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"Sie sind ein Mann, der sich gern freikauft."

Millionär Tom Mullen (Mel Gibson) ist Besitzer einer Fluggesellschaft und führt mit seiner Frau Kate (Rene Russo) und dem 9-jährigen Sohn Sean (Brawley Nolte) ein angesehenes Familienleben. Dann aber wird Sean entführt. Die Erpresser fordern 2 Millionen Dollar Lösegeld und eine Abwicklung ohne Polizei oder ähnlichem. Dennoch wenden sich Tom und Kate an das FBI, die sogleich die Telefone verkabeln. Rückrufverfolge haben jedoch keine Erfolge. Für die Geldübergabe haben die Entführer zahlreiche Möglichkeiten bedacht, das FBI in die Irre zu führen. Dennoch verläuft sie für beide Seiten nicht nach Plan. Tom hat bei einem zweiten Versuch der Geldübergabe Zweifel, dass die Entführer seinen Sohn freilassen und wendet sich spontan an die Presse. Dort verkündet er öffentlich, dass er die 2 Millionen Dollar Lösegeld als Kopfgeld gegen die Verbrecher aufsetzt.

Regisseur Ron Howard ("Willow", "Apollo 13", "Frost/Nixon") erschuf mit "Kopfgeld - Einer wird bezahlen" einen Entführungs-Thriller, der auch Jahre nach seiner Erscheinung immer noch keine Abnutzungserscheinungen hat. Mit seiner unglaublichen Spannung, den sehr guten Darsteller und einer innovativen Wendung der Geschichte wirkt er gegenüber seiner zahlreichen Konkurrenz an ähnlichen Thrillern immer noch frisch.

Zunächst ist "Kopfgeld" eher eine klassisch erzählte Entführungsgeschichte, die flott zur Sache kommt. In den ersten paar Minuten werden die wichtigsten Figuren knapp eingeführt, dann findet die Entführung und Lösegeldforderung auch schon statt. Dabei nimmt sich der Film ebenfalls etwas Zeit, um die Entführer zu personifizieren und die erste Überraschung zu offenbaren.
Nach dem Aufsetzen des Kopfgeldes dreht sich das Blatt. Das bereits zuvor aufgebaute Kräftemessen zwischen dem Kopf der Entführer und Tom Mullen eskaliert und führt zu einer ungemeinen Spannung, die nicht abflacht. Emotional spielt "Kopfgeld" sehr schnell mit dem Wechsel zwischen Angst, Verzweiflung, Wut und Genugtuung. Dies bleibt bis zum überhasteten Schluss des Films.

Beeindruckenderweise wird der subtile Aufbau und das stark durchgezogene Tempo nicht durch die klischeehafte Darstellung der Charaktere getrübt. Diese basieren nämlich zunächst nur auf einer traditionellen Erfolgsideologie und einfacher Profitgier. Die Weiterentwicklung durch ein inhaltlich komplexes Gespräch zwischen Täter und Opfer und deren Rangordnung bildet eine gern genommene Ausnahme.

Viel Action gibt es nicht. "Kopfgeld" baut eher durch Dialoge und einem intensiven Wechselbad der Gefühle Tempo und Spannung auf. Wenn es aber zu Schießereien kommt, sind diese angenehm bodenständig gehalten und enden stets blutig und brutal. Die packende Filmmusik dazu unterbreitet eine dichte Atmosphäre.

Die Besetzung ist überaus spielfreudig. Mel Gibson ("Braveheart", "Mad Max"-Reihe), Rene Russo ("Lethal Weapon"-Reihe, "Thor"-Reihe) und Brawley Nolte harmonieren miteinander und spielen ihre Rollen emotional glaubwürdig mit nur leichten Aussetzern in Richtung Übereifer.
In Nebenrollen geben Liev Schreiber ("Scream"-Reihe, "Sphere - Die Macht aus dem All") sowie Donnie Wahlberg ("Saw"-Reihe) ordentlichen Support um beispielsweise den ungemein charismatischen Gary Sinise ("Forrest Gump", "The Green Mile") nicht seine ordentliche Präsenz zu stehlen.

"Kopfgeld" ist spannend bis Schluss und hochkarätig besetzt. Vor allem aber der originelle Wechsel vom Jäger zum Gejagten machen den Thriller auch nach Jahren noch interessant und außergewöhnlich. Die wenige Action ist inszenatorisch hervorragend. In der Figurenzeichnung hätte es dennoch gut getan nicht die übliche Zusammenstellung aus Stereotypen zu sehen.

9 / 10

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