Review

Wenn einem das Budget einen Strich durch die Rechnung macht, schnappt man sich einfach seine Handkamera und kreiert eine Mischung aus „28 Days Later“ und „Blair Witch Project“.
Dazu ein paar wenig bekannte Gesichter, die im Dämmerlicht ohnehin kaum zu erkennen sind, gleiches gilt für die Effekte.
Obwohl, so schlecht ist das Konzept hinter der Story auch nicht, nur innerhalb der Umsetzung lassen sich schwerwiegende Mängel feststellen.

Mal wieder wurde die Welt von einem Virus verseucht, Infizierte wanken mit Hunger auf Fleisch durch die Gegend und Gebissene werden ebenfalls zu Zombies. Anhand von drei Gruppen Überlebender, die jeweils eine Kamera mitführen und sich durch ländliche Gegenden rund um London bewegen, entstehen so die „Zombie-Tagebücher“.

Die Einteilung in drei verschiedene Kapitel ist an sich eine gute Idee, nur stoppen die Episoden jeweils mitten im Geschehen, um teilweise erst gegen Ende fortgeführt zu werden.
Folgerichtig muss man sich stets mit neuen Figuren vertraut machen, wenn man sich soeben an die aktuellen gewöhnt hat, zumal es im Verlauf schlicht zu viele werden.
Man beginnt mit einem vierköpfigen Reporterteam, welches für ein Interview in der Walachei eine Farm aufsucht und niemanden vorfindet. Der komplette Ort scheint wie ausgestorben, bis man (nach rund zwanzig Minuten Laufzeit) dem ersten Infizierten begegnet. Flucht aufs Feld, mittlerweile ist es dunkel, ein paar Geräusche und Bruch, nächstes Kapitel, nächste Gruppe.

Solange tagsüber dokumentiert wird, fallen die Aufnahmen erstaunlich augenfreundlich aus (nur eine flimmert ein wenig) und die Haltung ist keineswegs als dauerhaft wackelig zu bezeichnen. Während der Nachtaufnahmen wird es jedoch zunehmend anstrengender, oft dient nur der Schein einer Taschenlampe als Lichtquelle, da bringt auch der Nightshot-Filter nicht viel. Gerade wenn einzelne Personen minutenlang durch den Wald laufen, kann es phasenweise schon mal richtig eintönig werden, weil eben kaum Konturen wahrnehmbar sind.

Leider halten sich auch Konfrontationen mit den Infizierten in Maßen. Hier und da ein paar ordentlich gestaltete Kopfschüsse, Bisse oder gar Fressszenen werden hingegen oft angedeutet oder nur kurz gezeigt.
So gehen die Figuren häufig auf Erkundungsgang über Wiese, Scheune, Wald, doch oft gibt es eher Streit unter den Überlebenden, als dass irgendwo Untote lauern.
Immerhin kann man im letzten Drittel eine ordentliche Portion Sozialkritik unterbringen, die in artverwandten Beiträgen zwar ähnlich zu finden war, hier aber ein wenig expliziter auf den Punkt gebracht wird.

In Sachen Atmosphäre punktet da eher das erste Drittel, die sphärische Sounduntermalung, dazu leere Straßen, die Plünderung eines Ladens, in einiger Distanz sich nähernde Infizierte, - das hat schon was, denn hier erzeugen die Bilder der Handkamera eine gewinnbringende Authentizität.
Auf rein logischer Ebene stellt sich allerdings die Frage, warum Fliehende immer noch Zeit finden, den Zoom zu betätigen, um das Gesicht eines Infizierten im Kasten zu haben, während der schon fast dessen Arm anknabbert. Ungeklärt bleibt auch die Frage, wer letztlich das Filmmaterial findet und ausgewertet hat, aber da könnte man auch gleich hinterfragen, wie und wodurch sich die Seuche so rasant ausgebreitet hat…

Die Zombie-Tagebücher bieten also ein recht zwiespältiges Ergebnis. Das Erzähltempo ist gut ausbalanciert, die Gestaltung der Zombies effizient (auch wenn nie ganze Horden in Erscheinung treten) und die Aufnahmen außerhalb unübersichtlicher Nachtaufnahmen durchaus atmosphärisch.
Demgegenüber wird man mit keiner Figur warm, bekommt etwas zu wenig Gore-Material geliefert und muss bei dem im Kern guten Ansatz des Konzeptes doch erkennen, wie wenig daraus gemacht wurde.
5 von 10

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