Karim Hussein bastelte satte sechs Jahre an seinem Werk! Er begann es als 19jähriger in den frühen 90ern, der Zeit also, in der zornige pubertierende Jungs noch einen verstärkten Drang verspürten, ihren Weltschmerz auf kreative Weise einem großen Publikum mitzuteilen. Hätte der Kanadier und seine Mannen Musik gemacht, sie wären als einer der unzähligen "Nirvana"-Abklatsche geendet, aber dieser langhaarige, ziegenbärtige Mensch hat das Medium Film gewählt und ein typisches Produkt seiner Zeit geschaffen, von dem er sich bereits in der Einleitung merklich distanziert - was man ihm aber auch nicht verübeln kann...mit dem Alter kommt schließlich die Weisheit.
Also haut Hussein in seinen vier Episoden so richtig auf Kacke, ständig mit einem penetranten Kunst-Anspruch, der aber zuweilen sehr weit hergeholt ist und sich gerne selbst ins Lächerliche zieht. Die "Kunst" bietet natürlich allerlei Bequemlichkeiten, weil sie immer im Auge des Betrachters liegt und man damit gerne alles mögliche legitemiert.
"Wachrütteln" soll er...zum "Nachdenken anregen". Gut gemeint - allerdings kann man das mit der "Tagesschau" billiger und simples Aneinanderreihen von Brutalitäten inklusive platter Metaphorik reicht halt nicht, wenn man auf mehr aus ist als lediglich das Schockieren sensibler Gemüter. Collagenartig unterbreitet Hussein sein Sammelsorium an Abartigkeiten, in der auch Neugeborene und Jesus nicht verschont bleiben. Radikal isser auf jeden Fall! Es versteckt sich auch so etwas wie Anspruch zwischen den Titten und Gedärm, allerdings nicht in einem Maß, in dem man das Gesehene noch irgendwie ernst nehmen möchte oder könnte...
Dabei ist der Film handwerklich gar nicht mal übel gemacht! Komplett auf Film gedreht und mit etwas mehr Struktur sowie formales Geschick als Eric Stanzes vergleichbare Blödelei "Ice from the Sun" muss man dem Film zusprechen. Die Musik ist aufwendig eingespielt und wenn man seine unbedarften Mitmenschen mal mit "etwas total Hartem" anekeln möchte - an den Special Effects soll es nicht scheitern.
Am Ende wirkt "Subconscious Cruelty" wie eine Karikatur der Werke von blutrünstigen und verkopften Kunst-Studenten, mit denen man das Klischee gerne durch den Kakao zieht - in der "Rebirth"-Episode war ich mir für ein paar Augenblicke sicher, in den nackt im Gras umherwälzenden Menschen und nach Blut buddelnden Naturkindern eine Arthouse-Parodie vor mir zu haben.
Wen sowas bewegt, der kann blindlings zuschlagen. Wer etwas mehr Substanz oder auch einfach nur etwas mehr "klassischen Film" sucht, der lasse sich weiter von Jörg Buttgereit oder Gasper Noé durchschütteln...
Was die DVD allerdings beträchtlich aufwertet sind die vielen liebevollen Extras wie Bonusfilme, Comics usw., und das einstündige MakingOf ist weitaus interessanter als der Film. Man muss für Karims Obsession schon Respekt zollen, ein derart radikales Ding gegen alle Barrieren durchzuziehen und er weiss allerlei spannende Anekdoten über den Werdegang des Films zu berichten - ein sehr sympathischer Mensch ist er obendrein! Natürlich würde er heute "einiges anders machen", aber zumindest muss ihm sein Frühwerk nicht so peinlich sein wie das anderer hiesiger Splatter-Filmer, die seit Jahren *überhaupt nichts* anders machen...