Review

Gehen wir einmal um die dreißig Jahre zurück im breit gefächerten Genre des Horrorfilms, da wäre dieser Streifen eine absolute Sensation und gleichermaßen Provokation gewesen.
Doch heute, nachdem deutliche Vorbilder wie „Scream“ und „Saw“ ohnehin bereits etliche Male kopiert wurden, fällt Regisseur Jed Weintrob auch nichts Besseres ein, als an dessen oberflächlicher Struktur zu kratzen und für den Extrakick den 3D-Effekt hinzuzumogeln.

Joan überlebte als junges Mädchen die Folter des Bestatters Bishop, seither ist ihre Kinnpartie von einer langen Narbe gezeichnet. Heute kehrt sie zum Ort des Grauens zurück und befindet sich schon bald in einer ähnlichen Situation, denn Nichte Olympia könnte im Zuge einiger Morde in Teeniekreisen das nächste Opfer darstellen…

Nicht viel los im Klischeetheater des Slashers, denn bei den meisten Figuren fehlt die Charakterisierung komplett, bei anderen kommt man über stereotype Merkmale kaum hinaus.
Mal abgesehen von der einigermaßen glaubhaften Hauptfigur Joan ist ihr Bruder der coole Dorfsheriff, die Nichte eine typische Siebzehnjährige mit Hang zum schüchternen Nerd Paul und den ersten Erfahrungen im Joint-Bereich, während alle anderen nicht sonderlich auffallen.

Erzählerisch greift man zwei Handlungsstränge auf: Einmal den aktuellen, mit einigen völlig unspektakulären Morde, die zumeist im Off stattfinden und wenig Gewaltmomente offenbaren und dann die Rückblenden vom einstigen Folterspiel, bei dem beide Freundinnen auf dem Tisch gefesselt unter Anwendung verschiedener Schmerzmethoden für die andere leiden müssen oder eben verbal das Schicksal der anderen besiegeln können.
Hier splattert es hingegen gewaltig und explizit, da reicht die Palette von verschiedenen Schnittwunden über heraus getrennte Zunge bis hin zum fiesen Ritzen mit dem Rasiermesser oder dem Bearbeiten mit dem Tacker.
Nicht nur die düstere Farbgebung und die dreckig wirkenden Requisiten erwecken eine bedrückende Stimmung, hinzu kommen einige Farbfilter und der teilweise schrill einsetzende Score, welche die Pein in 3D noch erhöhen.

Dennoch kommt die Geschichte nicht so recht in Gang, denn es spielen sich lediglich Parallelen ab, die gegen Ende immer vorhersehbarer werden, zahlreiche Logiklöcher aufdecken (Bestattungsinstitut/Tatort wurde zum makaberen Museum umfunktioniert, jedes Opfer lässt sich mühelos und ohne Zeugen beseitigen) und nur noch erahnen lassen, wer da eventuell die Taten von damals voller Bewunderung oder Zorn kopiert.
Dabei sticht darstellerisch niemand hervor und auch die unrunden Dialoge wirken so manches Mal wenig glaubhaft.
Lediglich das Tempo ist brauchbar und lässt die Chose nicht gänzlich langweilig erscheinen.

So findet man eine Leiche beim lokalen Fischfest, zeigt wie man mit leichten Körperkontakt klauen kann, leuchtet nachts mit einer Taschenlampe ums Haus und setzt goretechnisch zum Finale noch einen drauf, denn da findet ein Elektromesser und eine offensichtlich besonders scharfe Rasierklinge Verwendung.

Slasher, Folterfilm, Serienkiller-Thriller, - der übliche Genremix vermag trotz seiner vagen 3D-Effekte nur teilweise zu überzeugen, da er mit seiner Story keinerlei Innovationen einbindet und lediglich auf allseits bekannten Pfaden tritt.
Durchschnittlich inszeniert, dürften zwar ausgemachte Splatterfreunde ihre wohl portionierte Dosis erhalten, doch bei alledem fällt das Mitfiebern eher mau aus und auch die Konfrontationen zwischen Gut und Böse fördern nicht allzu starke Spannungsmomente zutage.
Nichts für die große Leinwand, eher für den herkömmlichen DVD-Abend.
Knapp
5 von 10

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