Während des ersten Weltkriegs versorgt ein ständig betrunkener, raubeiniger Kapitän, gespielt von Humphrey Bogert, die Dörfer, die an den Flüssen Deutsch-Ostafrikas liegen. Als die deutschen Soldaten schließlich beginnen, die Dörfer niederzubrennen, nimmt er eine Missionarin, gespielt von Katherine Hepburn, auf. Für die beiden beginnt auf der Flucht vor den Deutschen das größte Abenteuer ihres Lebens, bei dem sich die beiden vollkommen unterschiedlichen Menschen näher kommen.
"African Queen" gilt als einer der besten Filme aller Zeiten und war ein Meilenstein für das Romantik-, sowie für das Abenteuergenre. Und auch heute, über fünf Dekaden, nachdem der Film erschien, unterhält er immer noch ganz gut, auch wenn das Schema, nach dem er gestrickt ist, mittlerweile so oft verwendet wurde, dass es ziemlich blutleer geworden ist.
Im Wesentlichen ist es die Inszenierung von John Huston, der mit "Die Spur des Falken" und "Moby Dick" zwei weitere Klassiker inszenierte, die auch heute noch zu unterhalten weiß. Auch wenn Huston nicht die heutigen inszenatorischen Mittel hatte, ist der Regenwald Afrikas in all seiner Schönheit hervorragend in Szene gesetzt. Teilweise lässt er die Idylle dabei bewusst surreal wirken, womit er auch die Gefahren darstellt, die von dieser ausgehen. Dabei setzt er relativ selten Filmmusik ein und lässt die gelungene Optik für sich sprechen. Darüber hinaus hält Huston das Erzähltempo genau hoch genug, um unterhalten zu können, ohne, dass der Film kurzweilig wird. Dabei findet Huston eine ausgewogene Mischung aus Romanze und Komödie. Der Humor ist stilvoll und liebenswert, wie man es von vielen Klassikern aus den 50ern kennt, zu mehr als einem flüchtigen Lächeln reichen die, teilweise amüsanten Dialoge jedoch nicht aus, da sie aus dem heutigen Blickwinkel einfach zu brav sind. Die romantischen Szenen sind ebenfalls routiniert inszeniert, wirken zwar ein bisschen kitschig, aber auf eine liebenswerte Art. Die Action-Szenen, die eingebaut werden, überzeugen aus dem heutigen Blickwinkel zwar nicht mehr, sind aber spannend inszeniert. Alles in allem ein Fest für Nostalgiker und solide Unterhaltung für die übrigen Zuschauer.
Mit Humphrey Bogert und Katherine Hepburn sind zwei der besten Darsteller aller Zeiten in den Hauptrollen zu sehen und die beiden wissen durchaus zu gefallen. Bogert, der für "African Queen" seinen Oscar gewann, überzeugt als raubeiniger, versoffener Kapitän mit seiner kantigen Art, macht sich im Verlauf des Films, mit einer zunehmend sympathischer werdenden Darstellung aber ebenfalls sehr gut, bis er zum Ende hin als Bilderbuch-Held überzeugt. Katherine Hepburn darf hier mal wieder eine Frau spielen, die genau weiß, was sie will und ihre Absichten prinzipiell durchsetzt, musste im Prinzip also sie selbst sein, und das macht sie auch hier ausgezeichnet, spielt sehr sympathisch und harmoniert mit Bogert sichtlich gut.
Die Story um zwei vollkommen gegensätzliche Charaktere, die in diesem Fall durchaus ordentlich, wenn auch etwas klischeehaft konstruiert sind, die sich anfangs abstoßen und sich schließlich dann doch anziehen, ist mittlerweile so oft auf die Leinwand gebracht worden, dass man es nicht mehr sehen kann und das ist auch der Grund dafür, dass "African Queen" einen Teil seines ursprünglichen Reizes eingebüßt hat, denn alles in allem ist er aus dem heutigen Blickwinkel leider enorm kalkulierbar und alles in allem zu naiv.
Fazit:
Obwohl die Handlung 58 Jahre nach Dreh des Films an ihrer Vorhersehbarkeit und Klischeehaftigkeit krankt, da das Schema mittlerweile hundertfach verwendet wurde, ist "African Queen" ein unterhaltsamer und charmanter Klassiker, der über die volle Laufzeit unterhält. Dies ist unter Anderem auf die idyllische, aber doch surreal schöne Kulisse, auf die beiden sympathischen Hauptdarsteller, sowie auf den herzlichen Humor zurückzuführen. Für Fans klassischer Romanzen ein Muss.
61%