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In den Augen der "normalen" Gesellschaft, sind die reichen- und mondänen Menschen dieses Planeten, Klischeebeladen bis zum geht nicht mehr. "Geld verdirbt den Charakter" und deshalb sind sie geizig, versnobt, nur an sich selbst denkend und vor allem extravagant. Sie bilden sich ein etwas Besseres zu sein! Und unzählige Fernseh- und Zeitschriftenmagazine leben nur davon, dass wir das auch ja alles glauben. Was davon nun letztendlich wahr ist und was nicht, dass darf wohl jeder für sich selbst entscheiden. Mit "Das Leben - Ein Sechserpack" haben wir hier nun die ultimative Satire auf alles was reich und schön ist. Und für wahr, sie ist prächtig gelungen!

"Six Degrees of Separation" dürfte wohl eines der bösesten Stücke Satire sein, was es auf der Leinwand je zu sehen gab. Das fängt schon bei der herrlichen Filmstory an. Ein schwarzer Hochstapler schleust sich, unter der Angabe er sei der Sohn von Sidney Poitier, in Schickeria New Yorks ein, um diese dann gründlich hochgehen zu lassen. Dabei geht er unheimlich geschickt und elegant vor, dass seine Opfer keinerlei Verdacht hegen. Die Geschichte ist clever ersponnen wurden und hält sich fern von allem, was man als "üblich" bezeichnen würde. Zudem durchgehend klug durchdacht und nur selten unlogisch. Hier passt wirklich so ziemlich alles.

Dabei sind es vor allem die Figuren, die einem soviel Freude bereiten. Regisseur Fred Schepisi und Drehbuchschreiber John Guare zeigen die Welt der Reichen und Schönen als einen Sumpf von versnobten und hochnäsigen Spinnern, denen der gute Ruf wichtiger ist, als alles andere. Sie merken es nicht (bzw. erst viel zu spät), wenn sie übers Ohr gehauen werden, sie kommen nicht mit ihren Kindern klar und sie wollen immer nur das schnelle Geld machen. Dabei werden die Figuren aber allesamt so etwas von herrlich überspitzt präsentiert, dass man sie dennoch allesamt sympathisch finden muss. Keinem kann man wirklich böse sein. Allesamt sind sie so passend auf die Spitze getrieben worden, wie man es sich nur wünschen kann. Vor allem die Hauptfiguren Ouisa und Flan Kittredge sind gar köstlich.

Und auch die Dialoge bestimmen hier die Musik. Die Art wie sich die Figuren unter einander verständigen, ist manchmal einfach fantastisch. Großartig z. Bsp. Flan ständige Sorge verklagt zu werden, wenn seine Frau irgendwelche große Namen in ihre Erzählung bringt. Oder der groß ausgebreitete Telefondialog zwischen Flan und Paul, am Ende des Films. Eine wahre Dialogflut, ja eigentlich fast nur Dialoge, hat dieser Streifen zu bieten und trotzdem wird es kaum einmal langweilig, da man sich einfach die ganze Zeit angenehm unterhalten davon fühlt und auch gerne mitfiebert.

Doch trotz aller Unterhaltung darf auch die Dramatik der Geschichte nicht unbeachtet bleiben. Zwar wird, durch die Überspitzung der Figuren, durchaus zum Amüsieren eingeladen, doch die eigentliche Tragik des Ganzen kommt auch nicht zu kurz, was man vor allem am bitteren Ende deutlich zu spüren bekommt. Und, was das allerwichtigste ist, sie wirkt in absolut keiner Szene irgendwie aufgesetzt. Und das ist schon eine Kunst.

Dafür, das es nicht Langweilig wird, sorgt aber auch die trickreiche Präsentierung des Ganzen. Regisseur Fred Schepisi erzählt seine Mondänen-Geschichte nämlich nicht linear, sondern verschachtelt sie in ständigen Rückblenden. Dabei kommt es des öfteren sogar zu Rückblenden, die sich überlappen. Sprich manchmal wird die Geschichte sogar in 4 - 5 aufeinanderliegenden Rückblenden erzählt. Und trotzdem kann der Zuschauer eigentlich durchgehend den Überblick behalten. Und das ist sicher ebenfalls eine Kunst.

Das I-Tüpfelchen bilden am Ende allerdings auch die Stars, die sich hier allesamt herrlich selbstironisch zeigen. Donald Sutherland und Stockard Channing spielen ihre Rollen, wirklich mit einer herrlich übertriebenen Versnobtheit und bleiben dennoch glaubwürdig. Und Will Smith zeigte in diesem 1993er, schon vor seiner Hollywood-Karriere, dass er das Zeug zu einem echten Charakter-Darsteller hat. Wäre schön, wenn man ihn heutzutage mal wieder in so einer Rolle bewundern dürfte.

Fazit: Brillante, bissige und wirklich unheimlich böse Satire auf alles was sich gerne als "Reich" und "Schön" bezeichnen lässt. Mit herrlich übertriebenen Charakteren, einer passenden Story und einer ausgefuchsten Inszenierung, zeigt uns Regisseur Fred Schepisi eine wirklich blendende Verhohnepipelung der mondänen Gesellschaft, ohne dabei aber jemals albern zu werden oder die eigentliche Dramatik des Ganzen zu verbergen. Ab und an hätte das Treiben zwar etwas kompakter sein dürfen, aber unterm Strich bleibt uns dennoch ein herrlich absurdes Filmerlebnis, der ganz besonderen Art!

Danke dafür!

Wertung: 8,5/10 Punkte

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