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Herbert und Maria Schubert feiern ihren 35. Hochzeitstag. Natürlich kommen die drei Kinder Sarah, Angelika und Mark mit ihren jeweiligen Partner:innen und Kindern zu Besuch und Großmama Rita ist auch noch anwesend. Es ist eine schöne, harmonische Feier im Kreis der Familie geplant, doch in allen Beziehungen brodelt es.


Und das brodelt alles so heftig, dass Papa Herbert, gespielt vom tollen, leicht melancholischen Bruno Ganz, und Erni Mangold als die biestige Oma Rita die einzigen sympathischen Figuren sind.

Angelika und Harald haben sich auseinandergelebt, streiten sich nur und sind eigentlich nur noch wegen der Kinder zusammen. Sarah und Jo lieben sich nicht, sind nur scharf aufeinander und treiben es sogar am hellichten Tag in der elterlichen Küche ungeachtet irgendwelcher Zeugen. Und Mark ist fremdgegangen, hat das noch nicht gebeichtet, leidet seither aber an erhöhter Eifersucht, will das Architekturbüro seines Vaters übernehmen, wohingegen seine Freundin für einJahr+ nach Neuseeland will. Und Mutter Maria hat eine Affäre und will mit dem eigentlich in UK ein neues Leben anfangen, weiß sich aber nicht so recht dazu durchzuringen und giftet ihren Mann lieber an. Und Oma Rita hat die Lust zu Leben verloren, fühlt sich als Belastung und lässt das vor allem an ihrer Tochter Maria aus.

Kein Wunder also, dass schon die erste Mahlzeit alles andere als harmonisch verläuft, diverse Versuchungen und Streitigkeiten, klärende Gespräche und Trennungen folgen. Dabei sind die Dialoge teilweise hübsch scharf und bissig, lassen viele Dinge angedeutet, aber unausgesprochen, wie es im echten Leben auch so oft passiert. Überhaupt fühlt sich das alles wie aus dem Leben gegriffen an, wenn auch ein bisschen überspitzt. Aber dieses zwanghaft harmonische kenne ich auch. Man darf bloß nicht offen am Tisch über negative Ereignisse sprechen. Ach was habe ich diese elenden Familientreffen immer gehasst. Insofern habe Copacabana wirklich gefühlt, so sehr, dass ich zunächst versucht war, genervt abzuschalten, was ich glücklicherweise aber nicht getan habe, vor allem wegen Bruno Ganz und Erni Mangold. Glücklicherweise, denn das Drama kippt irgendwann und wird emotional sehr berührend, als manches auf den Tisch kommt und sogar ein Rettungswagen gebraucht wird. Das zu Herzen gehende Finale strahlt trotz der ihm innewohnenden Melancholie etwas höchst Positives aus, ohne den Fehler einer Friede-Freude-Eierkuchen Familien-Reunion zu begehen.
Das Ensemble spielt solide und die Technik ist ebenfalls auf gutem TV-Niveau.


Deutsches Familiendrama, auf das man sich zunächst einlassen muss, das einen dann aber gefangen nimmt und berührt. Die Figuren sind erstmal wenig sympathisch, doch sie sind so lebensnah, dass man sich wahrscheinlich in der einen oder anderen Figur wiederfinden kann, so dass sie letztlich keineswegs egal sind. Sehr gelungen, sehr sehenswert.

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