Subconscious Cruelty, vom weitgehend unbekannten, kanadischen Undergroundregisseur Karim Hussain lässt sich kaum in eine filmische Kategorie einordnen. Der Zuschauer wird bereits zu Beginn aufgefordert seine üblichen Sehgewohnheiten fallen zu lassen, und sich einer wilden Achterbahnfahrt durch die Abgründe und Schattenseiten des menschlichen Unterbewusstseins hinzugeben. Zerstöre das linke Gehirn heißt es gleich zu Beginn: Soll heißen, dass zum Erleben und Verstehen dieses Films keine ordnender, folgerichtig denkender, und rationaler Geist gebraucht wird, denn der Regisseur stellt von Anfang an klar, dass hier keine konstruierte Geschichte erzählt wird, keine geradlinige narrative Handlung verfolgt wird, dass er nicht vor hat, sich auch nur an eine einzige filmische Konvention zu halten, und schon gar nicht gewillt ist, vorgekaute Antworten für ein grenzdebiles Massenpublikum zu liefern. Kurzum: Dieser Film versucht sich bewusst von der abgestumpften Einfallslosigkeit des Mainstreams abzuheben, er versucht anders zu sein, neue Maßstäbe zu setzen, und Grenzen zu überschreiten, und wird wohl aus diesem Grund auch nur für ein kleines, aufgeschlossenes Publikum zugänglich sein.
Bereits die Konstruktion des Films ist gewagt. Vier kunstvoll aneinander gereihte Episoden, die wie bizarre Alpträume anmuten, werfen einen tiefen Blick in die dunkelsten Abgründe des menschlichen Empfindens und Handelns.
Die erste Episode erzählt von der morbiden Beziehung eines jungen Mannes zu seiner schwangeren Schwester. Das angespannte Verhältnis der beiden zueinander gipfelt in einer verheerenden Geburtsszene, die nichts als eine einzige tabulose Grenzüberschreitung darstellt. Wer das obszöne Werk Georges Batailles gelesen hat, möchte hier beinahe Parallelen erkennen. Möglicherweise ist die Anfangssequenz in der ein Auge aus der Bauchdecke einer Frau gezogen wird, sogar eine versteckte Anspielung auf jene Erzählung Batailles. Die angesprochene, abschließende Geburtsszene wird als eine einzige Schwindel erregende körperliche und sinnliche Grenzüberschreitung zelebriert, in der die sardonischsten Formen menschlichenmöglicher Grausamkeit ausgelotet, und in ein famoses Bild und Klangkostüm gesteckt werden.
Die zweite Episode gestaltet sich ähnlich obsessiv. Der Zuschauer wird Zeuge einer bizarren sexuellen Orgie, in der sich menschliche Körper mit der Natur vereinigen. Schlamm, Sträucher, Wurzeln und Geäst vermischen und vermengen sich in ekstatischen, morbiden Ausschweifungen mit menschlichen Körpern. Hussain inszeniert eine beeindruckende Feier mystischer, körperlicher Entäußerung, indem er die Grenzen der sinnlichen Erfahrungen überschreitet, und somit das Thema der ersten Episode kunstvoll variiert.
Die letzte Episode gestaltet sich am obszönsten und destruktivsten, zeigt sie doch ein grausames, irreligiöses und blasphemisches Kreuzigungsritual an einem Mann mittleren Alters. Auch hier überschreitet der Film jegliche Tabus, missachtet Moralvorstellungen fundamental, und treibt die zerstörerische Auflösung des menschlichen Körpers bis ans Äußerste.
Subconscious Cruelty ist gewiss eine extreme Erfahrung, und auf Grund seiner Thematik und Inszenierung äußerst schwer zugänglich. Dennoch handelt es sich hier um ein beeindruckendes und bedeutendes filmisches Undergroundprojekt, das sicherlich für jeden aufgeschlossenen, interessierten Fimfan auf der Suche nach aufregendem neuen Material, eine absolute Referenz darstellt. Mit geringsten finanziellen Mitteln ist es einer jungen ambitionierten Filmcrew gelungen, ein beachtliches Resultat zu erzielen, das sich wahrlich sehen lassen kann. Bleibt nur noch eines zu sagen: Zerstöre das linke Gehirn!