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Mullen besitzt und betreibt die viertgrößte Airline der Vereinigten Staaten. Also hat er mächtig Kohle! Und da er schon mal bereit ist, $ 15 Millionen Schmiergeld zu bezahlen, ist er doch bestimmt auch bereit, lediglich $ 2 Millionen für seinen kleinen Sohn zu berappen. Er soll eigentlich auch kein FBI hinzuziehen, aber da Mullen eigentlich auf alles scheißt, was man ihm sagt, macht er eben das Gegenteil. Und da er einsieht, dass das Bezahlen des Lösegelds nicht unbedingt dazu führt, dass er seinen Knilch wiedersieht, macht er einfach noch etwas viel Verrückteres: Er setzt ein Kopfgeld auf den Entführer aus.

Eine solche Geschichte birgt natürlich eine enorme Spannung, die nur etwas schlecht im Film verteilt ist. Nach der soliden aber belanglosen Einführungsszene baut sich die Spannung bis ungefähr zur Hälfte des Films zu einem ersten Höhepunkt auf; danach verändert sich storyintern alles und die Spannung fällt auf einen tiefen Punkt zurück. Der Film verliert hier sein Tempo und kommt erst gegen Ende wieder etwas in Gang. Das Ende selbst ist dramaturgisch aber einwandfrei!

Mel Gibson spielt routiniert, ohne vielleicht besonders brillant zu sein. Rene Russo hingegen fällt weit ab. Nicht nur, weil ihre Rolle mit ihrer Silhouettenhaftigkeit und Unentschlossenheit denkbar schlecht geschrieben ist, sondern auch, weil sie es einfach nicht richtig schaft, ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen. Die Szene, in der Mullens Kind vermeintlich erschossen wird und der Zuschauer einen totalen Schock bekommen soll, ist zwar durchschaubar, aber vielleicht noch eine der wenigen Ausnahmen, in der Russo besser spielt. Letzten Endes wird aber auch diese Szene von Gibson getragen. Sinise kommt auch nicht recht an ihn heran, aber den Bösewicht verkörpert er durchaus adäquat. Sein verweichlichtes, verzweifelndes Gesicht passt zwar eher zu seiner Rolle in "Forrest Gump" oder "The Stand", aber viele Nahaufnahmen geben ihm hier die Chance, sich recht zu präsentieren. Das Bullenoutfit schmückt ihn als Wolf im Schafspelz sowieso toll.

Inszenatorisch gibt sich der Film durchaus solide wenn auch viel zu uninspiriert. Daran dreht auch der dramatische Mittelklasse-score nichts.

"Kopfgeld" endet als etwas belangloser Gibsonfilm, da er den Film durch seine routinierte Leistung trägt und auch über Schwächen im Aufbau hinwegsehen lässt. Man findet bei diesem Streifen eine grundsolide Spannung, die in einem guten Schluss mündet.

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