Man nehme Shyamalans „The Village“, addiere einen zeitgenössischen Blair-Witch-Trupp und gebe als Monstereinlage einen Oger, der wie Shreks mutierter Bruder wütet und schon erhält man eine höchst unterhaltsame Mischung dieser Sci-Fi-Produktion.
Der atmosphärisch dichte Einstieg verbreitet eine urige Stimmung: Anno 1859 hat eine Seuche die Einwohner des Walddorfes Ellensford, nahe Pennsylvania heimgesucht, bis Sir Henry, Magier und Magistrat in einem, einen dunklen Pakt schließt: Fortan ist die Seuche geheilt und niemand altert mehr, doch um das Waldgebiet ist eine magische, tödliche Grenze gezogen und einmal im Jahr wird dem menschenfressenden Oger ein Opfer dargebracht.
In der Jetztzeit machen vier Teens eine Expedition und landen prompt im Dorf der Vergangenheit und werden alsbald mit dem Monster konfrontiert…
Ein Direktvergleich könnte eventuell aufklären, ob es sich bei den Kulissen um dieselben handelt, die bereits bei Shyamalan untergebracht wurden, einschließlich des Überwachungsturms. Denn eine gefühlte Parallele ist von Beginn an gegeben, nicht zuletzt aufgrund des strukturierten Personengeflechts im Dorf.
Der leicht zauselige Magistrat mittleren Alters, seine hübsche Tochter, ebenfalls mit magischen Fähigkeiten gesegnet und dazwischen ein paar markante Gesichter, die sich zwar beinahe mittelalterlich unterhalten, aber aufgrund durchweg solider Darstellerleistungen und nicht zuletzt passabler Ausstattung ein glaubhaftes Bild jener Zeit vermitteln, welches zudem eine Menge Atmosphäre verbreitet.
In dieses Gefüge geraten zwei Teens (die beiden anderen fallen vorher schon dem Oger zum Opfer) und können kaum glauben, was da vor sich geht, - zumal sie gleich hinter Gittern landen und anstelle des Einheimischen geopfert werden sollen.
Zwar tun sich am Rande derbe Logiklöcher auf, warum denn seit rund 150 Jahren niemand zuvor das Dorf aus der Vergangenheit entdeckte und wie ein Oger von geschätzten fünf Meter Körperhöhe mit nur einem Menschenopfer pro Jahr auskommen soll, doch mit dem Zusammenprall der Kulturen ergeben sich im Verlauf auch auflockernde Momente, die das bunte Geschehen um eine weitere Komponente erweitert.
Um die Gestaltung des Ogers und seine Taten ist es hingegen nicht so positiv bestellt. Die CGI arbeiten zweckmäßig, aber keineswegs detailverliebt. Während der riesige Unhold in einigen Szenen schlicht dahingeklatscht aussieht, kommt seine gewaltige Körpergröße eher in solchen Momenten zum tragen, wenn er allein durch den einsamen Wald stapft.
Zudem könnten seine Aktionen etwas brachialer ausfallen, denn bis auf ein paar ausgerissene Gliedmaßen und einen abgebissenen Kopf, spritzen eher Blutfontänen an Bäume, als dass Explizites im Vordergrund stünde.
Tatsächlich erinnert seine Mimik ein wenig an Shrek in missmutiger Laune, er brüllt häufig, stampft laut, aber er trägt unter seinem Wanst auch einen Lendenschurz, der vielleicht eine angeborene Geschlechtskrankheit kaschieren soll.
Dabei geht es im Gesamtbild gar nicht mal so trashig zu, sondern eher flüssig, wenn auch storybedingt recht naiv, vorhersehbar und klischeebeladen.
Aber die simple Komposition macht Freude, bindet spannende Momente (Falle für den Oger) ebenso ein, wie kleine Aufheiterungen (Hilfsgesuch bei Dorfpolizisten), sowie atmosphärische Szenen (Vorbereitungen für ein Schutzritual mit Salz und Kerze).
Es ist diese bestimmte Mischung, die gewiss nicht jeden Zuschauer überzeugen wird, doch wer Stichworte wie altertümliches Walddorf, Gewehrschüsse und Pfeile gegen einen riesigen Unhold und Magistrat mit sinistren Plänen (aber durchschauender Tochter) als schmackhafte Zusammensetzung empfindet, sollte einen vorsichtigen Blick riskieren.
Wohlwollend
7 von 10