Ohje, da mußte ja ein US-Remake folgen, mit aufstrebenden und etablierten Darstellern, dafür aber mit dem Original-Regisseur. Muß ja nicht schlecht sein.
Oh, hätte er es bloß gelassen.
In den Mühlen des US-Systems ist „Nightwatch“ so ziemlich jeder Reiz weggebügelt worden, der ihn als besonderen Thriller auszeichnen würde und der das Original so reizvoll gemacht hat, aber gewisse Dinge darf man im Land der Freiheit einfach nicht zeigen.
Daraufhin wurde das reizvolle Herausforderungsspiel der Hauptdarsteller zu einer Nichtigkeit am Rande reduziert, fehlt die berühmte Szene, in der in ein Taufbecken gegöbelt wird und die absolut witzige Schlußpointe der Doppelhochzeit fällt auch flach.
Ebenso einreduziert wurde der grimmige Ton, der jetzt nur seltsam und flach ausfällt, gestrichen ebenso der Sex in der Leichenhalle und das martialische Ende ist ebenfalls weniger adrenalintreibend.
Stattdessen werden wir mit Stars bombardiert, wobei Nick Nolte das noch routiniert nebenbei erledigt, während Ewan McGregor mit der Rolle anscheinend gar nicht anfangen kann, denn einen Studenten nimmt man ihm nicht ab. Besonders sympathisch wirkt er ebenfalls nicht, schneidet aber noch besser ab, als eine mürrische Patricia Arquette, die größtenteils verschenkt wird.
Eine echte Enttäuschung ist aber Josh Brolin als Martins Freund James, dem so ziemlich jegliches Charisma abgeht und der kein bißchen von der monsterhaften Sympathie mitbringt, die die Rolle im Original auszeichnete.
Ein netter Joke ist der Einsatz von Brad Dourif als diensthabender Arzt.
Die Kulissen sind dermaßen detailgetreu dem dänischen Film nachempfunden, es dürfte für die Amis ein entsprechendes Remake gewesen sein, für alle Europäer wirkt es nur langweilig, denn der Plot ist identisch.
So wird man jeweils den Film mögen, der einem als erstes über den Weg läuft, doch trotz erheblichen Bluteinsatzes wirkt dieser Film nie so roh und frisch wie das Original, sondern nur routiniert und bemüht. (4/10)