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Vor bald 20 Jahren hatte Joan Burrows (Angela Bettis) ein grauenhaftes Erlebnis, als sie und ihre Freundin Susan (Tegan Moss) etwas zu neugierig waren und beim örtlichen Leichenbestatter Bishop (Ben Cotton) durchs Fenster sehen wollten. Dabei verletzte sich Joan am Schienbein, weshalb Bishop auf die beiden Teenager aufmerksam wurde, sie darauf hin aber freundlich zum Tee einlud und fachmännisch die Wunde versorgte. Ganz offensichtlich gefiel Joan der junge, nicht unattraktive Mann, aber anstatt eines Kusses, hatte dieser nur einen Chloroform-getränkten Wattebausch für sie übrig.

Als sie wieder aufwachte, befand sie sich gefesselt auf einer Liege in Bishops persönlichem Leichenpräparations - Reich. Daneben war Susan ebenfalls auf einer Liege gebettet, schon von einer Vielzahl an Schnitten übersät. Auch jetzt zeigte Bishop keinerlei sexuelles Interesse an den jungen Frauen, sondern nur an seinem sadistischen Spiel. Er wollte sie so lange abwechselnd foltern, bis die Erste von ihnen den Tod der Freundin fordern würde.

Nun ist die Geschichte von Repression und Folterung so alt wie die Menschheit, und es gibt genügend Museen, vorzugsweise in alten Gemäuern, die den Betrachter gerne mit alten Folterinstrumenten gruseln. Allerdings hatten die jeweiligen, meist von staatlicher Seite beauftragten, Folterer zumindest eine Intention für ihr Tun, aber daran ist "Scar" nur wenig interessiert. Allein die Tatsache, dass es sich um einen Leichenbestatter handelt, der gerne das Skalpell schwingt, und er irgendwo auf dem Land lebt, genügt schon, dass er zwei Mädchen aus der Nachbarschaft quält. Weitere herumliegende Leichen sollen zudem suggerieren, dass er das nicht zum ersten Mal macht, wofür auch seine sehr selbstsichere, souveräne Vorgehensweise spricht, nur stellt sich dann die Frage, warum er bisher noch nicht erwischt wurde, wenn er einfach mal eben zwei neue Opfer auswählt, die zufällig vor seiner Tür stehen, und die bestimmt schon nach kurzer Zeit von ihren Angehörigen vermisst werden ?

Einer logischen Antwort entgeht der Film dank zweier erzählerischer Konstruktionen. Zum Einen ist von Beginn an klar, dass Joan diese Tortur überlebt hatte, was nichts Gutes für den Folterer bedeuten kann, zum Anderen wird diese Story aus der Vergangenheit durch Rückblenden in die Gegenwart eingebettet. In diese kommt Joan nach vielen Jahren wieder in ihre Heimatstadt zurück, um ihren Bruder zu besuchen, der vor nicht langer Zeit seine Frau bei einem Verkehrsunfall verloren hatte. Inzwischen befindet sich ihre Nichte Olympia (Kirby Bliss Blanton) im gleichen Alter, wie Joan damals, hat eine neckische Freundin (Monika Mar-lee) und ähnliche amouröse Interessen. Paul (Devon Graye) hat es ihr angetan, aber ihre beginnende Liebe wird empfindlich von Geschehnissen gestört, die stark an die schrecklichen Ereignisse von damals erinnern, zumindest hinsichtlich des Zustands der Leichen.

Der größte Vorteil der Verzahnung zwischen den Folterungen von vor 20 Jahren und den aktuellen Geschehnissen, liegt im ständigen Zeigen blutiger und sadistischer Szenen, ohne dass der Betrachter darauf warten muss, bis er endlich den aktuellen Mörder bei seinem Hobby sehen darf. Letztlich handelt es sich in diesen expliziten und mit anhaltender Grausamkeit gezeigten Szenen um den einzigen Sinn des Films, denn dessen Palette an unlogischen Verhaltensweisen, dilettantischen Versuchen, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu führen und jegliches Unterlassen auch nur geringster Charakterisierungen der Protagonisten, weiter zu kommentieren, wäre eine zu große Ernsthaftigkeit im Umgang mit diesem Film.

Für Ernsthaftigkeit sorgt der Film schon selbst, denn nicht der kleinste Humor oder trashige Details weichen das krude Geschehen auf. Vielleicht wollte "Scar" damit verhindern, dass zu sehr der Eindruck entsteht, dass hier nur Frauen gefoltert werden (ein paar Männerleichen gibt es auch, aber deren Werdegang wird nicht im Bild gezeigt), vielleicht hat man deshalb auch jede erotische Komponente weggelassen, die angesichts der gefesselten jungen Frauen sehr nahe liegend gewesen wäre und wenigstens einen kleinen Eindruck von einer Intention der Folterer geliefert hätte, aber damit kristallisieren sich die Folterungen nur noch mehr als das heraus, was sie hier offensichtlich sein sollen - Schauwerte für sensationslüsterne männliche Fans.

Das der Film jetzt, drei Jahre nach seiner Entstehung, in 3D in die Kinos kommt, verbessert ihn in keinerlei Hinsicht. Zwar wurde die Technik weniger dilettantisch verwendet, als der restliche Film daher kommt, aber das ändert nichts daran, dass hier nur mit einer brutalen Optik Schrecken verbreitet wird, ohne jemals Identifikationen mit den Protagonisten aufzubauen. Aber darin lag wahrscheinlich auch kein Interesse, denn hier geht es nur ums Foltern und Jeder, der an diesem Werk Freude empfindet, muss schon sehr genau argumentieren, um den Eindruck zu verwischen, dass es nicht daran lag, dass hier ausschließlich Frauen gequält werden (1/10).

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