergewaltigung und dem gewaltsamen Tod ihrer Freundin, der Schwester des Mannes, mit dem sie nun die Performance im Nachtclub verrichten muss, mental schwer angeschlagen ist und statt einer Therapie nun bei diesem fragwürdigen Treiben mitwirken muss.
Zwei große gesellschaftspolitische Themen, die man auch in anderen japanischen Genrefilmen aus dieser Zeit antrifft, prägen die Filmhandlung: Die Rechtslage im noch (oder wieder, wegen des Vietnamkriegs?) von der US-Militärpräsenz geprägten Japan der beginnenden 70er, die - so wird es hier zumindest dargestellt - Verbrechen begehende US-Soldaten der japanischen Justiz einfach entzieht, und die erniedrigende Behandlung der von US-Soldaten als Väter abstammenden jungen Japanerinnen und Japaner (z. B. auch Thema in "Stray Cat Rock - Sex Hunter" sowie "Rica"). Beides führt hier zu gewalttätigen Eskalationen, von denen letztlich eigentlich niemand verschont bleibt. Denn auch die US-Soldaten mit ihrer vermeintlichen Narrenfreiheit erwartet am Ende die Brutalität des Vietnamkrieges.
Erschreckend auch, dass Protagonist Haruhiko, den man eigentlich als Sympathieträger kennengelernt zu haben glaubt, schließlich selbst nicht besser verfährt als seine Feinde und die gleichen und schlimmere Verbrechen an unschuldigen Personen begeht. Daher ist das auch kein Rape-and-Revenge-Reißer. Denn wo die eigentlichen Täter nicht greifbar sind, da müssen auf brutalste Art und Weise Unschuldige dran glauben, um den Rachedurst zu stillen. So hart und ernüchternd verläuft diese zwar in Exploitationmanier und mit viel nackter Haut und Gewalt erzählte, aber die Befriedigung einfacher Zuschauerinstinkte verweigernde "Pinky Violence"-Geschichte.