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"Ich denke, dass jeder Mensch seine eigenen Gründe hat, weshalb er weiterleben möchte."

Takashi Miike ("Ichi the Killer", "Dead or Alive") ist bekannt für absurde, durchgeknallte und grafisch außergewöhnliche Werke. Mit "Sukiyaki Western Django" wagt er sich an eine japanische Interpretation des legendären Italo-Westerns.

Hunderte von Jahren nach der Schlacht bei Dannoura kommt es in dem japanischen Dorf Yuta zu Spannungen. Nach dem Fund von Gold ziehen die Genji mit ihrem Anführer Yoshitsune (Yusuke Iseya) und die Heike unter der Führung von Kyomori (Koichi Sato) vor Ort. Keiner der rivalisierenden Gangs ist bereit das Gebiet zu teilen. Die darauf folgenden Unruhen vertreiben den Großteil der dortigen Bevölkerung.
Als ein namenloser Reiter (Hideaki Ito) mit einem schnellen Griff zum Revolver das Dorf aufsucht, sind beide Seiten versucht den mysteriösen Fremden auf ihre Seite zu ziehen. Der Revolverheld arbeitet allerdings für niemand anderen und spielt stattdessen beide Seiten für seine Zwecke aus. Dabei gerät er selbst in die Schusslinie der Gangs und zieht weitere Unschuldige mit hinein.

Direkt zu Beginn ist Werbefigur Quentin Tarantino ("Death Proof", "Pulp Fiction", "Kill Bill") präsent und erzählt im knappen Prolog die Hintergründe der folgenden Handlung. Bereits hier sind die grafischen Stilmittel, welche den Japano Western durchgehend tragen, auffällig. Die Hintergründe der Kulissen sind hin und wieder Gemälde. Knallige Farben sowie extravagante Farbfilter erinnern an das Trashkino der 70er Jahre. Miike setzt ganz offensichtliche Hinweise auf ältere Werke, die er ab und zu auch zitieren lässt.
Die Geschichte und einige Details sind nicht nur aus den "Django"-Filmen entliehen. Es finden sich auch eindeutige Hinweise zum moderneren "Last Man Standing" mit Bruce Willis. Was Miike daraus macht, ist anfangs allerdings alles andere als unterhaltsam.

Umständlich, zäh und ohne spürbare Leidenschaft für seine Figuren wird der Plot um einen Fremden, der in ein heruntergekommenes Bergdorf kommt und dort zwischen die Fronten zweier Banden gerät, ausgebreitet. Die erste Hälfte ist mit langatmigen Dialogen gespickt, welche die Handlung kaum voran zu treiben. Nur selten sorgen ein paar flotte Schießereien für Abwechslung.
Durch das mäßige Figurendesign stellt sich kaum Bezug zu diesen her. Die Folge ist völlige Bedeutungslosigkeit und Gleichgültigkeit während des Ablebens manch eines Charakters. Da die Handlung lange Zeit ohne Steigerung der Spannungskurve vor sich hin plätschert, schaltet der Zuschauer recht bald ab und wartet auf bessere Zeiten.
Diese kommen, wenn auch sehr spät. In der zweiten Hälfte kommt Miikes Film langsam etwas in Schwung. Es wird actionreicher und unterhaltsamer. Das durchaus gelungene Finale ist oppulent inszeniert und effektreich ausgestattet. Ein Trost für das lange warten.

Neben vielen dramaturgischen Schwächen und einem deutlich abgehobenerem Finale kommt vor allem der Humor nicht zu kurz. Dieser ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und nur selten passend zur Szenerie. Viel zu slapstickhaft und gestellt wirkt manch eine Comedyeinlage. Dies geht so weit, dass die sonst ernsthaft erzählte Handlung satirisch sämtliche Westernklischees bedient und selbst in Klischees versinkt. "Sukiyaki Western Django" ist vielmehr Parodie als ernst zu nehmender Western. Da die meisten Gags dann auch nicht zünden wollen, bleibt dem Zuschauer nur die ins Gesicht geschriebene Ratlosigkeit.

Für eine internationale Auswertung musste der Film Federn lassen. Satte 25 Minuten wollte man dem geneigten westlichen nicht zumuten. Dadurch fällt die Laufzeit von knapp 2 Stunden auf gerade mal 90 Minuten. Nicht ohne weitere Folgen, denn der fehlende Inhalt schlägt sich auf plötzliche Handlungslöcher nieder.

Für japanische Verhältnisse tritt ein recht namhafter Cast auf. Allerdings befindet sich die Performance dieser auf niedrigem bis zweckmäßigen Niveu. Einige Darsteller wollen nicht in ihre Rollen passen, manch einer scheint unterfordert oder gelangweilt und präsentiert seine Figur mehr als nur unschlüssig. Gerade für die Schlüsselpositionen wäre es wichtig gewesen, Schauspieler mit eigenem Charisma einzusetzen.
Selbst der Gastauftritt von Quentin Tarantino ist nur milde unterhaltend.

"Sukiyaki Western Django" schlägt in die Kerbe trashiger Western-Parodie gewürzt mit einem großen Anteil japanischem Ulk. Letzterer ist so albern, dass man den Film kaum noch ernst nimmt. Sicherlich ist manch ein Shootout innovativ abgefilmt oder mit einfallsreichen Details angereichert, dies mildert aber den durchschnittlichen Gesamteindruck kaum. Erst das actionreiche Finale ist eine kleine Abfindung für die langwierig erzählte erste Hälfte des Films. Gut gemeinte...

4 / 10

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