Review

Der Abstieg alter Stars in die cineastische Zweitliga ist oft amüsant. Mal ehrlich: ich liebe Stuart Whitmann im Kampf gegen Riesenkarnikel und Tab Hunters Auftritt in "Polyester" hat nicht nur das Publikum zum Lachen gebracht, sondern dem ungeouteten Ex - Star den nötigen Karriereschub zum Kleiderschrank heraus gegeben. Umso mieser kommt mir da irgendwo "Witchcraft-Das Böse lebt" vor, der Chansonkönigin Hildegard Knef (hier wohl eher Helldegard oder Killdegard oder so) im Leichenmakeup als Hexe durch ein Inselanwesen scheucht und kleine Kinder, gestandene Männer und arglose Mitgreise in Angst und Schrecken versetzen lässt. Das ist dann keine Selbstparodie mehr wie im Falle Tab Hunters oder keine respektvollen Homage an einen alten Heroen wie bei Whitmann Karnickeljagd, sondern einfach nur hämisch.

Aber da Frau Knef sich mutmaßlich freien Willens auf dieses B-Spektakel unter der Regie Fabrizio Laurentis eingelassen hat kann man über dieses geriaphibe Hassverbrechen von Horrorfilm schamlos lachen. Oder vielleicht sogar mit Frau Knef selbst? Die Dame schien mir doch zu humorvoll und lebensfroh zu sein, um sich über die Teilnahme an solchen abseitigen Projekten zu schämen. Und ein paar Schmuntzler kann der Film einen dann doch entlocken.

Um an die interessanten Ideen des Filmes zu gelangen muss man sich aber erst mal durch ein verknotetes Fischnetz aus Handlung und Leichen wühlen: einerseits erzählt der Film nämlich die Geschichte des verkorksten Pärchen Leslie / Gary, die im sexlosen Paarurlaub für Leslie Buch dem Geheimnis eines mysteriösen Lichtes nachgehen, andererseits aber auch die Haussuche der Familie Sullivan. Beide Parteien führt ihr Vorhaben auf ein und die selbe Insel in ein und das selbe Haus, im Falle der Sullivan nebst Makler, Architektin und Blagen.

Mit von der Partie ist die Besitzerin des Hauses, eine einst populäre Schauspielerin, die sich nach der ersten Falte dort von der Öffentlichkeit zurückgezogen und sich ihrem neuen Hobby, der Hexerei, gewidmet hat. Und siehe da, die Zauberkunst ermöglicht einem doch glatt das Bohren eines Jungbrunnens! Auf Kosten der versammelten Tropfe, die auf der Insel praktischerweise einen Sturm aussitzen müssen. Frau Knef hat also ausreichend Zeit zum Treiben ihres Schabernackes und zum Anzapfen der fremden Lebensgeister ohnehin.

Herr Laurentis schien anno 88 einen Fetisch für betagte Filmdiven mit Hang zu kryptischen Gebabbel zu haben. Zu seinen weiteren Fetischen gehörten wohl scheinbar alle Dr. Who - Episoden, an die die Lichteffekte, Thrilldegards ständig aufblitzendes Antlitz und Spiralsequenzen pausenlos erinnern. Ja, die Spiralen: hier zieht Wildegard ihre Opfer rein, um sie entsprechend ihrer größten Marotten kreativ torzufoltern. Beispielsweise wird Mutti Sullivan der Mund zu genäht und die Olle darf sich anschließend vom eigenen Ehemann beim Entzünden eines abendlichen Feuers im neu erworbenen Kamin zu Tode Räuchern lassen. Ein Anblick, der nicht gerade Appetit auf ein Schinkenbrötchen macht, aber zu den ungewöhnlichsten Horrorfilmtoden gehört, die ich je gesehen habe. Auch die Flurkamerafahrten aus Kubrick "Shining" - Adaption schienen Laurentis sehr am Herzen gelegen zu haben, da er die quasi permanent wiederholt.

Die interessanten Ansätze werden allerdings meist wieder so schnell vom Film weggespuhlt, wie sie auftauchen. Die Macke, Leute anhand ihrer eigenen Fehlern abzustrafen ist so viele Jahre vor "Saw" durchaus interessant, zumal das ganze ja scheinbar in einer höllenartigen Parallelwelt stattfinden zu scheint, die dann sogar noch die "Silent Hill" - Spiele vorweg nimmt. Dank weniger belastbarer Skriptzeilen ist das aber bestenfalls ein Randphänomen. Aber gut, wenn man auch nur eine Raum im Studiokeller hat, den man ausschmücken und nutzen darf kann man da auch nur ein kleines Äquivalent zum Zenobitenreich zaubern.

"Witchcraft" ist noch nicht mal im Rahmen späten Spaghettihorrors besonders ansprechend, aber interessant. Man könnte meinen, dass für die guten Ideen das Geld ausging, weil alles im Budget von David Hasselhoff, Linda Blair und Hildegard Knef steckt. Wer auf Diven im Okkultblutrausch steht oder den Knight Röder himself mal mit blauen Eiern sehen will kann sich den Titel ja mal irgendwo in den Hinterkopf einkratzen. 

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